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Nichts dem Zufall überlassen

Ein Thiendorfer Gemeinderat tritt für eine Bürgerbefragung zur Eingemeindung des Nachbarn Tauscha ein.

Von Manfred Müller

Bisher schienen die Arme der Thiendorfer in Richtung Tauscha weit offen. Nirgends war ein Zweifel zu hören, dass die beiden Kommunen so bald wie möglich zusammengehen sollten. Deshalb sorgte am vergangenen Mittwoch ein Vorschlag von Gemeinderat Gunter Bauschke (Bauernverband) für Erstaunen bei seinen Ratskollegen. Er trete dafür ein, so Bauschke, vor einem Zusammenschluss die Legitimation durch die Thiendorfer per Bürgerbefragung einzuholen. Er selbst sei für die Fusion, versicherte der Welxander.

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Aber es könne doch nicht verkehrt sein, herauszufinden, ob auch eine Mehrheit der Bürger so denkt. Man müsse sich schließlich darüber im Klaren sein, dass in den nächsten 15, 20 Jahren Geld nach Tauscha gefahren werde. Bei einigen seiner Ratskollegen erntete Gunter Bauschke mit seinem Standpunkt Kopfschütteln.

Ist das schon Wahlkampf?

Der Regionalbauernverband betreibe wohl schon Wahlkampf für die Gemeinderatswahl im Mai, merkte Bürgermeister Armin Freund süffisant an. Man solle dieses demokratische Instrument nicht leichtfertig einsetzen, lautete ein anderer Einwand. Schon die Tatsache, dass den Einwohnern des weiter entfernten Ortsteils Ponickau der südliche Nachbar weniger am Herzen liegt als etwa den Sackaern, könne dann den gewünschten Zusammenschluss verhindern. Dann entschieden Emotionen und nicht Sachfragen.

Armin Freund verwies darauf, dass die Eingemeindung von Tauscha auch für Thiendorf erhebliche Vorteile mit sich bringt. Zum einen dadurch, dass die Gemeinde von der Einwohnerzahl her dann doppelt so groß wäre und weiteren Schritten bei der Gemeindegebietsreform entspannter entgegensehen könnte. Darüber hinaus müsste keine Reichensteuer mehr an den Freistaat bezahlt werden; es flössen sogar finanzielle Zuweisungen aus Dresden in den Gemeindehaushalt.

Nicht zu vergessen die kulturellen Werte, die Tauscha in eine Ehe einbrächte. Einen ausgesprochen rührigen Landsportverein zum Beispiel oder eine vorbildlich organisierte Feuerwehr mit einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit. Im Grunde sind sich Thiendorf und Tauscha darüber einig, dass die genaueren Modalitäten des Zusammengehens erst nach der Gemeinderatswahl am 25. Mai von den neuen Volksvertretern entschieden werden sollen.

Da aber beiden Kommunen seit Monaten miteinander im Gespräch sind, liegt bereits der Entwurf eines Eingemeindungsvertrages auf dem Tisch. Dieser ist noch nicht mit konkreten Zahlen untersetzt und kann jederzeit um bestimmte Vorhaben ergänzt und erweitert werden. Für Irritationen sorgte aber offenbar eine Art Wunschliste des Tauschaer Gemeinderates Ralf Gretsch, die den Thiendorfer Gemeinderäten vorlag. In dem Papier fasst Gretsch zusammen, was aus seiner Sicht die dringlichsten Aufgaben nach der erfolgten Eingemeindung sein sollten. Darunter der Anschluss des Naherholungszentrums Zschorna an die zentrale Kanalisation, die Sanierung der alten Würschnitzer Schule und die künftige Nutzung des Herrenhauses Tauscha.

Angst vor Tauschaer Wünschen?

Das selbstbewusst formulierte Schreiben hatte offenbar in Thiendorf die Befürchtung geweckt, die Gemeinde solle als eine Art melkende Kuh herhalten. Dabei waren die bisherigen Gespräche zwischen den beiden Gemeinden eigentlich sehr entspannt abgelaufen. Weder betrachteten die Thiendorfer Tauscha als Bankrotteur, der sich unters Dach des wohlhabenden Nachbarn flüchten will, noch sahen sich die Tauschaer von Thiendorf vereinnahmt. Sie wählten am 23. März sogar einen Bürgermeister, der im Thiendorfer Ortsteil Sacka lebt und ein erklärter Befürworter des Zusammenschlusses ist.

Dass nun von beiden Seiten etwas Sand ins Fusionsgetriebe geraten ist, hat sicher mit der bevorstehenden Gemeinderatswahl zu tun. Die erste Aufgabe, die auf Tauschas neuen Bürgermeister Hans-Ullrich Scheibe zukommt, dürfte wohl sein, das Knirschen wieder zu beseitigen.