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Neustart für Pharma-Firma Apogepha

Das Dresdner Unternehmen setzt auf eine neue Strategie - zuvor mussten jedoch Mitarbeiter gehen. 

Fachreferentin Dr. Gerda Maria Langezeigt einen Katheter für die Urologie.
Fachreferentin Dr. Gerda Maria Langezeigt einen Katheter für die Urologie. © Christian Juppe

Ihre Tochter war erst wenige Wochen alt. Da erfuhr Gerda Maria Lange, ihr Arbeitgeber, die Pharmafirma Apogepha Arzneimittel, schließt die Produktionsstätte in Lockwitz. „Wie geht es weiter nach dem Babyjahr? Für mich wurde das zum großen Fragezeichen“, erzählt die 32-Jährige. Sie hatte in Halle Biochemie studiert, ging für ihren Master nach Aarhus in Dänemark und promovierte in Biochemie und Molekularbiologie an der Süddänischen Universität Odense. In Dänemark hatte sie sich auf die Krebsforschung spezialisiert.

Doch der Liebe wegen kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und fand 2015 eine Stelle im Lockwitzer Apogepha-Werk. Prozessvalidierung war ihr Aufgabengebiet. Vereinfacht gesagt, sie stellte sicher, dass der Herstellungsprozess stabil lief, um so die beständige Qualität der Arzneimittel zu sichern. Das erfordert ein Gespür dafür, wo etwas schiefgehen könnte, um dies schon im Vorhinein auszuschließen. Daran fand Gerda Lange Freude.

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Apogepha hatte neben seinem Hauptsitz in der Kyffhäuserstraße 1996 den Produktionsstandort in Lockwitz errichtet und diesen kontinuierlich für Millionenbeträge ausgebaut. „Und dennoch konnten wir ihn nie richtig auslasten und haben die Produktion lange Zeit über unsere anderen Geschäfte quersubventioniert“, erläutert Geschäftsführer Dirk Pamperin. So fiel die Entscheidung, die Produktion zu verkaufen. Trotz zunächst hoffnungsvoller Gespräche fand sich aber kein Käufer.

Mehr rezeptfreie Arzneimittel

82 Frauen und Männer waren im Lockwitzer Betriebsteil beschäftigt. „Wir haben mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt“, erklärt Personalchefin Kathrin Kretschmer. Weil die Produktion bis zuletzt laufen musste, wurde neben den Abfindungen die Treue mit einem zusätzlichen Bonus belohnt. Apogepha hat zehn befristete Verträge nicht verlängert. Sechs Mitarbeiter gingen regulär in Rente, bei acht weiteren wurde die Abfindung umgewandelt, sodass sie bis zu ihrem Rentenbeginn in den nächsten drei Jahren abgesichert sind. Die Aufgaben von 13 Mitarbeitern wurden ins Haupthaus verlagert. Auch für die sieben Lehrlinge fanden sich Regelungen.

Doch am Ende erhielten 40 Mitarbeiter die Kündigung. Da viele von ihnen schon sehr lange im Unternehmen waren, wurden ihnen Qualifizierungsmöglichkeiten beispielsweise zur Bewerbung und zu Vorstellungsgesprächen angeboten. „Wir haben für eine interne Stellenbörse mit Firmen in der Region und mit bundesweit tätigen Dienstleistern zusammengearbeitet“, ergänzt die Personalchefin. Nach ihrer Kenntnis fanden bisher mehr als 90 Prozent einen neuen Job, darunter auch Mitarbeiter über 60 Jahre sowie in Führungspositionen. Sieben zusätzliche Stellen hat Apogepha selbst geschaffen.

Eine davon erhielt Gerda Lange. Nach ihrem Babyjahr hat sie im September vergangenen Jahres als Medizinische Fachreferentin im Marketing begonnen. „Ich bin jetzt da, wo ich nach den vielen Jahren meiner Ausbildung immer hin wollte. Jeder Kurs an der Uni kommt mir jetzt zunutze.“ Gerda Lange verfolgt die wissenschaftliche Fachliteratur unter anderen auf ihrem Spezialgebiet der Krebsforschung. Sie bewertet neue Produktideen bei Apogepha und sie schult die Außendienstmitarbeiter, informiert Ärzte, Apotheker und Patienten.

Letztlich ist das auch die neue Strategie für Apogepha: Neben der Weiterentwicklung und Lizenzierung neuer Produkte entwickelt sich das Unternehmen zu einer Marketing- und Vertriebsgesellschaft. Der Spezialist urologischer Produkte lässt jetzt seine Arzneimittel bei zwei deutschen Herstellern produzieren. Die Zahl der Außendienstmitarbeiter wurde vor drei Jahren verdoppelt.

Mit einem höheren Absatz konnte der Rückgang von sechs Millionen Euro durch die von den Kassen verordnete Preisabsenkung aufgefangen werden. „Im vergangenen Jahr haben wir vier neue Produkte auf den Markt gebracht“, sagt Pamperin. Zwei davon sind verschreibungspflichtige Medikamente gegen Harnwegskarzinome und Harnwegsinfektionen. Apogepha verstärkt zugleich aber das Engagement bei frei verkäuflichen Produkten. So gehören zu den neuen Angeboten Bakterienblocker bei Blasenentzündungen sowie ein Mittel gegen Entzündungen der Prostata. Frei verkäufliche Arzneimittel machen derzeit einen Anteil von fünf Prozent aus. Doch sie werden in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. In einigen Jahren sieht der 51-jährige Pamperin die Apogepha als Rundum-Anbieter in der Urologie.

Hallen sollen verkauft werden

Das Dresdner Unternehmen beschäftigt derzeit 146 Mitarbeiter, zwei Drittel davon mit Hochschulabschluss, 20 von ihnen haben wie Lange und Pamperin einen Doktortitel. Mehr als 40 Millionen Euro Umsatz haben sie im vergangenen Jahr erreicht.

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Im Betriebsteil in Lockwitz wurden Ende November die letzten Pillen produziert. Am 3. Dezember stellte auch die Verpackungslinie ihren Betrieb ein. Die mobilen Gerätschaften sind inzwischen verkauft. Lüftung, Klimatisierung und anderes blieben in den Hallen. „Wir suchen weiterhin für die Immobilie als Pharmastandort einen Käufer“, versichert Geschäftsführer Dirk Pamperin.