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Niesky

Serieneinbrecher muss ins Gefängnis

Verurteilt wurde der 48-jährige Mann für 15 Einbruchsdiebstähle in Niesky und Umgebung. Viele Opfer leiden bis heute.

©  dpa / Symbolbild

Der Schaden ist fast sechsstellig. Und er hat alles, was er zu Geld machen konnte, in Spielcasinos und Wettbüros verzockt. Gestern wurde der 48-jährige Nieskyer vom Landgericht Görlitz unter Vorsitz von Richter Jörg Küsgen zu fünf Jahren und zehn Monaten Freiheitsentzug verurteilt – wegen 15-fachen Wohnungseinbruchsdiebstahls zwischen Oktober 2017 und August 2018 in etliche Einfamilienhäuser in Niesky, Hohendubrau (Ortsteile Gebelzig und Groß Radisch), Waldhufen (Ortsteile Diehsa, Jänkendorf und Nieder Seifersdorf), Vierkirchen (Ortsteil Prachenau) und Kodersdorf.

Vielleicht hatte der Angeklagte auf eine geringere Strafe gehofft. Schließlich hatte er die Taten gestanden. Und es gab aus seiner Sicht einen entscheidenden Auslöser für alle Taten: seine Spielsucht. Aber der psychiatrische Gutachter hatte ihm am Beginn des letzten Verhandlungstages die Hoffnung genommen, dass sich dies entscheidend auf das Strafmaß auswirken könnte. Zwar gestand er dem Angeklagten eine Spielsucht zu, aber keine verminderte Schuldfähigkeit. Er führte im Gegenteil mehrere Gründe dafür an, dass eine Sucht bei den eigentlichen Taten keine große Rolle gespielt haben kann. Zu koordiniert und überlegt war der Angeklagte dafür vorgegangen. Und der Schaden, den der Nieskyer hinterlassen hat, ist immens. Beim ersten Einbruch erbeutete er gleich 30 750 Euro Bargeld, die gesamten Lebensersparnisse einer Seniorin, die nach dem Tod ihres Mannes gerade Pferde und Kutschen des landwirtschaftlichen Betriebes verkauft hatte. So „erfolgreich“ war der Nieskyer in der Folge nicht mehr. Die Staatsanwältin nennt weitere Schadenshöhen zwischen 75 und 11 000 Euro. Teilweise wurden zudem Urlaubsreisen abgebrochen. Zurückzahlen wird der Angeklagte all das kaum können. Er war vor seiner Verhaftung nahezu mittellos, lebte von Hartz IV.

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Viel größer, so die Staatsanwältin weiter, sei bei einigen Opfern der erlittene psychische Schaden. Im Zeugenstand berichteten sie von Schlafstörungen oder der Angst, Schubladen zu öffnen. Eine Frau musste ihr Haus wegen ihrer Angst gar verkaufen. Eine andere Dame geht nur noch mit Messer und Handy ins Bett. Und sie glaubte dem Geständnis des Angeklagten, der von Ausnutzen von Gelegenheiten und zufälligen Opfern gesprochen hatte, in diesem Punkt nicht: Er müsse seine Opfer ausspioniert haben. Dass er immer nur hochbetagte, allein lebende Frauen während ihres Schlafes oder verreiste Personen als Opfer ausgesucht habe, könne bei dieser Vielzahl kein Zufall sein. Er habe sich insgesamt so geschickt verhalten, dass ihm die Ermittlungsbehörden nur über die Erhebung der Mobilfunkdaten auf die Schliche gekommen sei. Zwei Nummern seien immer wieder an den Tatorten aufgetaucht, eine habe dem Angeklagten gehört. Die Staatsanwältin forderte dann für den schwersten Fall (mit 30 000 Euro Beute) zweieinhalb Jahre Freiheitsentzug, für alle anderen Freiheitsstrafen zwischen einem und zwei Jahren. Daraus bildete sie eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren. Dabei werden die Einzelstrafen nicht einfach zusammenaddiert, sondern die höchste angemessen erhöht.

Die Verteidigerin folgte im Wesentlichen allen Argumenten, widersprach aber hinsichtlich des Ausspionierens und planvollen Vorgehens des Angeklagten, wollte seine Spielsucht als auslösendes Motiv strafmildernd berücksichtigt wissen und forderte eine Maximalstrafe von fünf Jahren Freiheitsentzug. Richter Jörg Küsgen verlas noch einmal alle Taten des Nieskyers, folgte den Argumenten der Staatsanwältin und blieb nur unwesentlich unter deren Strafforderung. Gut 65 000 Euro (Wert des Diebesgutes) soll der Angeklagte an die Opfer zurückzahlen – falls er es je kann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide Seiten – der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft, können binnen einer Woche Revision einlegen.

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