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Feldsteine gegen Falschparker

Die Stadt Niesky blockiert den Straßenrand. Das sorgt für Empörung bei Friedhofsbesuchern.

Am langen Haag verhindern Steine das Parken am Straßenrand vor dem Waldfriedhof. Die Stadt Niesky ließ die Steine anfahren, da das Parkverbot immer wieder ignoriert wird.
Am langen Haag verhindern Steine das Parken am Straßenrand vor dem Waldfriedhof. Die Stadt Niesky ließ die Steine anfahren, da das Parkverbot immer wieder ignoriert wird. © André Schulze

Große Feldsteine am Straßenrand empören die Besucher des Nieskyer Waldfriedhofs. Vor allem die Bürger, die mit ihrem Auto entlang der Straße Am langen Haag regelmäßig parken, obwohl sie das nicht dürfen. Denn seit Ewigkeiten steht ein Parkverbotsschild, wenn man von der Parkstraße in den langen Haag einbiegt. Dieses Parkverbot schließt mit einem Zusatzschild auch den Randstreifen mit ein und gilt für die gesamte Straße.    

In der Vergangenheit kam es schon zu Diskussionen und Strafzetteln, wenn das Ordnungsamt der Stadt die Falschparker abstrafte. Da keine Besserung eingetreten ist, sprich die Kraftfahrer disziplinierter geworden sind, hat die Stadt zu einer Brachialmaßnahme gegriffen und entlang dem langen Haag Feldsteine an den Straßenrand gelegt. Ordnungsamtschefin Simone Sturm rechtfertigt diese Maßnahme auch damit, dass die Autos mitunter sogar im Wald geparkt wurden, um einen kurzen Weg auf dem Friedhof zu haben. Und der Wald gehört nun mal nicht der Stadt, er ist Eigentum der Nieskyer Brüdergemeine.  

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Längerer Weg für ältere Menschen

Mit diesen Steinen kommt die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht nach, so das Ordnungsamt. Denn scheinbar hat das Parkverbotsschild keine Wirkung auf den einen oder anderen Kraftfahrer. Dazu führte noch ein zweiter Grund zu dieser drastischen Maßnahme. Die Ver- und Entsorgungsfahrzeuge haben Probleme, vom Friedhof auf die Straße zu fahren und umgekehrt, wenn parkende Autos den Straßenrand blockieren. Deshalb liegen die Steine gegenüber den Toren vom Straßenrand weiter entfernt, wegen dem Lenkradius der Fahrzeuge. Natürlich verleiten diese Stellen wieder zum Parken.   

Für die Bürger hat das Parken vor dem Tor seine Gründe. So schreibt Familie Funke in einem Leserbrief: "Gerade die älteren Leute werden benachteiligt, die auf dem Friedhof ihre Angehörigen besuchen möchten. Nicht nur in der Pflanzzeit, wenn viel vom Fahrzeug zur Grabstelle getragen werden muss, nein, auch gehbehinderten Menschen wurden hier, im wahrsten Sinne des Wortes, Steine in den Weg gelegt." Zwar verfügt der Friedhof über zwei Parkplätze. Aber wessen Grabstelle davon weit entfernt liegt, der hält dort an, wo der Zugang kürzer ist. Schließlich gibt es davon mehrere auf dem Friedhof.  

Kurzer Ein- und Ausstieg ist möglich

Vor Ort umgeschaut sagt eine Nieskyerin, dass man alten und gebrechlichen Menschen den Weg vom Parkplatz  bis an ihre Grabstelle nicht zumuten kann. Aus Sicht des Ordnungsamtes ist dagegen nichts einzuwenden, für den Ein- oder Ausstieg kurz anzuhalten und danach das Fahrzeug auf dem Parkplatz abzustellen. Denn das Parken ist verboten, nicht das Halten. Familie Funke kritisiert, dass die Steine einem nicht mehr die Möglichkeit geben, dem Gegenverkehr auszuweichen. Gerade jetzt, wo der lange Haag wieder als Schleichweg genutzt wird, um in und aus der Stadt zu kommen, weil am Zinzendorfplatz gebaut wird. 

Für das Halten am langen Haag führen Funkes noch ein weiteres Argument an: Bei großen Begräbnissen reichen die Parkplätze oft nicht aus. Sie werden meist von den Angehörigen genutzt und für andere Friedhofsbesucher ist dann kein Platz mehr für ihr Auto. Deshalb sollten Parkbuchten Am langen Haag geschaffen werden, schlagen Funkes vor. Das ist aber leichter gesagt als getan, weil die Parkbuchten dann auf keinem städtischen Grund gebaut werden müssten. 

Jedenfalls, so Simone Sturm vom Ordnungsamt, sei man mit dieser Lösung nicht ganz zufrieden. Aber um dem wilden Parken ein Ende zu setzen, sind die Steine die praktikable Lösung gewesen. Vom Tisch ist das Thema damit nicht, zumal die Stadt bereits einige Protestschreiben und -anrufe wegen der Steine erhalten hat.  

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