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Niederguriger fordern Tourismuskonzept

Der Ort als Tor zum Biosphärenreservat ist nicht gastfreundlich genug, findet der Ortschaftsrat - und übt scharfe Kritik an der Gemeinde.

Die Niederguriger Ortschaftsräte Katja Lorenz und Bruno Schumpp sind stolz auf die Natur in ihrem Ort. Damit aber auch Gäste in die Region kommen, sehen sie die Gemeinde in der Pflicht.
Die Niederguriger Ortschaftsräte Katja Lorenz und Bruno Schumpp sind stolz auf die Natur in ihrem Ort. Damit aber auch Gäste in die Region kommen, sehen sie die Gemeinde in der Pflicht. © SZ/Uwe Soeder

Malschwitz. Kaum merklich biegt die S 109 kurz hinter dem Bautzener Stausee nach rechts ab. Verträumt wirkt die Straße mit den lila Blumen und den Getreideähren am Wegesrand. Aber die Idylle täuscht.

Die Straße in den Malschwitzer Ortsteil Doberschütz, auf der Autofahrer gern mal Gas geben, ist huckelig und schlecht einsehbar. Einen Gehweg gibt es nicht. Auch ein Radweg fehlt. Im nördlichen Gebiet der Gemeinde Malschwitz, die insgesamt 23 Ortsteile umfasst, sei das anders, sagen Katja Lorenz und Bruno Schumpp vom Niederguriger Ortschaftsrat. Alles sei gepflegter dort, gastfreundlicher – so ihr Vorwurf in Richtung der Gemeindeverwaltung.

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Dabei, so Bruno Schumpp weiter, sei doch die Altgemeinde Niedergurig de facto der Eingang ins Heide- und Teichland. Besonders einladend finden er und seine Mitstreiter den aber nicht. Bruno Schumpp erklärt: "Die nächste öffentliche Toilette ist in Wartha, es gibt keine öffentlichen Parkplätze, kaum Vereine, keine Gastronomie." Und auch der fehlende Radweg nach Doberschütz ist den Ortschaftsräten ein ewiger Dorn im Auge.

Radweg, Parkplatz und Toiletten fehlen

Das alles, so die Argumentation von Bruno Schumpp und Katja Lorenz weiter, müsse man ändern, wenn die Ortschaften als lebens- und besuchenswert gelten wollen. Und dafür bedürfe es gemeinsamer Anstrengungen. Aber: "Seit vier oder fünf Jahren kämpfen wir diesen Kampf. Wir haben das Problem angesprochen; versucht, etwas zu ändern. Aber immer, wenn man für sich etwas fordert, fühlt sich ein anderer auf den Schlips getreten", schildert Bruno Schumpp seine Erfahrungen.

Dass die Forderungen des Ortschaftsrates nicht gänzlich aus der Luft gegriffen sind, bestätigt eine Begegnung in Niedergurig. Ein Mann aus Berlin führt dort seine drei Hunde spazieren. Er erzählt, dass er häufig Freunde in Bautzen besucht und dann nahezu täglich ins Teichgebiet fährt. Die Freundlichkeit der Menschen schätze er hier genauso wie die natürlich-romantische Umgebung, sagt er, fügt aber hinzu: "Es gibt hier so viele Orte, die zum Verweilen einladen. Aber dort, wo die Ufer schön gestaltet sind, fehlt es an Bänken." Noch andere Makel sind ihm aufgefallen: "Parkplätze fehlen. Ich parke immer in der grünen Heide und frage mich, ob ich dort jemanden störe."

All das will der Ortschaftsrat ändern, macht sich daher für ein neues Tourismuskonzept stark. "Was wir brauchen, ist sanfter Tourismus", so Bruno Schumpp. "Aber nichts wird mal im Ganzen angepackt. Wenn überhaupt, passiert alles nur halbherzig."

Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

Am Telefon reagiert der Malschwitzer Bürgermeister Matthias Seidel (CDU) zornig auf diese Vorwürfe. "Ich kann das nicht nachvollziehen", sagt er und zählt auf, wo die Gemeindeverwaltung in den vergangenen Jahren auf dem Gebiet der Altgemeinde Niedergurig investiert hat: "Wir haben sämtliche Straßen saniert, nehmen außerdem die Brücke an der Rieseneiche in Angriff. Den Radweg nach Doberschütz haben wir in der Planung, obwohl er eigentlich Aufgabe des Freistaates wäre und sicher nicht die der Gemeinde."

Darüber hinaus laufe derzeit das Verfahren um die Aufnahme von Niedergurig in das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Im September, erklärt Seidel weiter, wolle man bei einer Veranstaltung im Gastraum "Wassermann" in Niedergurig die Vor- und Nachteile eines Beitritts der Altgemeinde zum Biosphärenreservat diskutieren. Eine gründliche Auseinandersetzung mit der Thematik sei im Vorfeld aber notwendig, denn: "Alle, die mit Tourismus zu tun haben, finden die Idee toll. Ich übrigens auch", sagt Seidel. Wen man bei diesem Vorstoß aber auch mitnehmen müsse, seien die Landwirte, die Jäger und vor allem die Bürger.

Denn das Biosphärenreservat stellt im Falle einer Aufnahme weiterer Ortschaften Ansprüche. So wäre es etwa verboten, genveränderte Pflanzen in dem Areal anzubauen. Sorgen macht sich Matthias Seidel im Hinblick darauf eher nicht: "Das ist ohnehin ein No-Go in dieser Region", sagt er und wirbt vor diesem Hintergrund um Geduld: "Dass manche Dinge länger dauern, als die Bürger und übrigens auch die Gemeindeverwaltung wollen, ist ein Fakt, an dem wir nichts ändern können." Genau wie an der Tatsache, dass die Gemeinde nicht alle Wünsche gleichzeitig erfüllen könne: "Alle sollten verstehen, dass wir Prioritäten setzen müssen."

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