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Niesky ist erste Wahl

In der Berufsfachschule des Emmaus-Krankenhauses lernen 60 künftige Pflegekräfte. Für Verwirrung sorgte dabei ein Kreistagsbeschluss.

© André Schulze

Carla Mattern

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Niesky. Elisa Löbling wollte es unbedingt wissen. Nach ihrem Realschulabschluss bewarb sich die Kodersdorferin im Umkreis von 200 Kilometern bei allen Häusern und Schulen, die für eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin infrage kamen. Als ehrenamtliche Sanitäterin und Rettungsschwimmerin und Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz war sie auf den Beruf gekommen. Und wollte ihn auch unbedingt. Bei den Bewertungen, die sie fand, schnitt die Medizinische Berufsfachschule in Niesky am besten ab, wie die 19-Jährige sagt. Mittlerweile ist sie im dritten Lehrjahr, lebt mit ihrem Freund in Görlitz, hat verschiedene andere Häuser bereits während Praktika kennengelernt - und bereut es trotzdem nicht, sich für Niesky entschieden zu haben.

So geht es auch Babette Schoetz. Die Weißwasseranerin hatte sich auch nach dem Realschulabschluss für diesen Berufszweig interessiert, und erst einmal am Kreiskrankenhaus in Weißwasser ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Am Städtischen Klinikum in Görlitz machte sie eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer und startete 2015 noch einmal neu in Niesky. Jetzt ist sie wie Elisa Löbling und Erick Muhl bereits in der Oberstufe, also dem dritten und letzten Lehrjahr. Bevor sie nach Niesky kam, hatte sie sich über die Bedingungen hier erkundigt. „Ich hatte von Niesky nur Gutes gehört, von der Schule und auch vom Krankenhaus. In Görlitz war ich gefühlt nur eine Zahl. Das ist man hier nicht“, sagt die 23-Jährige.

Das liegt auch daran, dass an der 1991 gegründeten medizinischen Berufsfachschule 60 Ausbildungsplätze bereitstehen, also pro Lehrjahr und Klasse nur etwa 20 angehende Gesundheits- und Krankenpfleger ausgebildet werden. Die Schule ist voll, sagt Oberin Esther Selle von der Diakonissenanstalt Dresden. Als Vorstandsmitglied verantwortet sie unter anderem die Ausbildung. Seit 2015 gehören das Emmaus Krankenhaus und die medizinische Berufsfachschule nicht mehr zur Nieskyer Diakonissenanstalt, sondern zur Dresdner. Auch in Dresden gibt es eine medizinische Berufsfachschule - trotzdem wird am Standort Niesky für die Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflegern festgehalten, so Schwester Esther Selle .

Doch das ist nicht überall bekannt. Seitdem der Kreistag Görlitz im vergangenen Jahr die Gründung eines Ausbildungsverbundes der Krankenhäuser im Landkreis Görlitz beschlossen hat, gebe es offenbar Verwirrung, was die Berufsfachschule in Niesky anbetrifft, sagt Pressereferentin Gesa Henke vom Diako Dresden. „Es hat Anfragen gegeben, ob unsere Schule auch zum Ausbildungsverbund gehört und ob in Niesky überhaupt noch ausgebildet wird“, so Gesa Henke. Ob Niesky sich an dem Ausbildungsverbund beteiligen will, das sei gar nicht angefragt worden, sagt Annette Wolff, die die Nieskyer Berufsfachschule seit dem Jahr 2010 leitet.

Nicht in diesem Kreisverbund zu sein, das ist für die Auszubildenden kein Nachteil. Während sie die theoretische Ausbildung im Nieskyer Haus Plitt an der Bautzener Straße absolvieren, führen sie Praxiseinsätze nicht nur ins Nieskyer Krankenhaus, sondern nach Rothenburg, Weißwasser und Görlitz. Denn da besteht bereits ein Ausbildungsverbund mit dem Orthopädischen Zentrum Martin-Ulbrich-Haus Rothenburg, dem Städtischen Klinikum Görlitz, dem Malteser Krankenhaus St. Carolus sowie dem Kreiskrankenhaus Weißwasser. Eine Vernetzung und Kooperation gibt es mit dem Dresdener Diakonissenkrankenhaus, wo die Nieskyer Schüler unter anderem in der Gynäkologie und Urologie praktisch ausgebildet werden. Noch ein großes Plus gibt es für die Nieskyer Auszubildenden. „Unsere eigenen Absolventen haben Vorrang vor anderen Bewerbern“, sagt Oberin Esther Selle. Das schließt den Standort Dresden mit ein.