merken
PLUS Görlitz

Nonstop von Aachen nach Görlitz

In zwei Tagen radelt Norbert Vohn 780 Kilometer quer durch Deutschland. Er tut es für einen guten Zweck.

Norbert Vohn (rechts) fährt von Aachen nonstop mit dem Rad nach Görlitz. Zweck der Fahrt ist es, auf ein Spendenprojekt aufmerksam zu machen. Links Herbert Schmerz, der Vorsitzende des Vereins, der die Spenden koordiniert.
Norbert Vohn (rechts) fährt von Aachen nonstop mit dem Rad nach Görlitz. Zweck der Fahrt ist es, auf ein Spendenprojekt aufmerksam zu machen. Links Herbert Schmerz, der Vorsitzende des Vereins, der die Spenden koordiniert. © privat

Norbert Vohn hat den größten Teil der Strecke bereits absolviert.  Der 53-Jährige fährt mit dem Rennrad die Strecke von Aachen nach Görlitz, ohne eine größere Pause einzulegen.  Am Freitag ist er gegen 10 Uhr in Aachen gestartet, bei leichtem Nieselregen. Allein und ohne Begleitung machte er sich auf den Weg. "Nur viele Flaschen Wasser und viele Energieriegel nehme ich mit", erklärt er.  

Der Ingenieur, der in der Forschung beim schwedischen Telekommunikationsunternehmen Eriksson in Aachen arbeitet, hatte schon geahnt, dass es das Wetter zumindest bis auf Höhe Hersfeld mit ihm nicht gut meint.  Am heutigen Sonnabend will er am Nachmittag an der Görlitzer Altstadtbrücke ankommen. 

Anzeige
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Schönheit und Einzigartigkeit Sachsens neu zu entdecken.

Radeln für den guten Zweck

Norbert Vohn liebt den Radsport. Sein Leben lang betreibt er diesen Sport. Vor allem die langen Kanten. Vor zwei Jahren fuhr er beim Race Across Germany, einem Radsportwettbewerb, von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen. "In diesem Jahr hatte ich vor, wieder teilzunehmen", erzählt er. Von Aachen an der belgisch/holländischen Grenze bis zur polnischen Grenze in Görlitz reichte die 2020er- Version von Race Across Germany. "Das sind etwa 780 Kilometer, mit viel Kletterei - insgesamt 7.800 Höhenmeter - da die Route durch fast alle hügeligen Gebiete führt, die Deutschland bieten kann", erklärt der Radsportler.

Doch dann wurde die Tour wegen der Corona-Pandemie auf das nächste Jahr verschoben. Norbert Vohn wollte trotzdem fahren. Vor allem, um Geld  für ein Projekt auf den Philippinen zu sammeln. Vohn unterstützt damit einen Aachener Verein, der sich in den philippinischen Städten Malabon und Tondo engagiert und dort mit einer nicht staatlichen Hilfsorganisation zusammenarbeitet.

Spenden übers Internet

Herbert Schmerz, der Vorsitzende des Aachener Vereins, erzählt: "Wir unterhalten in Malabon ein kleines Basisgesundheitshaus, ermöglichen jungen Menschen den Collegebesuch, versorgen 100 Straßenkinder mit einer täglichen warmen Mahlzeit und unterstützen ein Berufsausbildungs-Programm."  Malabon ist eine Stadt von etwa 350.000 Einwohnern im Elf-Millionen-Moloch Manila auf den Philippinen. Fast die Hälfte der Bewohner haust in Hütten in zahlreichen Slumgebieten. 

Vohn und Schmerz kennen sich seit Längerem, denn Vohn war einst Schüler an Schmerz' alter Schule. Der Radsportler hofft, mit seiner Tour Spendengeld zu sammeln, indem viele Medien berichten und Menschen angeregt werden, den Aachener Verein mit Spendengeld für Straßenkinder in Malabon zu unterstützen. Fast 7.000 Euro kamen bereits  im Vorfeld seiner Tour zusammen, informiert Schmerz im SZ-Gespräch.

Über seine Reise berichtet er in einem Blog im Internet. Dort sind auch die Kontodaten für eine Spende zu finden. "Der Link darf auch gern geteilt werden", betont Vohn.

"Unsere Unterstützung wird gebraucht"

Der Mann ist von vielen Menschen gefragt worden, warum er gerade jetzt das Projekt auf den Philippinen unterstützt, wo wir doch wegen Covid-19 selbst genug Probleme haben. "Die Antwort ist ziemlich einfach", sagt er. "Das Projekt des Vereins ist nachhaltig und erfolgreich. Seit mehr als 30 Jahren leistet er Hilfe zur Selbsthilfe." Covid-19 trifft auch Malabon. "Darüber hinaus ist das Gebiet südlich von Manila vom kürzlich erwachten Taal-Vulkan bedroht", erzählt der Radsportler. 

"Die Unterstützung in Zeiten, in denen wir uns selbst Sorgen machen um uns und unsere Familien, wird mehr geschätzt, aber auch mehr denn je benötigt." Der 53-Jährige versichert, dass das Spendengeld zu 100 Prozent an das Projekt geht. "Und eine Spendenquittung gibt es auch."

Görlitzer Radsportler fahren entgegen

Den Großteil der Strecke fährt Vohn allein. Von Radebeul bis kurz vor Bautzen möchte ihn ein Bekannter begleiten, wenn alles klappt. Außerdem ist geplant, dass Radler aus dem Görlitzer Radsportverein Norbert Vohn ein Stück entgegenfahren.

Den Streckenverlauf von Aachen nach Görlitz  kennt Vohn bereits. Er absolvierte den langen Kanten 2017 schon einmal. Und deswegen  hat er diesmal einige Optimierungen des Verlaufs vorgenommen. Der Großteil der Strecke verläuft aber genau wie vor drei Jahren.

Ausklang im Zittauer Gebirge

Wenn Norbert Vohn mit dem Rad in Görlitz ankommt, müsste seine Frau bereits mit dem Auto eingetroffen sein. Der Radsportler möchte die Anstrengung des langen Kantens in Görlitz mit einem alkoholfreien Bier vergessen machen und die Tour am Marienplatz beenden. Danach macht er mit seiner Frau in Jonsdorf ein paar Tage Urlaub, um das Zittauer Gebirge zu erkunden. Görlitz kennt er schon von seiner Tour 2017.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz