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Noch ist die Börse leer

Die Stadt Coswig bekennt sich zu ihrer Kultur und wird helfen, wenn es nötig ist.

Der Chef der Coswiger Kulturgesellschaft Thomas Kretschmer vor dem Saal der Börse. Die halb geöffnete Tür ist Teil des neuen Brandschutzsystems, das während der Schließzeit der letzten Monate eingebaut worden ist.
Der Chef der Coswiger Kulturgesellschaft Thomas Kretschmer vor dem Saal der Börse. Die halb geöffnete Tür ist Teil des neuen Brandschutzsystems, das während der Schließzeit der letzten Monate eingebaut worden ist. © Norbert Millauer

Herr Kretschmer, Sie sind Geschäftsführer der Kulturbetriebsgesellschaft Meißner Land. Was gehört alles dazu?

Die Börse, unser Veranstaltungshaus, das vor allem Unterhaltung bietet. Die Villa Teresa als Kammermusikzentrum sowie die Musik- und Theatertage und die Reihe "Musik an den Höfen des Meißnischen Landadels". Außerdem gehören noch die Stadtbibliothek und das Museum Karrasburg zur Gesellschaft, und für unser Stadtfest ist die Gesellschaft  ebenfalls verantwortlich.

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Schaut man auf Ihr Programm im Internet, dann fällt auf, dass Kleinkunst und Lesungen fehlen.

Die gibt es ebenfalls, in der Börse ebenso wie in der Villa Teresa. Auch kleinere Konzerte - denken Sie etwa an Dirk Zöllner - finden in beiden Häusern statt. 

Wenn die Börse über den Kulturraum Meißen/Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gefördert werden will, muss sie 40 Veranstaltungen im Jahr machen, die Hälfte davon Eigenveranstaltungen. Schaffen Sie das?

In diesem Jahr wird es schwierig, aber ansonsten führen wir in der Börse und der Villa Teresa 80 bis 90 Veranstaltungen im Jahr durch. In der Börse haben wir jährlich zwischen fünf und zehn Einmietungen, der Rest sind Eigenveranstaltungen. Wir gehen auf die Künstler zu und fragen, ob sie bei uns auftreten wollen und kümmern uns um alles - von der Technik bis hin zur Werbung. Das heißt, dass wir auch das wirtschaftliche Risiko dieser Veranstaltungen tragen. Etwas anderes ist es, wenn eine Agentur ein Konzert bei uns veranstalten will, dann macht diese alles und wir bekommen am Ende entweder eine Saalmiete oder einen Anteil an den Einnahmen. 

Sie vermieten auch Räume in Ihren Häusern. Wer kommt da?

Agenturen und Künstler, das ist der eine Part. Ein anderer sind Firmen, die Feiern oder Tagungen veranstalten wollen. Und der dritte Part ist das Privatkundengeschäft, das immer weiter zunimmt. Von deutschen Hochzeiten bis hin zu russischen und türkischen. Da kommen schon mal drei- bis vierhundert Leute. Wir sind auf solche Vermietungen auch angewiesen, wobei die Konkurrenz viel größer geworden ist.  

Worauf führen Sie das zurück?

Wir sind 1993 das erste sanierte Kulturhaus in der Region gewesen. Inzwischen haben aber die Angebote enorm zugenommen. Im Umkreis sind inzwischen alle Kulturhäuser längst saniert, es sind Hotels aus dem Boden gesprossen mit eigenen Veranstaltungsräumen - letztlich werden sogar manchmal in Autohäusern Veranstaltungen durchgeführt. Aber auch, was die Besucher von Kulturveranstaltungen betrifft, müssen sich viele den Kuchen teilen. Die Leute können in Dresden weggehen, wie sie wollen. 

Wie reagieren Sie darauf?

Wir müssen Angebote schaffen, die es nicht gleich um die Ecke gibt, vielleicht sogar nicht einmal in Dresden, sodass die Dresdner auch zu uns rauskommen. Und wir haben 2010 die Gesellschaft umstrukturiert. Die Börse, das Museum, die Stadtbibliothek und die Villa Teresa sind als kulturelle Einrichtungen der gemeinnützige Part der GmbH, der für die Kultur der Stadt zuständig ist. Die Gaststätte und die Kegelbahn gehören zum wirtschaftlichen Geschäftsbereich, der völlig ohne Zuschüsse auskommen und sich selber tragen muss. Es ist wichtig, dass wir die Gastronomie selbst betreiben, weil so alles - vom kulturellen Angebot bis hin zum gastronomischen - aus einer Hand kommt, sodass wir Rundum-Pakete anbieten können. 

Im September wollen Sie wieder in der Börse anfangen. Ist da nicht ein großes Loch in der Kasse?

Das kann man wohl sagen. Bis Ende Februar, Anfang März sah es nach einem guten Jahr aus. Dann kamen anderthalb Monate, die einfach nur zum Vergessen sind. Ich zolle meinen Mitarbeitern großen Respekt, dass sie mit in die Kurzarbeit gegangen sind. Auf der letzten Sitzung des Aufsichtsrates hat Oberbürgermeister Thomas Schubert gesagt, dass die Kulturbetriebsgesellschaft diejenige städtische ist, die am schwersten getroffen worden ist. Der Ticketverkauf ist eingebrochen, die Gaststätte war zu, ebenso wie die anderen von uns betriebenen Häuser. Der OB hat erklärt, dass es am Jahresende ein Minus geben wird und wir schauen müssen, wie wir es wieder ausgleichen. Dafür bin ich ihm dankbar. 

Man könnte doch das Kulturangebot auch etwas zurückschrauben. 

Das würde nicht dem Selbstverständnis der Stadt entsprechen. Coswig hat neben Nacke und Aronia eben auch Kultur zu bieten. Hier hat der Komponist und Pianist Eugen d'Albert gewirkt. Aus diesem Grund hat sich die Stadt auch entschieden, die Villa Teresa zu sanieren und als Kammermusikzentrum zu betreiben. Das hat sich inzwischen bewährt, es kommen viele Besucher aus der Region und aus Dresden, außerdem ist das Haus für Familienfeiern in der warmen Jahreszeit immer ausgebucht. Unser Ex-OB Frank Neupold hat einmal gesagt: Wir haben keine Porzellanmanufaktur und auch kein Barockschloss, aber wir haben unsere Kultur - das  ist unser Marketing für Coswig. Bis heute fördert die Stadt ihre Kultur mit mehr als 800.000 Euro im Jahr. 

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