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Nichts mehr los an der Burg Grafenstein?

Seit die neue R 35 freigegeben wurde, ist die alte Trasse verwaist. Ein Wirt gab auf, doch ein anderer investiert – mit Erfolg.

Von R. Hill und A. Bretschneider

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Es ist nun ein halbes Jahr vergangen, seit endlich die Schnellstraße R 35 zwischen Hrádek nad Nisou (Grottau) und Bilý Kostel nad Nisou (Weißkirchen) für den Verkehr freigegeben wurde. Insider schätzen, dass inzwischen etwa 95 Prozent des öffentlichen Straßenverkehrs in Richtung Liberec (Reichenberg) und zurück über diese Trasse abgewickelt werden. Spätestens vor dem Wintereinbruch haben auch internationale Speditionen deren Vorteile gegenüber dem 580 Meter hohen Stožecké sedlo (Schöbersattel) in Richtung Varnsdorf/Rumburk erkannt. Kein Wunder, dass man auf der alten kurvenreichen Strecke vorbei an der Burg Grabštejn (Grafenstein) nur noch sehr sporadisch andere Verkehrsteilnehmer antrifft.

Einer, der diese aus seiner Sicht ungünstige Entwicklung voraussah, ist Milan Rehácek. Jahrelang betrieb er mit seinem Team die gut florierende Gaststätte „Oáza“ unweit der Burg. An den Autokennzeichen auf dem Parkplatz war unschwer zu erkennen, wer im Gastraum bzw. im Biergarten dominierte. Es gab zufriedene Gesichter auf beiden Seiten.

Doch der erfahrene Gastronom stellte sich die Frage, wer mit Eröffnung der neuen Straße noch den Weg zu ihm finden und hier gar einkehren würde. Er löste den Pachtvertrag mit der Gemeinde Chotyn (Ketten) und ließ sich in Hrádek nad Nisou (Grottau) nieder. Gemeinsam mit seinen bewährten Mitarbeitern betreibt er hier die zum Sportstättenareal gehörende Club-Gaststätte „Tenis“.

Für die „Oáza“ hat Bürgermeisterin Jana Mlejnecká inzwischen einen Käufer gefunden. Ob es hier jemals wieder so gastlich zugehen wird, wie einst, steht vorerst in den Sternen. Der neue Besitzer will sich erst einmal häuslich hier niederlassen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Andererseits wolle man die spätere Eröffnung eines „Obcerstvení“ (Imbiss) nicht völlig ausschließen.

Gern wurde von den Nutzern der alten Straße auch das damalige Restaurant „U Formánku“ am Eingang von Bilý Kostel nad Nisou (Weißkirchen) besucht. Ihm mache die neue Umgehungsstraße überhaupt keine Angst, betont Eigentümer Petr Trytko. Im Gegenteil, er hat sogar umfangreich investiert. Der Komplex mit dem neuen komfortablen Parkplatz trägt nun den Namen „Pod Skalou“ (Unter dem Felsen). Im früheren Gaststättenbereich haben die Köche das Sagen. Hier hat sich der Chef mit Essen auf Rädern ein zweites Standbein aufgebaut. Täglich bis zu 600 Mittagessen werden an Betriebe, Einrichtungen und bedürftige Einzelpersonen ausgeliefert, bestätigt Trytko. Die eigentliche Gaststätte mit den interessanten Gewölben hat indessen in der ehemaligen Pizzeria Einzug gehalten. Täglich gibt es hier Leckeres aus Topf und Pfanne, und am Wochenende setzt man mit Spezialitäten von Wild, Fisch und Geflügel noch einen drauf.

Und noch sind die Bauarbeiten nicht abgeschlossen. In einem Nebenraum entsteht eine Art Salon für kleinere Gesellschaften, für Familienfeiern usw. Im ersten Stock wird man nach dem Willen des Investors und Betreibers schon in einigen Monaten das Tanzbein schwingen oder größere Veranstaltungen besuchen können. Ein derartiger Saal sei derzeit weder in Bilý Kostel selbst noch in den Nachbarorten vorhanden, betont er.

So zeigt das Beispiel „Pod Skalou“, dass trotz aller Veränderungen, die die neue Schnellstraße R 35 mit sich brachte, eine beliebte Gaststätte nicht zum Sterben verurteilt sein muss.

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