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„Nicht anfassen, Polizei rufen“

Vor Kurzem hat ein Mann in Weinböhla eine Waffe gefunden. Das ist kein Einzelfall, sagt Oberstaatsanwalt Lorenz Haase.

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Es war ein ungewöhnlicher Dachbodenfund: Wo sonst Koffer, Ski oder alter Krempel aufbewahrt wird, stieß der Weinböhlaer Matthias Kirste auf eine rund hundert Jahre alte echte Pistole – eine Mauser C 96, Kaliber 7,63 Millimeter. Den Fund meldete der 52-Jährige sofort der Polizei (SZ berichtete). Gegen ihn wird dennoch wegen illegalen Waffenbesitzes ermittelt.

Der Weinböhlaer ist nicht der Erste, der unverhofft zum Waffenbesitzer wird. Lorenz Haase, Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft Dresden, sagt im SZ-Interview, welche Strafen deswegen drohen, wie man sich verhalten sollte, wenn man eine Waffe findet und was mit den Fundstücken nach den Ermittlungen passiert.

Herr Haase, wie weit sind die Ermittlungen im Fall Kirste?

Das Verfahren gegen Matthias Kirste liegt der Staatsanwaltschaft Dresden noch nicht vor. Die Ermittlungen werden zurzeit von der Polizei geführt. Zu dem konkreten Fall kann ich daher noch keine Angaben machen.

Wieso wird gegen den Mann aus Weinböhla jetzt wegen illegalen Waffenbesitzes ermittelt? Er hat die Mauser doch nur gefunden.

Nach einem derartigen Waffenfund müssen wir prüfen, ob der Finder die Waffe zuvor unerlaubt in Besitz gehabt hat. Die Angabe, eine Person habe die Waffe zufällig gefunden, muss von Polizei und Staatsanwaltschaft genau untersucht werden. Denn grundsätzlich ist der Besitz einer Schusswaffe unerlaubt. Wir müssen außerdem klären, woher die Waffe stammt und ob sie in der Vergangenheit – möglicherweise bei Straftaten – schon genutzt wurde.

Welche Strafen können bei illegalem Waffenbesitz verhängt werden?

Der Besitz einer halbautomatischen Kurzwaffe ist mit einer Freiheitsstrafe ab sechs Monaten bedroht. So eine wurde in Weinböhla gefunden. Es kommt letztendlich aber darauf an, um was für eine Waffe es sich handelt. Dann kann die Strafe im Einzelfall auch geringer sein.

Wie verhält es sich bei anderen Dachbodenfunden, etwa bei Gegenständen wie Messern, die mit verbotenen Symbolen wie Hakenkreuzen verziert sind?

Bei anderen Funden ist es ähnlich wie bei Schusswaffen. Sobald der Besitz oder das Führen der Dinge strafbar sein kann, ist ein Verfahren von der Polizei einzuleiten. Das ist Vorschrift.

Kommen Dachbodenfunde wie vor Kurzem in Weinböhla häufig vor?

Statistiken führen wir dazu nicht, aber es kommt eher selten vor. Dabei kann ich aber nur zu den Fällen etwas sagen, bei denen die Finder die Polizei verständigen. Wie hoch eine mögliche Dunkelziffer ist, lässt sich nicht einschätzen.

Hat sich Herr Kirste richtig verhalten, was sollten sich diejenigen tun, die zufällig Waffen oder andere verbotene Gegenstände finden?

Auch wenn ich zu dem konkreten Fall nichts sagen kann, ist es so, dass Finder sofort die Polizei anrufen sollen. Von einem selbstständigen Transport gefundener Waffen zur Polizei rate ich jedoch dringend ab.

Was passiert mit der gefundenen Mauser? Wird die Pistole zerstört oder bekommt sie Matthias Kirste zurück?

Über den Verbleib oder die Vernichtung der Waffen wird nach Abschluss der Verfahren entschieden. Daran sind die Staatsanwaltschaft Dresden und die Landesdirektion beteiligt. So weit sind wir in diesem Fall aber noch nicht.

Was ist mit historisch wertvollen Funden. Werden diese an Museen oder Institute weitergereicht?

Das ist unterschiedlich. Es besteht die Möglichkeit, dass die Waffen der Polizei zu Schulungszwecken übergeben werden oder sie an Museen als Ausstellungsstücke gehen.

Gespräch: Philipp Siebert