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Nichts für Pessimisten

Robert Michalk aus Bautzen ist gerade 22, als er Hodenkrebs bekommt. Er sieht das Leben jetzt anders.

© Uwe Soeder

Von Jana Ulbrich

Hodenkrebs! War doch klar! Robert Michalk ist innerlich schon irgendwie darauf vorbereitet, als ihm der Urologe die Diagnose eröffnet. Es ist mitten im Frühling 2010, Robert Michalk ist 22 Jahre alt und schreibt gerade an seiner Bachelorarbeit für den ersten Uni-Abschluss. „Ich war damals jemand, der immer gleich mit dem Schlimmsten rechnet“, erzählt der Bautzener, „ein richtiger Pessimist.“ Er rechnet schon mit dem Schlimmsten, als er wenige Tage zuvor diesen Knubbel im rechten Hoden fühlt. Was außer Krebs sollte das sein?

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Hodenkrebs ist selten. Durchschnittlich 16 Männer erkranken im Kreis Bautzen jedes Jahr daran – nur einer von 10 000. Robert Michalk ist ein sachlicher Typ. Er sucht nach einer rationalen Erklärung. Er findet keine. Nicht im Internet, nicht in dem Buch, das er sich kauft. Wie Hodenkrebs entsteht, ist noch weitgehend unbekannt. Aber der Urologe spricht von guten Heilungschancen und einer Überlebensrate von 80 Prozent. Es sei gut, dass er gleich gekommen sei.

Als Robert Michalk seiner Freundin erzählt, dass er Krebs hat, kommen ihm die Tränen. Es ist das einzige Mal, dass er weint, sagt er. Er hat ja auch nicht viel Zeit zum Nachdenken. In der Dresdener Uniklinik wird er sofort operiert. Der rechte Hoden wird komplett entfernt, aus dem linken eine Probe entnommen. Die Tage, bis der Befund da ist, werden die längsten seines Lebens. Dann endlich das Ergebnis: Der Befund ist negativ. Gott sei Dank. Zur Sicherheit bekommt der junge Mann trotzdem eine Chemotherapie. „Eine geballte Ladung zwar“, erzählt er, „aber dafür nur einen einzigen Tag am Tropf.“ Die Chemo habe ihn zwar ganz schön mitgenommen, aber sie sei längst nicht so schlimm wie erwartet gewesen. Kein Haar ist ausgefallen und schlecht war ihm nur eine Nacht lang.

An seiner Bachelorarbeit kann er vorerst nicht weiterschreiben. Er unterbricht das Studium für Landnutzung und Wasserbewirtschaftung an der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus. Er will seine ganze Kraft darauf verwenden, der Krankheit zu trotzen. Er will nicht mehr mit dem Schlimmsten rechnen.

„Krebs ist nichts für Pessimisten“, sagt er sich in der Zeit nach der Chemotherapie und lernt, seine Einstellung komplett zu ändern. Er hadert nicht mehr mit der Tatsache, dass ihm jetzt ein Teil seines Körpers fehlt. Er nimmt es, wie es ist: „Die Beeinträchtigung ist ja gering“, sagt er sich. Der linke Hoden übernimmt die Funktion des Fehlenden voll mit. Seine Männlichkeit und die Zeugungsfähigkeit sind ihm nicht verloren gegangen. Den Behindertenausweis über 50 Prozent, den das Gesundheitsamt ihm ausstellt, benutzt er nie.

Robert Michalk ist jetzt 26. Seine Bachelorarbeit hat er ein Jahr später abgegeben. In diesem Sommer wird er seine Masterarbeit verteidigen. Und dann sehr wahrscheinlich gemeinsam mit seiner Freundin für ein Jahr nach Australien gehen. Mal sehen, was kommt. Vielleicht wäre er das Wagnis Australien gar nicht eingegangen ohne die nachhaltige Erfahrung mit dieser Krankheit. „Das Leben ist wertvoller geworden“, sagt er heute. „Ich will es gut nutzen.“ Ein Pessimist ist er nicht mehr.

Im nächsten Teil lesen Sie: Wo es Hilfe gibt, wenn mit der Krankheit Sorgen und Probleme wachsen.