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"Niemand sollte sich vergessen fühlen"

Für manche(n) ist das Haus Bethesda in Hoyerswerdas Schulstraße 5 die einzige Möglichkeit, gute Kontakte zu pflegen.

Katrin
Fleischmann, stellvertretende Leiterin der Suchtberatungs- und
behandlungsstelle im Haus Bethesda.
Katrin Fleischmann, stellvertretende Leiterin der Suchtberatungs- und behandlungsstelle im Haus Bethesda. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Wir sprachen mit der stellvertretenden Leiterin der Suchtberatungs- und -behandlungsstelle, Katrin Fleischmann, wie die zwischenzeitliche corona-bedingte komplette Schließung der Einrichtung für den Publikumsverkehr überstanden wurde – und wie es jetzt, nach der behutsamen Wieder-Öffnung, weitergeht.

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Frau Fleischmann – welche Reaktionen gab es damals auf die notwendig gewordene Schließung der Einrichtung?

Natürlich waren viele BesucherInnen enttäuscht und traurig. Besonders, weil die Begegnungen im Haus Bethesda für einige der Frauen und Männer die wichtigsten und manchmal die einzig wirklich guten Kontakte in ihrem Leben sind. Für die meisten gab es aber, auch aus der Sorge um die eigene Gesundheit heraus, Einsicht.

Aus Ihrer Sicht: Welche Folgen hatte und hat die Corona-Krise mit den aus ihr resultierenden Einschränkungen auf Menschen, die die Angebote des Tagestreffs und andere Anlaufpunkte dieser Art nicht mehr nutzen konnten?

Wir haben zwei Trends beobachtet. Für einen Teil der Besucher und Klienten wurde es plötzlich deutlich schwerer, unsere sehr reduzierten Angebote in Anspruch zu nehmen. Der Tagestreff lebt vom persönlichen Austausch. Wer die Besuche als wichtigen Teil seiner Tagesgestaltung eingeplant hatte, stand nun auf einmal vor einer Leere. Einsamkeit und Ängste spielten bei diesen Menschen wieder stärker eine Rolle. Für andere Besucher hat es sich als vorteilhaft herausgestellt, dass die Angebote schon immer auf Nachhaltigkeit ausgelegt waren. Das heißt, es ging auch früher darum, dass die Kontakte sich nicht auf unsere Räumlichkeiten beschränken. Abends oder an den Wochenenden wurde rege telefoniert und getextet. Diese Alternative wurde nach der Schließung dann eben noch stärker genutzt. Es gab ein spürbares Gefühl von Zusammengehörigkeit, auch wenn sich die meisten zu ihrem eigenen Schutz zu Hause isolierten.

Gab es in der Schließzeit noch andere Alternativen für die Betroffenen?

Da alle Tagestreffs, Begegnungsstätten und Selbsthilfegruppen in der Stadt ihre Angebote vorübergehend einstellen mussten, gab es zunächst keine echten Alternativen. Für uns war allerdings schnell klar: Wenn die persönliche Begegnung wegfällt, bleiben immer noch Telefon und Postweg! Unsere Mitarbeiterin stand regelmäßig mit allen, die es wollten, im Kontakt. Niemand sollte sich allein oder vergessen fühlen. Mit der schrittweisen Lockerung gab es auch die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen und im sehr kleinen Kreis für alle Besucher Masken zu nähen, für die Stoff gespendet worden war.

Inzwischen hat der Tagestreff seine Türen wieder geöffnet. Wie gestaltet sich das Hygiene-Konzept – und wie sind die aktuellen Rahmenbedingungen?

Wir haben schon früh überlegt, wie wir diese Begegnungen für alle möglichst sicher gestalten. So besteht die Pflicht, beim Betreten der Räume einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und sich die Hände zu waschen. Außerdem gibt es eine Obergrenze für die Anzahl der Besucher in den Räumlichkeiten. Wir verzichten auch vorerst darauf, einen Imbiss anzubieten. Wer sich selbst ein Frühstück mitbringen möchte, darf das aber tun. Unser Sommerfest holen wir zu einem späteren Zeitpunkt nach. Dann werden wir auch unsere Besucher feiern, die in dieser Zeit mit Kreativität und Herzenswärme füreinander da waren.

Welche Angebote sind zukünftig geplant?

In der Beratungsstelle, zu der der Tagestreff gehört, kehrt langsam wieder der Alltag ein. Es ist wieder möglich, Termine für persönliche Gespräche zu vereinbaren. Auch unsere Gruppenangebote, so etwa Informations- und Nachsorgegruppen, finden statt, wenn auch teils mit eingeschränkter Teilnehmerzahl. Am 3. September ist wieder ein Gruppenangebot für suchtmittelauffällige Verkehrsteilnehmer geplant. Anmeldungen dafür sind noch möglich.

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