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„Nicht die Leistung macht den Menschen wertvoll“

Am Freitag feiern die evangelischen Christen Reformationstag. Auch Nichtchristen haben an diesem Tag frei. Die SZ fragte Pfarrer Ekkehart Uhlig von der Kirchgemeinde Dippoldiswalde, wozu der freie Tag gut sein könnte und welchen Sinn er heute noch hat.

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Wozu brauchen wir eigentlich den Reformationstag ?

Feiertage an sich haben den Sinn, an wichtige Ereignisse der Vergangenheit zu erinnern und Zeit zu geben, nachzudenken, was deren Anliegen heute bedeutet.

Und was bedeutet das Ihrer Meinung nach konkret für den Reformationstag ?

Thema der Reformation war, dass der Mensch nicht gerechtfertigt, d.h. modern gesprochen wertvoll und liebenswert wird durch das, was er leistet. Durch den einstmals verwilderten Ablasshandel, den Luther kritisierte, entstand der Eindruck, dass der Mensch sich durch fromme Leistung die Liebe Gottes verdienen müsse.

Luther war dagegen wichtig, dass Gott den Menschen einfach liebt und der einzelne Mensch darauf mit Glauben, das heißt mit Vertrauen und Liebe, aber nicht mit Nach- oder Vorrechnen irgendwelcher guten Werke, und seien es fromme, antwortet, sondern dass gute Werke und Taten einfach aus solchem Glauben wachsen.

Und was verbinden Sie noch heute damit ?

Wichtig ist unter anderem nach wie vor, sich der Frage zu stellen „Was macht den Menschen wertvoll?“ und „Warum verdient der Mensch Achtung?“. Die Versuchung, den Wert eines Menschen vor allem an seiner Leistung zu bemessen, ist in der modernen, marktwirtschaftlichen Gesellschaft groß. Ich möchte, dass wir uns darauf besinnen, dass Leistung nicht der eigentliche, nicht der wichtigste Wert eines Menschen ist, und auch, dass man sich nicht dauernd selbst beweisen muss, wie toll man ist.

Und was verbinden Sie noch mit „Reformation“?

Die Botschaft von Jesus Christus in heutige Sprache und vor allem heutiges Denken zu übersetzen, ist mir wichtig. Daneben lohnt es sich, darüber nachzudenken, wo auch heute unsere Kirche womöglich auf falschem Weg ist, ohne es zu merken.

Und wie unsere Gesellschaft in guter Weise reformiert werden kann oder muss, ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Wie bei Luther kommt es dabei unter anderem auch darauf an, sich auf tragfähige Wurzeln zu besinnen.

Was könnte ein Nichtchrist mit dem Reformationstag anfangen?

Er kann einen schönen freien Tag begehen, und er kann natürlich auch über die hier angesprochenen Themen nachdenken. Oder aber, wenn er das will, kann er sich den neuen Luther-Film im Kino anschauen.

Wie werden Sie selbst den Reformationstag begehen ?

Ich fahre mit dem Dippoldiswalder Kirchenchor zu einer Rüstzeit nach Mansfeld. Dort treffen wir uns, auf halbem Weg sozusagen, mit dem Philharmonischen Chor Braunschweig, mit dem wir am 22. November in Dipps das Requiem von Johannes Brahms gemeinsam aufführen wollen. Die Tage werden vor allem zur Vorbereitung dieses Konzertes dienen.

Wird es eine besondere Veranstaltung der Evangelischen Kirchgemeinde Dippoldiswalde zum Reformationstag geben?

Um 10 Uhr wird eine etwa halbstündige Andacht am Lutherdenkmal vor der Kirche in Dippoldiswalde gehalten. Geleitet wird sie von unserem Superintendenten Wolf Dähne. Die musikalische Umrahmung übernimmt der Posaunenchor.

Gespräch: Maik Brückner