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Nicht alle sahen weg

Eine Ausstellung zeigt Menschen, die im Zweiten Weltkrieg Juden halfen.

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Von Maria Trixa

„Judenschlampe“ wurde Herta Fuchs noch Jahrzehnte später genannt. Als ein SZ-Redakteur die inzwischen gealterte Dame 1994 in ihrem Wohnort Oberpoyritz besuchte, bekam er die Abneigung des Dorfes gegenüber Herta Fuchs immer noch zu spüren. Herta Fuchs und ihr Mann Kurt hatten Juden versteckt. Von Februar bis Mai 1945 boten sie drei jüdischen Zwangsarbeitern Unterschlupf, gaben sie als polnische Katholiken und Fremdarbeiter aus. Die Polen waren einer KZ-Außenstelle in Dresden entflohen. Am 12. Mai 1945 wurden Kurt Fuchs und Josef Szwajcer erschossen. Vermeintliche Soldaten der Roten Armee, die ans Haus kamen, entpuppten sich als ukrainische SS-Truppen. Herta Fuchs begrub ihren Mann im Garten und blieb bis zum Ende ihres Lebens allein.

Die Überlebenden, Roman Halter und Abraham Sztaier, sorgten später dafür, dass ihre Retter in Israel mit der Yad-Vashem-Medaille als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt wurden. Damit reiht sich das Ehepaar Fuchs in eine Reihe Deutscher ein, die nicht wegschauten, sondern zeigten, dass Zivilcourage möglich war. Im Schillergymnasium werden anlässlich des Holocaust-Gedenktages exemplarisch acht solcher Schicksale vorgestellt. Die Ausstellung hat der Jüdische Frauenverein Dresden aus Archiven und Gesprächen mit Überlebenden zusammengetragen. Die Vorsitzende Elke Preusser-Franke war selbst dabei, als Herta Fuchs und postum Kurt Fuchs 1996 in Dresden die höchste israelische Auszeichnung bekamen. Jetzt macht die Ausstellung, die an das Ehepaar Fuchs und andere mutige Menschen erinnert, Zwischenstopp in Pirna. „Damit wollen wir die Erinnerung lebendig halten“, sagt Religionslehrer Ralf Wilhelm. Er hat die AG Judentum ins Leben gerufen, in deren Rahmen sich Schüler mit jüdischem Leben auseinandersetzen.

Die Ausstellung ist noch bis 4. Februar, wochentags von 7.30 bis 14.30 Uhr in der Aula des Schillergymnasiums zu sehen. Besuchergruppen werden gebeten, sich im Sekretariat anzumelden unter  03501 781575.