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Dresden

Niedrigwasser folgt Ebbe in der Kasse

Mehrere Jahre mit zu wenig Wasser kann die Dampfer-Flotte durchstehen. Doch es ist klar, wann es wieder finanziell eng wird.

Die Elbe wird künftig häufiger so aussehen, sagen Klimaforscher.
Die Elbe wird künftig häufiger so aussehen, sagen Klimaforscher. © Thomas Kretschel

Zum ersten Mal in diesem Jahr ist die Elbe unter die 50-Zentimeter-Marke gesunken. Am Montagnachmittag fiel der Pegel auf 49 Zentimeter. Der Tiefpunkt war um 16 Uhr mit 48 Zentimetern erreicht. Danach stieg er wieder, geradezu rasant. Binnen 20 Stunden kletterte er auf 63 Zentimeter.

Doch die Aussichten sind schlecht. „An der aktuellen Niedrigwassersituation in der Elbe wird sich aufgrund des Ausbleibens von ergiebigen Niederschlägen ... nichts ändern“, meldet das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in seinem aktuellen Wochenbericht zum Wasserhaushalt in Sachsen. Das betreffe vor allem das tschechische Einzugsgebiet von Moldau und Elbe.

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Solche Nachrichten kommen auch bei den Eigentümern der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS) an. Sie machen sich Sorgen um das Geld, das sie in die Flotte investiert haben. Das sind Summen, die von einstelligen bis zu sechsstelligen Eurobeträgen reichen. Nun sollen sie am Freitag bei einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung beschließen, so lange auf Gewinne zu verzichten, bis zwei Millionen Euro als Finanzreserve für Notzeiten zusammengekommen sind. 

Dann wäre der Freistaat bereit, ebenfalls zwei Millionen Euro beizusteuern. Das Geld käme von der Sächsischen Aufbaubank „zu Konditionen, die eine Zumutung darstellen“, heißt es in einem Brief, den einer der Gesellschafter an den Vorsitzenden des SDS-Verwaltungsrats Ulrich Rothfischer geschickt hat. 

Bis zu neun Prozent Zinsen sollen es sein, steht in dem Sanierungskonzept, das den Anteilseignern bei der Gesellschafterversammlung am 12. Juli vorgestellt worden ist. Die Bank stufe das Unternehmen als „Pleitekandidat“ ein, heißt es in dem Brief. „Falls wir zwei oder gar drei Jahre mit erhöhtem Kleinwasserrisiko erleben, sind wir bei den angebotenen Konditionen insolvent“.

Das „Kleinwasserrisiko“ ist groß. Es setzt sich von Jahr zu Jahr fort, wenn die Wasserspeicher von Elbe und Moldau nicht regelmäßig wieder aufgefüllt werden. Das gibt Hagen Koch zu bedenken, Wissenschaftler im Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „In diesem Jahr ist es vom Niederschlag her besser als 2018. Aber das reicht trotzdem nicht, um das Defizit vom letzten Jahr aufzufüllen.“

Tschechen brauchen selbst Wasser

Und es kommt noch schlimmer. „Andauernde Niedrigwasserperioden nehmen zu, das ist dauerhaft ein Problem für die Tourismusschifffahrt“, sagt Koch. Wie es der Oberelbe und damit dem Fluss auch in Dresden geht, hänge sehr stark davon ab, was in der tschechischen Republik passiert. 

Dort habe die Schifffahrt keinen hohen Stellenwert. Wichtiger sei den Tschechen die Wasserbereitstellung für die Trinkwasserversorgung, insbesondere in Prag, und für die Landwirtschaft. Außerdem wird Wasser gebraucht für den Betrieb von Kraftwerken. 

Eines davon, vielleicht das wichtigste in Tschechien, ist das Kernkraftwerk Temelin. Es steht in Südböhmen, fünf Kilometer entfernt von der Moldau und wird mit Wasser aus dem Fluss gekühlt. Dafür gibt es sogar einen eigenen Stausee, die Talsperre Hnevkovice. Hagen Koch prognostiziert: Schiffe wird es auf der Elbe weiter geben. 

Doch die Niedrigwasser werden zunehmen, „mit noch größeren Extremen als wir in den letzten beiden Jahren gesehen haben. Also könnten auch deutlich unter 50 Zentimeter in Dresden auftreten“. Dann müssen nicht nur die Frachtschiffe pausieren, die schon seit Wochen nicht mehr fahren können. Dann ist auch Schluss für die Ausflugsschiffe der Weißen Flotte.

Genau das fürchten die Eigentümer der Flotte. Von „Sterbehilfe“ war angesichts der Summen bereits die Rede, die jetzt laut dem Sanierungskonzept gebraucht werden, um den Betrieb zu sichern. Die Berliner Unternehmen Restrukturierungspartner jwt, das laut Selbstdarstellung „Unternehmen in der Krise“ berät, hat das Sanierungskonzept für die Flotte erarbeitet. 

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Selbst im schlimmsten Fall, also bei zwei weiteren Niedrigwasserjahren 2020 und 2021 sei die Flotte mit den vier Millionen Euro von den Eigentümern und vom Freistaat „mittelfristig durchfinanziert“. Die Zahlenkurve zeigt aber: Ende Februar 2021 rutscht die Dampfschifffahrt dann wieder in die roten Zahlen. Und dabei bleibt es nicht, Ende Dezember steht erneut ein Minus vor der aktuellen Bilanzzahl.