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Meißen

Niederau möchte Schule machen

Die neu gewählten Gemeinderäte wollen sich vor allem der Jugend widmen.

Meldet Bedarf für eine eigene Oberschule an: In Niederau werden Pläne diskutiert, die Fünftklässler selbst einzuschulen.
Meldet Bedarf für eine eigene Oberschule an: In Niederau werden Pläne diskutiert, die Fünftklässler selbst einzuschulen. © Julian Stratenschulte/dpa

Niederau. Diese Wahl war den Niederauern nicht egal. „Die hohe Wahlbeteiligung von über 71 Prozent zeigt mir, dass die Bürger bestimmen wollen, wer sie in den kommenden fünf Jahren vertritt“, so der parteilose Bürgermeister Steffen Sang. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei er sich sicher, dass alle gewählten Kandidaten gewillt sind, ihre Kraft dafür einzusetzen, die Gemeinde weiterzuentwickeln.

Nicht überbewerten sollte man nach Sangs Ansicht die einfache Mehrheit der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV), welche ihre acht Sitze halten konnte. Insgesamt sind in dieser Wahlperiode 13 Sitze im Gemeinderat besetzt. Den ihr zustehenden dritten Sitz kann die AfD aufgrund fehlenden Personals nicht einnehmen. Der Bürgermeister, welcher selbst aus den Reihen der UWV stammt, verweist darauf, dass diese bereits seit rund 20 Jahren in der Regel um die 50 Prozent der Mandate auf sich vereine.

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Kitaplätze werden knapp

„Man könnte denken, dass diese Mehrheit die Geschicke allein bestimmen könnte. Aber in Niederau – und ich kenne noch mehr Landkommunen – spielen solche Mehrheiten keine Rolle“, sagt Sang. Mehrheiten für Beschlüsse müssten vielmehr in der Diskussion gefunden werden. Dieses demokratische Verfahren habe Niederau in drei Jahrzehnten dorthin gebracht, wo die Gemeinde jetzt stehe.

Wenn die Gemeinderäte sich am 20. August, 18.30 Uhr, im Vereinshaus Oberau zu ihrer konstituierenden Sitzung treffen, wartet auf sie jede Menge Arbeit. Die Plätze in den Niederauer Krippen und Kindergärten werden knapp. Alle Kitas befinden sich in kommunaler Trägerschaft. Deshalb müssen sich Räte und Bürgermeister nun kümmern und die Kapazitäten ausbauen, ohne ein teures Überangebot zu schaffen.

Der grundhafte Ausbau wichtiger Trassen steht ebenfalls auf der Agenda. Fördermittel in diesem Bereich sind allerdings rar. Zudem muss die Gemeinde ihren Brandschutzbedarfs- sowie den Flächennutzungsplan überarbeiten.

Neben diesen vom Bürgermeister gesetzten Prioritäten verfolgen die Räte eigene Ziele. „Bei den Gesprächen, die ich bisher führen konnte, hatte ich den Eindruck, dass sich alle dafür aussprechen, wieder eine Oberschule in Niederau zu eröffnen“, sagt Richard Piesch. 458 Stimmen hat der 30-Jährige für die UWV geholt und steht damit hinter Christina Dürichen (522 Stimmen) auf dem zweiten Platz. Bislang besuchen die Kinder aus Niederau zumeist die Weinböhlaer Oberschule oder die Pestalozzi-Oberschule in Meißen. Mit 91 angemeldeten Fünftklässlern in Weinböhla und 68 neuen Schülern in Meißen deuten sich hier Engpässe an. Hinzu kommt: Eine eigene Oberschule würde zudem kulturelle Impulse in den Ort senden.

Niederau stünde mit einem solchen Plan nicht allein. Aktuell ist im Landkreis und angrenzenden Gebieten ein regelrechter Schulboom ausgebrochen. In Klipphausen soll kommende Woche der Bau einer neuen Oberschule beginnen. Bereits voll im Bau ist das neue Gymnasium in Wilsdruff. Weinböhla plant zusammen mit einem privaten Träger ein zweizügiges Gymnasium in Form einer Freien Schule.

Ein zweites wichtiges Anliegen sind für Piesch die Spielplätze in der Kommune. „Da gibt es eigentlich nur einen richtigen Spielplatz. Und zwar den in Oberau“, sagt er. Die anderen Ortsteile hätten hier Nachholbedarf. Solche ganz praktischen Angebote seien nötig, damit Niederau für junge Familien weiterhin attraktiv bleibe.

In die gleiche Kerbe schlägt Hagen Pelz vom Niederauer Kulti. Sein Ergebnis von 519 Stimmen hat ihm den ersten Platz auf der CDU-Liste eingebracht. Die Christdemokraten sind von vier auf drei Gemeinderäte zusammengeschrumpft. Ihm liege, wie Richard Piesch, vor allem die Jugend am Herzen, so Pelz. Er hinterfragt die im vergangenen Jahr gefällte Entscheidung, den Jugendklub nach verschiedenen Querelen zu schließen. „Natürlich müssen sich die Jugendlichen an Regeln halten“, so der Kulturhauswirt. Doch es könne aus seiner Sicht nicht sein, dass der Nachwuchs nach dem Handballtraining keinen Ort habe, um in ordentlicher Atmosphäre den Tag ausklingen zu lassen. Er sei jedoch optimistisch, für solche Anliegen im Gemeinderat offene Ohren zu finden. „Wir sprechen hier doch alle eine gemeinsame Sprache“, sagt Pelz.

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