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Nicht nur Hoffnung

Dreizehn literarische Texte erfüllten gestern den Raum des Kamenzer Stadttheaters! Drei Studenten der Hochschule für Musik – Angelica Böttcher, Anne Schaab und Martin Gäbler – sowie ihr Professor Wolf-Eike Bartels präsentierten diese.

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Von Reinhard Kärbsch

Dreizehn literarische Texte erfüllten gestern den Raum des Kamenzer Stadttheaters! Drei Studenten der Hochschule für Musik – Angelica Böttcher, Anne Schaab und Martin Gäbler – sowie ihr Professor Wolf-Eike Bartels präsentierten diese. Heidelore Neumann am Klavier interpretierte musikalische Werke, die die Stimmung des Geschriebenen weitertrugen. Die zwölf Geschichten und ein Gedicht sind ausgezeichnete Schöpfungen junger Menschen zwischen 16 und 19 Jahren. Sie können sich fortan Sieger eines Wettbewerbs nennen, der so unbedeutend nicht sein kann, weil er allein wegen des Gotthold Ephraim Lessing veranstaltet wird.

Die Preise fördern das weitere Arbeiten

Die Preise dafür sind allerdings mit weiterer Arbeit verbunden. Die Gewinner der 9. und 10. Klassen bestreiten heute eine Schreib-Werkstatt mit Christian Lehnert. Er bekam dieses Jahr den Förderpreis zum Lessing-Preis. Dafür darf er nun mit dem Nachwuchs ackern – traditionsgemäß. Die drei Siegerinnen der 11. und 12. Klassen fahren im Juli zu einem Abschluss-Seminar des Landeswettbewerbes „Deutsche Sprache und Literatur“ Baden-Württemberg. Auch das kann seit mehreren Jahren realisiert werden dank einer literatur- wie volksverbundenen Bank in Bautzen und eines ebensolchen Autohauses in Kamenz.

Am Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasium in Großröhrsdorf muss dieser Wettbewerb schon Kult sein. Jedes Jahr räumen die Schülerinnen und Schüler nahezu massenhaft die Preise ab (siehe Kasten). Jonas Großmann, Autor einer erstaunlich guten Geschichte „Der Traum vom Frieden“, kommt von dieser Schule. Er lässt in nicht allzu ferner Zukunft den USA-Präsidenten, den obersten Vertreter der Europäischen Staaten und ICH, die große Redakteurin vom Großröhrsdorfer Anzeiger, auftreten. Sie reden immer noch über Krieg und Frieden. Jonas schließt seinen Text mit dem Gedanken, dass das Friedenschaffen nicht nur Hoffnung bleibt.

Er kann das Abräumen nicht so richtig erklären. „Im Deutschunterricht wird schon immer so ein interner Wettbewerb vorher gemacht“, hilft ihm Juliane Große. Die Deutschlehrer der Klassen 10 A und 10 D, Frank Hoffmann und Renate Schumann, nicken zustimmend. Erfolge wollen auch organisiert sein. Juliane schrieb „Wenn Träume sterben oder 1944-1979-2001“. Von einer Gruppe junger Leute schreibt sie, die sich für den Frieden einsetzen, Flugblätter auf den Schulhof werfen. Wie die Geschwister Scholl 1944. 1979 wird mit dem Ruf, Frieden ohne Waffen zu schaffen, verbunden. Die dritte Jahreszahl steht natürlich für die aktuellen Ereignisse. Die Frieden-Krieg-Problematik beschäftige sie schon, meinen die Gymnasiasten aus Großröhrsdorf übereinstimmend. Übrigens sind sie alle Debütanten im Schreiben. Das Engagement aller Sieger für die großen Themen wie Frieden und Krieg, Liebe und Tod ist schon erstaunlich. Auch die Kamenzerin Melanie Bierbaum vom Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasium stellte sich zum ersten Mal einer Jury – und holte einen Preis mit „Gefangen“. Ihre Mutti ist ganz stolz auf die Tochter am gestrigen Nachmittag. Es ist eine Liebesgeschichte. Kindergärtnerin Lene findet Jonas, Jurastudent. Die Dialoge fallen auf; sie sind von Melanie mit Nonchalance förmlich hingeworfen worden. „Dieser Tag hat sie durcheinander gebracht“, schließt sie. Die Preisträger waren’s auch irgendwie.