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Nicht irgendeine Gaststätte

Im Seifersdorfer Gasthof „Zum Treuen Hund“ kann wieder gefeiert werden. Erste Veranstaltungen sind im Herbst geplant.

Neben dem Seifersdorfer Schloss gehört auch der Gasthof „Zum Treuen Hund“ zu den touristischen Sehenswürdigkeiten des Wachauer Ortsteiles.
Neben dem Seifersdorfer Schloss gehört auch der Gasthof „Zum Treuen Hund“ zu den touristischen Sehenswürdigkeiten des Wachauer Ortsteiles. © [email protected]

Als der Veranstaltungssaal in der weithin-bekannten Seifersdorfer Gaststätte „Zum Treuen Hund“ Ende März fertiggestellt war, stand für Inhaber Sandro Böhm fest, dass dieser nun häufig genutzt wird. Etwa für Hochzeiten oder Geburtstage. Ging ja auch gut los. Gleich mit Jubiläumsfeier, wie er sich erinnert. Am 14. März 2020 war das. Vier Tage später musste Böhm seine Lokalität schließen. Wegen Corona. „Sehr ärgerlich“ sei das gewesen. Denn lange genug hatten die Arbeiten bis zur Fertigstellung des Saales gedauert, hatten sich im vergangenen Jahr immer wieder Seifersdorfer bei ihm erkundig, ob und wie es denn weitergehe, mit seinem „Treuen Hund“.

Erste Buchungen für den Herbst

Der ist für den Tischlermeister zur Lebensaufgabe geworden. Der Inhaber einer Seifersdorfer Baufirma erzählt, dass er sich für die Sanierung des alten Gebäudes Zeit lasse. „Step by step“, Schritt für Schritt, wolle er da vorgehen.. Im Übrigen auch ein Weg, mit einem Gebäude zu verwachsen. Seit knapp zwei Monaten können im „Treuen Hund“ wieder Veranstaltungen stattfinden. Rund 50 Personen fasst der 150 Quadratmeter große Saal. Für den Herbst hat Böhm bereits erste Buchungen. Zu Beginn des kommenden Jahres soll, so hat er es geplant, voraussichtlich ein weiterer Veranstaltungsraum fertig sein. Dort könne er sich dann später einmal auch einen Eiscafébetrieb vorstellen. Aber das müsse man erst mal sehen, meint der 43-Jährige.Der Seifersdorfer hatte vor mehr als zehn Jahren das Potenzial dieses denkmalgeschützten Gebäudes erkannt. Er kaufte der Gemeinde Wachau 2012 das zu diesem Zeitpunkt baufällige und unter Denkmalschutz stehende Haus ab, machte sich an die Arbeiten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kamen Denkmalschützer und Eigentümer zueinander, fand man Kompromisslösungen für den Auf- und Umbau. Was man im Ort selbst sehr begrüßt, ist, dass mit Böhm ein Bewohner des Wachauer Ortsteiles dieses bekannte Gasthaus übernommen hat. Böhm weiß genau, wie sehr doch viele an diesem früheren Gasthaus hängen.

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Der Treue Hund ist für die Seifersdorfer und die Bewohner der umliegenden Orte ja nicht irgendein Gebäude. Bis 1970 kehrten im Gasthof an der S 177 Gäste ein, im Saal im ersten Stock wurden oft ausgiebigst gefeiert. Später wurde das Objekt als Lagerfläche durch Robotron und den IfA- Ersatzteilhandel genutzt. Nach der Wende kaufte schließlich eine Rechtsanwaltskanzlei aus Hessen die Gaststätte an der Zufahrt zum Seifersdorfer Tal. Versuche, interessierte Gastronomen zu finden, scheiterten. Schließlich kaufte 2008 die Gemeinde das Gebäude für 15000 Euro, das zu diesem Zeitpunkt ziemlich heruntergekommen war.

Eine anrührende Geschichte

Sandro Böhm möchte in den beiden oberen Geschossen der Gaststätte Wohnräume einrichten. Sechs Wohnungen, für die es bereits Interessenten gebe. Auch vier Ferienzimmer sind geplant. Wer es bis dato noch nicht weiß: Der Name des historischen Gasthauses geht der Legende nach auf eine anrührende Begebenheit zurück. So soll ein Reiter in dem bis dahin namenlosen Gasthof eine Rast eingelegt haben. Als er aufbrechen wolle, sprang sein Hund wild an ihm herum. Weil er sich nicht beruhigte, schlug der Reiter mit dem Schwert auf ihn ein. Blutend blieb der Hund neben dem Gasthof liegen. Als der Reiter jedoch unterwegs seinen Geldbeutel vermisste, ritt er zurück und fand den toten Hund. Während er das Tier mit dem Stiefelspitzen an den Wegesrand stieß, fand er unter dem Körper des Hundes seine Geldbörse. Der sterbende Hund hatte seinen Körper schützend über das Eigentum seines Herrchens gelegt.

Böhm erledigt mit seinen Mitarbeitern einen Großteil am und im Gebäude selbst. Nur für spezielle Arbeiten wie Elektroinstallationen holt er sich Fachfirmen. Beim „Tag des offenen Denkmals“, am Sonntag, 13. September 2020, haben Besucher wieder die Gelegenheit, die bekannte Seifersdorfer Gaststätte zu besichtigen. In der Zeit von zehn bis 17 Uhr kann man sich über die Fortschritte an dem historischen Gebäude informieren – und dabei einen Blick in den hallenartigen Veranstaltungssaal werfen. Da dürften sicher etliche Seifersdorfer kommen, glaubt der 43-jährige Gasthofbesitzer. Womöglich auch, um in den eigenen Erinnerungen zu schwelgen, die man mit dem an der Tina-von-Brühl-Straße gelegenen Haus hat.

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