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Tobias Bilz ist neuer Landesbischof von Sachsen

Der 55-Jährige bisherige Oberlandeskirchenrat aus Dresden tritt die Nachfolge des umstrittenen Carsten Rentzing an.

Der bisherige Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz aus Dresden ist zum neuen Bischof für Sachsen gewählt worden.
Der bisherige Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz aus Dresden ist zum neuen Bischof für Sachsen gewählt worden. © Ronald Bonß/dpa

Ich bin schon ein bisschen bewegt und verlegen, jetzt so vor ihnen zu stehen“, sagt Tobias Bilz kurz nach seiner Wahl. Da schaut er in die Runde der 79 Synodalen der evangelisch-lutherischen Landeskirche in der Dresdner Kreuzkirche und ist nach einem achtstündigen Wahlmarathon gerade gewählt. Der 55-Jährige dankt für das große Vertrauen. „Das ist auch ein Zeichen dafür, dass wir jetzt alle zusammenstehen müssen“, sagt Bilz sichtlich bewegt. „Aber Vertrauen muss auch wachsen“, sagte er auch in Richtung seiner unterlegenen Mitbewerber.

Zusammenhalt und Vertrauen – sie waren durch die monatelangen Querelen um Amtsvorgänger Carsten Rentzing weitgehend verloren gegangen. Der Ex-Bischof war wegen seiner Mitgliedschaft in einer schlagenden Studentenverbindung sowie mehrerer alter Veröffentlichungen mit teils nationalistischem Inhalt in die Kritik geraten. Daraufhin hatte Rentzing selbst seinen Rücktritt angeboten, und die Kirchenleitung hatte dies angenommen.

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Diese drei Kandidaten kämpften um das Amt des neuen Landesbischofs der evangelischen Landeskirche in Sachsen: Superintendent Andreas Beuchel (l-r) aus Meißen, die Plauener Superintendentin Ulrike Weyer und Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz aus Dresden.
Diese drei Kandidaten kämpften um das Amt des neuen Landesbischofs der evangelischen Landeskirche in Sachsen: Superintendent Andreas Beuchel (l-r) aus Meißen, die Plauener Superintendentin Ulrike Weyer und Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz aus Dresden. © Ronald Bonß/dpa

Rentzing war im Mai 2015 mit nur einer Stimme Mehrheit von der Landessynode ins Amt gewählt worden. Sein damaliger Gegenkandidat in den letzten beiden Wahlrunden war Tobias Bilz, der Rentzing mit einer Stimme unterlag. Die Affäre Rentzing hatte die evangelisch-lutherische Landeskirche in eine tiefe Krise gestürzt. Die Polarisierung zog sich bis in die Gemeinden hinein.

Ein schnelles, starkes Ergebnis

Die Spaltung in Progressive und Konservative, zwischen evangelikalen Bibeltreuen im eher ländlichen Raum und den Leipziger Milieu prägt seit Jahrzehnten die Landeskirche.

Die Affäre um Rentzing hatte den Konflikt noch verschärft. Die Suche nach einem versöhnlichen Neuanfang einte nun offensichtlich die Kirchen-Vertreter bei der Nachbesetzung des Spitzenpostens. Lager-Denken fehlte am Wahltag. Schon der dritte Wahlgang brachte die Entscheidung: Bilz erhielt 48 von 79 Stimmen der Synodalen und setzte sich damit gegen seine beiden Mitbewerber deutlich durch. Superintendentin Ulrike Weyer erhielt 16 Stimmen, Andreas Beuchel 15.

War in den ersten beiden Wahlgängen noch eine absolute Mehrheit notwendig, reichte nun mindestens die Hälfte der abgegebenen Stimmen – also 40. „Es ist ein schnelles und ein starkes Ergebnis“, lobte Synodalpräsident Otto Guse hörbar erleichtert den Wahlausgang. „Wir haben viel zu tun in den nächsten Jahren – von Strukturreformen bis zur Vorbereitung auf sinkende Einnahmen – jetzt müssen wir zusammenhalten“, sagte Guse,

Tobias Bilz wurde 1964 in Dornreichenbach bei Wurzen geboren. Nach seiner Zeit als „Bausoldat“ und einer Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker in einer Altenburger Werkzeugfabrik und seiner Zeit als „Bausoldat“ begann er 1983 sein Theologiestudium in Leipzig.

Versöhnliche Worte für Vorgänger

Elf Jahre lang war Bilz als sächsischer Landesjugendpfarrer tätig. Seit Anfang dieses Jahr arbeitet er im Landeskirchenamt in Dresden. Dort ist er unter anderem für Seelsorge, Gemeindeaufbau, Medien und die kirchlichen Werke verantwortlich.

Bilz ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder, ist sogar schon Großvater. „Wir gehen weiter und reden unterwegs“, das sei so ein bisschen sein Leitspruch für das neue Amt. In ein bestimmtes Lager will er sich nicht drängen lassen. „Wir wäre es, wenn wir dieses Raster einfach mal weglassen?“, lud er alle Christen zum Neuanfang ein. Auch für seinen Vorgänger hatte Bilz auf Nachfrage ein versöhnliches Wort. „Es mag schon sein, dass manche Leute Erwartungen an Carsten Rentzing hatten, die er nicht erfüllt hat“, sagte Bilz auf Nachfrage.

Dennoch habe er als Landesbischof viele Dinge gesagt und getan, die Menschen gestärkt hätten. Rentzing habe sich in seiner Bischofszeit nichts zuschulden kommen lassen. „Er bleibt Pfarrer unserer Landeskirche und wird hier weiter einen Platz haben.“ Laut Landeskirchenamt ist Rentzing weiterhin im so genannten Wartestand. Das heißt, es ist noch unklar, wo er künftig eingesetzt wird. 

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Derzeit arbeitet der ehemalige Landesbischof vertretungsweise im Kirchspiel Freital. Am Samstag wird er, wie am Rande der Synode bekannt wurde, in Ottendorf-Okrilla einen Vortrag zur Lage der Kirche halten. Dass dies vielleicht nicht ganz so glücklich sein könnte, darüber habe er noch nicht nachgedacht, sagte Bilz vorsichtig. Er wird am 25. April offiziell ins Bischofsamt eingeführt.

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