merken
PLUS

Neustart für Ottendorfs Skaterpark

Der Gemeinderat hat den Standort abgelehnt, den Baustart verschoben. Die Jugendlichen kämpfen für ihr Projekt.

Von Marleen Hollenbach

Das Modell soll schon bald Wirklichkeit werden. Das sagen die Jugendlichen von Ottendorf-Okrilla. Sie wünschen sich eine Skaterbahn, Bänke, eine Grillstelle. Damit jeder versteht, wie das aussehen soll, haben die Jugendlichen gebastelt. Das Ergebnis steht im Jugendklub im Vereinshaus in Ottendorf-Okrilla. Dort wird es von Robert Brückner, Leiter des Ottendorfer Jugendklubs, überwacht. Über ein Jahr lang hat er sich in einer Projektgruppe mit den Jugendlichen darüber Gedanken gemacht, wie das Leben in der Großgemeinde für die Jugend attraktiver werden könnte. Nach vielen Diskussionen hat man sich auf dieses Modell geeinigt.

Anzeige
Energisch zum Traumberuf
Energisch zum Traumberuf

Junge Menschen aufgepasst: Der ENSO-Ausbildungstag am 10. Oktober startet den eigenen Karrieremotor - jetzt auch digital!

Eigentlich sollte es in diesem Jahr schon mit dem Bau losgehen. Am Vereinshaus in Ottendorf-Okrilla hätte der neue Skaterpark schon Ende des Sommers stehen können. Die Pläne dazu lagen bereits auf dem Tisch der Verwaltung. Alles sah gut aus. Nur eines fehlte noch: die Zustimmung des Gemeinderates. Und genau daran scheiterte das Projekt. Die Mehrheit der gewählten Ortsvertreter hatte Bedenken. Die Gemeinderäte befürchteten, dass an dieser Stelle die Lärmbelästigung für die Anwohner zu groß sei, waren sich sicher, einen noch besseren Standort zu finden. Für die Ottendorfer Jugendlichen ist das eine schlechte Nachricht. Ihr bevorzugter Standort wurde abgelehnt, der Baubeginn damit um ein Jahr verschoben. Antje Krieck, Jugendsozialarbeiterin an der Oberschule in Ottendorf, musste die schlechte Nachricht überbringen. „Natürlich stieß das bei den Jugendlichen auf Unverständnis“, sagt sie.

Ortswechsel: Im Rathaus in Ottendorf-Okrilla hat die Sitzung des Gemeinderates begonnen. Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) schaut zu den Gästen hinüber. Er blickt verwundert. Auf den Stühlen haben Mädchen und Jungen Platz genommen. Ein ungewöhnliches Bild. Die Jugendlichen sitzen unruhig auf ihren Stühlen, sind aufgeregt, tuscheln miteinander. Ein Junge hält eine Liste in der Hand. 176 Jungen und Mädchen aus Ottendorf haben darauf unterschrieben. Unsicher dreht er sich noch einmal um, dann ergreift der Junge das Wort. „Wir wollen, dass die Vertreter des Gemeinderates mit uns gemeinsam einen neuen Standort suchen, damit der Skaterpark schon bald gebaut werden kann“, sagt er. Die anderen stimmen ihm zu. Dann sind alle still, schauen gebannt nach vorn.

Bürgermeister Michael Langwald ist an der Reihe. Eigentlich hatte er sich für den Skaterpark am Standort Vereinshaus ausgesprochen, aber jetzt muss er vertrösten, die Entscheidung des Gemeinderates rechtfertigen. Das fällt ihm sichtlich schwer. „Wir gehen hier ein paar Schritte zurück. Aber ich möchte, dass wir ganz dringend einen neuen Standort finden“, sagt er. Der Bürgermeister von Ottendorf nimmt die Unterschriftenliste entgegen. Die Jugendlichen sind zufrieden. Ihre klare Botschaft ist angekommen. Jetzt haben sie wieder Mut, hoffen auf einen Neustart für ihr Projekt. Und darauf, dass die Gemeinderäte mit ihnen wirklich zusammenarbeiten. Auch Jugendsozialarbeiterin Antje Krieck zieht ein positives Fazit. „Es war sehr mutig von den Jugendlichen, am Montag bei der Ratssitzung zu sprechen“, sagt sie. Die Bedenken der Gemeinderäte hält die Jugendsozialarbeiterin nicht für unberechtigt. Jetzt aber müsse es vordergründig darum gehen, einen Kompromiss zu finden.

Und das möglichst bald. Denn auch Antje Krieck weiß: Die Jugendlichen sind sehr ungeduldig. Im Moment ist das Projekt in aller Munde, das Interesse der Jugendlichen geweckt, ihr Engagement sehr groß. Doch wenn nichts vorangeht, kann sich das auch schnell ändern. Deshalb bemüht sich die Projektgruppe jetzt um einen Termin mit möglichst vielen Gemeinderäten. Noch vor den Sommerferien soll dieser stattfinden. Mit ihrer Teilnahme können die Gemeinderäte dann unter Beweis stellen, dass sie den Skaterpark an sich nicht ablehnen und den Jugendlichen zeigen, dass sie wichtige Bewohner der Großgemeinde sind, die Wünsche der Jugendlichen auch berücksichtigt werden.