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Niedergurig: Neue Idee für die Ortsumgehung

Die geplante Straßenführung soll den Verkehr aus dem Ort fernhalten. Anwohner sehen darin aber auch Nachteile - und bringen einen neuen Vorschlag ins Spiel.

Olaf Nathe (l.) und Tino Gregor wohnen idyllisch an der Jeschützer Straße in Niedergurig. Bald könnte die Ruhe vorbei sein, denn hier soll die Umgehungsstraße entlangführen.
Olaf Nathe (l.) und Tino Gregor wohnen idyllisch an der Jeschützer Straße in Niedergurig. Bald könnte die Ruhe vorbei sein, denn hier soll die Umgehungsstraße entlangführen. © Steffen Unger

Malschwitz. Aus einem dicken Aktenordner fischt Tino Gregor zielsicher zwei Landkarten von Niedergurig. Auf ihnen vermerkt sind die Pläne zur geplanten Ortsumgehung der B 156. Eine zeigt vier mögliche Varianten des Straßenverlaufs, die das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) erarbeitet hat. Auf Zettel zwei bleibt von diesen Möglichkeiten nur noch Variante B übrig. Dieser Favorit liegt derzeit zur Planfeststellung im Malschwitzer Gemeindeamt aus, nachdem die rund 6,4 Millionen Euro teure Maßnahme nach 20 Jahren Planung im Bundesverkehrswegeplan endgültig bestätigt wurde. 

Variante B biegt nach der Franzosenbrücke über die Spree sacht nach links und trifft auf die Kreuzung von Ahornweg und der Straße Am Staudamm. Auf Satellitenbildern sieht man an dieser Stelle Wohngrundstücke, Gärten, viele Pools. Um die geplante Ortsumgehung anzuschließen, sieht das Lasuv dort einen Kreisverkehr vor. 

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Weiter führt die geplante, insgesamt 2,7 Kilometer lange Umgehungsstraße westlich vorbei am Garten von Anwohner Olaf Nathe hin zum nächsten neuen Kreisverkehr in Höhe der Jeschützer Straße. Der soll genau vor der Grundstückseinfahrt von Tino Gregor platziert werden. An dieser Stelle schneidet die Kreuzung von S 107 und B 156 das letzte Haus in Niedergurig vom Rest der Ortschaft ab. 

Nach den Plänen des Lasuv wird die Niederguriger Ortsumgehung zwei Kreisverkehre bekommen und den Ort in drei Teile schneiden - die einzige Lösung, um die Straße durch das Naturschutzgebiet überhaupt bauen zu können, wie das Amt versichert. Anwohner schla
Nach den Plänen des Lasuv wird die Niederguriger Ortsumgehung zwei Kreisverkehre bekommen und den Ort in drei Teile schneiden - die einzige Lösung, um die Straße durch das Naturschutzgebiet überhaupt bauen zu können, wie das Amt versichert. Anwohner schla © SZ Grafik

Tino Gregor und Olaf Nathe befürworten die Umgehung, halten eine Beruhigung der engen und unübersichtlichen Ortsdurchfahrt für sinnvoll, sagen aber auch: "Die jetzige Planung teilt den Ort in drei Teile." Und: "Den einen wird die Verkehrslast genommen, den anderen wird sie aufgeprügelt."

Frei nach dem Motto "nicht verhindern, aber verbessern", haben die beiden Männer deshalb neben der vom Lasuv geplanten Variante B eine weitere Möglichkeit der Ortsumgehung auf ihrer Karte eingezeichnet. Sie nennen sie Variante X.  Dabei biegt die B 156 ebenfalls direkt hinter der Franzosenbrücke nach links ab, durchquert aber von dort das nahegelegene Gewerbegebiet, quert die angrenzenden Ackerflächen weiter westlich als Variante B und sieht den zweiten Kreisverkehr jenseits des letzten Hauses von Niedergurig.

"Der Ahornweg würde nicht abgeschnitten, das Gewerbegebiet hätte einen Nutzen von der Straße und der Kreisverkehr würde nicht inmitten von Häusern liegen", zählt Olaf Nathe die Vorteile der vorgeschlagenen Streckenführung auf. Tino Gregor ergänzt: "Genau dort, wo die Straße geplant ist, liegt ein europäischer Vogelrastplatz. Das Vogelschutzgebiet wird sowieso durchschnitten. Verliefe die Straße aber ein bisschen weiter abseits, würde das schon helfen."

Bürgermeister teilt Meinung der Anwohner

Das sehen die Planer anders. Lasuv-Sprecherin Rosalie Stephan sagt, die jetzt geplante habe "in Abwägung mit den anderen Varianten die geringste Auswirkung auf das vorhandene, speziell geschützte Vogelschutzgebiet". Alle anderen Planungen seien in naturschutzrechtlichem Sinne nicht genehmigungsfähig.

Diese Argumentation kennt der Malschwitzer Bürgermeister Matthias Seidel (CDU). "Rechtlich ist eine Variante, die noch weiter nach Westen geht, gar nicht möglich, denn die Fläche zwischen der Staumauer der Bautzener Talsperre und Niedergurig ist ein Schutzgebiet." Er sagt aber auch: "Unsere Wunschvariante ist die geplante Straßenführung nicht. Ich persönlich bin bei den Anwohnern. Aber diese Variante X würde nie genehmigt werden. Außerdem könnten Umweltverbände dagegen klagen."

Während Seidel also den Anwohnern der Jeschützer Straße wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Planung machen kann, sieht er noch Chancen für die Anwohner des Ahornwegs. "Dieser Knotenpunkt funktioniert nicht", sagt er klar und bringt Argumente: In der geplanten Variante werde der Ahornweg zur Einbahnstraße. Aller Verkehr, der von der B 156 in Richtung Ortschaft abbiege, müsse damit unweigerlich die Straße Am Staudamm nutzen. Genau dort verläuft aber auch eine Etappe des Spreeradweges. "Die Straße ist an dieser Stelle nur drei Meter breit. Nehmen wir einmal an, dort wollen Fahrradfahrer, Anwohner und die Müllabfuhr gleichzeitig durch, haben wir dort ein Verkehrschaos."

Hoffnung für den Ahornweg

Seidel ist deshalb guter Hoffnung, dass die Straßenführung im laufenden Planfeststellungsverfahren an dieser Stelle noch geändert wird. Ähnlich, sagt er, sei es auch gelaufen, als die B 156 ein Stück weiter nördlich von Briesing in Richtung Sdier geplant wurde. Auch dort hätten zahlreiche Beteiligte im Planfeststellungsverfahren berechtigte Bedenken geäußert. Die Planung sei daraufhin angepasst worden. "Genau dafür ist dieses Verfahren ja da", betont Seidel.

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