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Nicht zu fassen

Dynamo vergibt reihenweise klare Chancen und verliert nach einer Unaufmerksamkeit die Partie in Fürth.

© Robert Michael

Von Sven Geisler und Cornelius de Haas, Fürth

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Die Lage spitzt sich wieder zu. Gerade hatten sie bei Dynamo gedacht, aus dem Gröbsten raus zu sein, schon stecken die Dresdner wieder tief im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga. Dabei war dieses 0:1 bei Greuther Fürth am Sonntag genauso unnötig wie folgerichtig. Jeder, der es hinterher erklären sollte, kam irgendwann an den Punkt, die alte Fußballweisheit zu bemühen. Wer vorn seine Möglichkeiten ungenutzt lässt, wird hinten bestraft. So einfach lässt sich ein Spiel zusammenfassen, das Dynamo zeitig hätte für sich entscheiden müssen.

„Ich weiß nicht, wie viele klare Chancen wir noch brauchen, damit wir mal ein Tor machen“, schimpft Manuel Konrad, und spricht aus, was nicht zu übersehen ist: „Wir sind stinksauer.“ Es ist genau eine Minute gespielt, als sie die Führung zum ersten Mal verpassen. Aias Aosman überrumpelt mit seinem Pass die Fürther Abwehr, die Eingabe von Philip Heise kommt am Fünfmeterraum zu Niklas Hauptmann. Doch der trifft Torwart Sascha Burchert. Kann passieren, weiter geht’s. Dynamo ist in Spiellaune, Lucas Röser bekommt die nächste Gelegenheit. Wieder der Torwart. Nun ist Konrad aus acht Metern dran und – na klar: gehalten. Langsam nervt’s.

Trotzdem: Fürth ist verunsichert, Maximilian Wittek lässt sich von Hauptmann den Ball stiebitzen. Freie Bahn für den Mittelfeldspieler, aber dem fehlt der Mut, konsequent abzuschließen. Stattdessen spielt er ungenau auf Röser, und der Schuss des Stürmers wird geblockt. Zwischendurch melden sich die Gastgeber mal mit einem Fallrückzieher von Uffe Beck, kein Problem für Markus Schubert im Dresdner Tor.

Es ist immer noch keine Viertelstunde gespielt, aber es steht eben auch immer noch 0:0. Wieder Hauptmann auf Röser. Jetzt aber! Schuss und – kein Tor. Der Ball klatscht ans Lattenkreuz. Ist das noch Pech oder schon Unvermögen? „Wir mussten direkt 1:0, 2:0 führen. Dann ist das Ding gegessen und die komplett k. o.“, meint Florian Ballas. Stattdessen aber merken die Fürther: Hurra, wir leben noch! Und plötzlich zeigen sie das auch. Wie das Tor fällt, ist jedoch auch „einfach zu einfach“, wie Ballas erklärt. Wittek zieht den Freistoß aus 30 Metern flach an den rechten Pfosten. „Und der kann das Ding ohne Bedrängnis volley nehmen.“ Ballas meint Lukas Gugganig, der am Strafraumeck frei steht und links unten trifft. „Wie das so ist: Dann klingelt es auf der anderen Seite, weil wir unaufmerksam sind nach einem Freistoß“, beschreibt Marcel Franke die Szene. „Nach dem Abpraller waren die einfach da, haben das Ding über die Linie gedrückt. Das haben wir heute nicht hingekriegt, und das hat das Spiel entschieden.“

Genügend Zeit, das Spiel zu drehen

Das ist das eigentlich Unglaubliche. Erstens war genug Zeit und zweitens waren die Schwarz-Gelben bis dato selbstbewusst aufgetreten. Beste Voraussetzungen also, das Spiel zu drehen. Daraus wird nichts. Es ist nicht so, dass sie es nicht versuchen, vielleicht gehen sie sogar zu zeitig zu viel Risiko. Jetzt vergibt nämlich Fürth die Konterchance zum 2:0, als Bech das leere Tor nicht trifft (61.). Nun könnte auch Dynamo, und Heise setzt sich auch energisch durch, aber Sascha Horvath nach der Eingabe den Schuss viel zu hoch an (63.). Hauptmanns Schuss wird vor der Linie geklärt (69.).

Uwe Neuhaus reagiert, wechselt Moussa Koné und Peniel Mlapa ein. Es bleibt ein Krampf, selbst nach Standards wird es kaum gefährlich. Den Kopfball von Ballas fängt der Torwart sicher weg. „In der zweiten Halbzeit hatten wir keine so klaren Chancen mehr, das haben wir in der ersten Halbzeit verpasst“, sagt Konrad. Sein Fazit ist bitter: „Wir haben den Kampf um drei wichtige Punkte verloren, unnötiger geht es einfach nicht.“ Und Franke meint nach seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte ernüchtert: „Wenn du die Chancen vergibst, hast du es auch nicht verdient, mit Punkten nach Hause zu fahren.“

Natürlich ist das der entscheidende Kritikpunkt. „Erklären kann man das nicht“, meint Konrad, während Franke versucht, den Kopf aus dem Sand zu kriegen für das Heimspiel am Sonntag gegen Jahn Regensburg: „Egal, ob es die Stürmer sind oder wir Verteidiger bei Standards: Wir müssen das Ding reinprügeln.“ Klingt nach einem guten Plan. Wenn sie ihn umsetzen.