merken
PLUS

Nicht mal Geld für die Rückfahrt

Weil sie ohne Fahrerlaubnis fuhr, wurde eine junge Frau zu einer Geldstrafe verurteilt. Doch sie muss wohl ins Gefängnis.

Von Jürgen Müller

Das Auto, das die Angeklagte im April vorigen Jahres kaufte, muss wohl ein ziemlich betagtes Modell gewesen sein. Jedenfalls gibt nach wenigen Metern auf der Autobahn 4 nahe Klipphausen der Motor den Geist auf. Als die Polizei eintrifft, stellt sie fest, dass die Fahrerin keine Fahrerlaubnis hat. Deswegen muss sie sich nun vor dem Meißner Amtsgericht verantworten. Im Ermittlungsverfahren blieb sie aber hartnäckig dabei: Nicht sie sei gefahren, sondern ein Bekannter, der mit im Auto saß. Der freilich ist genau wie die Angeklagte schwer drogenabhängig und besitzt ebenfalls keine Fahrerlaubnis. Zur Verhandlung gestern ist allerdings alles anders. Jetzt räumt die Angeklagte die Tat ein. „Ja, ich bin gefahren. Mein Bekannter wollte das auf sich nehmen, damit ich nicht wieder ins Gefängnis muss“, sagt sie jetzt. Mit Haftstrafen hat die 27-Jährige so ihre Erfahrungen. Zwölfmal wurde sie in ihrem jungen Leben schon verurteilt, so wegen Betrugs und Diebstahls. Neben Geld- erhielt sie auch Gefängnisstrafen, die sie teilweise absaß.

PPS Medical Fitness
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie

Sie wollen mehr Fitness und Gesundheit in Ihr Leben bringen? Lernen Sie die vielen Gesundheitskurse und Angebote kennen und lassen Sie sich von den umfangreichen Angeboten von PPS Medical Fitness begeistern!

Besonders bemerkenswert: Die jetzt angeklagte Tat beging sie gerade mal vier Wochen nach ihrer letzten Haftentlassung. Nicht mal die härteste Sanktion kann sie von neuen Straftaten abhalten. Dies lässt sich wohl alles nur einigermaßen erklären mit dem Alkohol- und Drogenkonsum. Seit Jahren ist die junge Frau, die weder über eine Schul- noch über einen Berufsabschluss verfügt, drogenabhängig. „Die Drogen haben mich kaputt gemacht“, sagt sie. Von alleine kommt sie davon nicht wieder los.

Die Drogen zehren nicht nur an der Gesundheit, sondern am Geldbeutel. Nach eigenen Angaben hat sie 20 000 Euro Schulden angehäuft. Der Anwalt, den sie ursprünglich hatte, kommt nicht zur Verhandlung. Ohne Moos nix los. Und ein Fall für eine Pflichtverteidigung ist das nicht. obwohl der Angeklagten theoretisch eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr droht. Das lässt das Gesetz bei Fahren ohne Fahrerlaubnis zu. Es ist aber auch eine Geldstrafe möglich. Bei der Angeklagten bedeutet dies praktisch ebenfalls Gefängnis. Denn eine Geldstrafe kann sie gar nicht zahlen. So sind noch 900 Euro aus einer Verurteilung des Amtsgerichts Chemnitz offen. Weil die Frau nicht zahlte und auch keine Ratenzahlung oder das Ableisten von Arbeitsstunden vereinbarte, soll sie ab Mai für 90 Tage in Haft.

Diese Strafe bezieht das Gericht in das neue Urteil mit ein. Insgesamt wird die Frau zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu zehn Euro verurteilt, das entspricht 110 Tagen Haft. „Ich muss so oder so ins Gefängnis“, nimmt die Frau das Urteil regungslos auf. Sie hat nicht mal Geld für eine Rückfahrkarte nach Aalen. Die kriegt sie allerdings vom Gericht. Damit sie nicht gleich wieder eine neue Straftat begeht.