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Nicht erst beim Geld hört die Freundschaft auf

Ein Mann prügelt beim Fasching einen anderen. Früher waren die beiden Freunde. Vor Gericht geht es nur noch um eine Frage.

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© Symbolfoto: dpa

Von Yvonne Popp

Dippoldiswalde. Einst waren sie Freunde, nun sitzen sie sich vor Gericht gegenüber. „Wir sind doch mal durch dick und dünn gegangen, soll das jetzt wirklich alles so enden?“, fragt Robin H. Doch der Kläger, sein ehemaliger Kumpel, reagiert nur mit einem Schulterzucken. Das Reden überlässt er am Dippoldiswalder Amtsgericht lieber seinem Anwalt.

Im Raum steht eine Schmerzensgeldforderung in Höhe von 3 000 Euro. Robin H. soll zahlen, weil er im November vergangenen Jahres zur Faschingsauftaktveranstaltung in den Parksälen in Dippoldiswalde auf den Kläger losgegangen war. Dabei soll er ihn mehrmals mit der Faust so stark ins Gesicht geschlagen haben, dass er anschließend notärztlich versorgt werden musste. Nur wenig später soll er dem Geschädigten noch damit gedroht haben, dass er froh sein könne, dass nicht noch mehr passiert ist. In einem Strafverfahren ist Robin H. am Amtsgericht Dippoldiswalde wegen Körperverletzung bereits zu einer Geldstrafe von 7 200 Euro verurteilt worden. Die Schmerzensgeldforderung ist dem Beklagten nun zu viel. Er bestreitet sowohl die Schwere der Verletzungen, die er dem Geschädigten zugefügt haben soll, als auch deren Folgen.

Das Gericht hält die Forderungen des Klägers aber für berechtigt. Auch wenn er sich habe verteidigen müssen, so habe H. doch viel zu heftig zugeschlagen, sagt Richter Volker Reichel und verweist auf die Akte des Strafverfahrens. Dort waren Bilder von den massiven Gesichtsverletzungen des Klägers enthalten. Reichel schlägt beiden Parteien vor, sich in der Mitte, also bei 1 500 Euro, zu treffen. Damit sind aber weder der Kläger noch der Beklagte einverstanden. Während der Kläger auf einem Minimum von 2 000 Euro Schmerzensgeld besteht, kann und will Robin H. nach eigenem Bekunden nicht mehr als 500 Euro zahlen. „Mein Arbeitsvertrag läuft demnächst aus“, bittet der Familienvater um Nachsicht. Er moniert, dass aufseiten des Klägers die Gier wohl größer sei als die Vernunft.

Als klar wird, dass eine Einigung nicht zustande kommt, verweist der Richter auf den Umstand, dass weitere Verhandlungstermine die Kosten unnötig in die Höhe treiben. Hinsichtlich des Beklagten, der ohnehin schon über wenig Geld verfügt, wäre das wenig sinnvoll, zumal der Ausgang des Verfahrens völlig ungewiss sei, argumentiert Volker Reichel.

Aber auch danach lenkt keine der Parteien ein. Daher unterbreitet der Richter einen Vergleichsvorschlag, wonach sich Robin H. verpflichten würde, dem Kläger 2 000 Euro zu zahlen. Der Kläger müsste sich im Gegenzug aber verpflichten, keine weiteren Forderungen zu stellen. Zwei Wochen haben beide Parteien nun Zeit, den Vorschlag zu überdenken. Eine Entscheidung wird Ende November erwartet.