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Nicht nur wie Engel aussehen

über Verkleidungen unter den Menschen

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Schwester Sonja Rönsch

Feiern Sie am Dienstag Fasching? Und kleiden Sie sich in ein Kostüm Ihrer Wahl? Wer Kinder hat, dem bleibt nichts anders übrig, als die lieben Kleinen in Bankräuber, Indianer, Engel, Prinzessinnen oder Polizisten zu verwandeln. Es ist schon ein eigenartiger Brauch, dass Groß und Klein einmal im Jahr ganz offiziell ihre Alltagskleidung ablegen, um ein ganz Anderer zu sein. Und dabei wissen sie selbst – und gleich recht die anderen –, dass hier nur jemand so tut als ob. Doch bald ist die Maskerade vorbei und wir werden von unseren Nachbarn, Kollegen, Familienangehörigen wieder so gesehen, wie wir sind – mit allen Schwächen und Stärken, liebenswerten und nervigen Eigenarten. Keine Königskrone oder kein Engelshaar kann da über das wahre Wesen desjenigen hinwegtäuschen.

Für den Monat März steht in der Herrnhuter Losung ein Bibelwort aus Johannes 13. Das gibt eine lebenswerte Empfehlung für die Zeit, in der wir ohne Kostümierung auskommen müssen. Jesus Christus spricht an dieser Stelle der Bibel: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt.

Und wenn wir das Kapitel ganz lesen, erfahren wir auch, was damit gemeint ist. Von Jesus wird berichtet, dass er im Kreise der Jünger seine Predigerkleidung ablegte und stattdessen eine Schürze umband. Dass es sich hier nicht um eine Verkleidung, sondern um eine Dienstkleidung handelte, nahmen seine Jünger beschämend zur Kenntnis. Denn Jesus begann, nun ihnen die Füße zu waschen. Wie geht das an, der Chef wäscht seinen Untergebenen die Füße? Wird da oben und unten nicht auf den Kopf gestellt? Ja, so ist es. Und Jesus begründet auch, warum er ein so klares Beispiel gewählt hat: „Ein Sklave ist vor Gott nicht bedeutender als sein Herr.“ Das heißt, wir alle sind Kinder Gottes. Wie Schwestern und Brüder sollen wir uns liebevoll und zuvorkommend begegnen. Denn daran wird die Welt erkennen, ob wir es ernst meinen mit der Nachfolge Christi.

Einander in Liebe begegnen, heißt bereit sein für den Anderen – mit Zeit, Fähigkeiten, Hoffnung, vielleicht auch Geld und Gut. Einander zu lieben, heißt einander zu dienen. Oder wie es im Hohen Lied der Liebe steht: Die Liebe hat einen langen Atem, sie ist gütig, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf, sie ist nicht taktlos und lässt sich nicht zum Zorn reizen… Mögen Ihnen Menschen begegnen, die nicht nur wie Engel aussehen. Sondern Menschen, die Sie ehrlich liebhaben. Und die Ihnen mit ihrer Art und Weise helfen, den Tag zu bestehen.