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Noch mehr Hausschwamm im Napoleonhaus

Der Befall mit Holzschädlingen ist schlimmer als befürchtet. Die Sanierung wird aufwendiger und wohl auch teurer.

Von Jan Iven

Das Wort Hausschwamm wird im Waldheimer Rathaus nicht so gern in den Mund genommen. „Wir möchten nicht, dass sich die Nachbarn des Napoleonhauses unnötig Sorgen machen“, sagte Bürgermeister Steffen Blech (CDU). Stattdessen wird lieber von Holzschädlingen gesprochen, was allerdings auch nicht sehr viel beruhigender klingt. Doch es hilft nun mal alles nichts: Der Befall mit Hausschwamm im Napoleonhaus ist sehr viel heftiger, als zunächst angenommen wurde. Tatsächlich steht es so schlimm, dass im Rahmen der statischen Sicherungsarbeiten entschieden wurde, die Holzdecken des Erdgeschosses und des Obergeschosses durch Stahlbetonkonstruktionen zu ersetzen. „Ursprünglich war vorgesehen, die alten Holzdecken zu sanieren“, sagte Christian Voigt, zuständiger Sachbearbeiter beim Hochbauamt der Stadtverwaltung. Doch daraus wird nun nichts mehr. Auch die beiden Schornsteine, die ursprünglich erhalten bleiben sollten, müssen nun entfernt werden, weil sie ebenfalls befallen sind. Der Erste wurde bereits abgebaut. Zum Thema Hausschwamm hatte die Stadtverwaltung bereits klar gemacht, dass der Schädling nur eingedämmt werden kann. Gänzlich entfernt werden könne er aus dem Napoleonhaus nicht. Der Bürgermeister versicherte allerdings, dass der Hausschwamm nicht auf angrenzende Gebäude übergreifen könne. Er soll sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt haben.

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Die Dachkonstruktion am Niedermarkt 8 soll so weit wie möglich gerettet werden. Aber: „Dort konnten wir noch gar nicht in alle Ecken vordringen, um uns einen Überblick zu verschaffen“, sagte Voigt. Dass manche Probleme erst im Laufe der Sanierung deutlich werden, sei nichts Ungewöhnliches: „Gerade weil es sich um ein Baudenkmal handelt, mussten wir bei den vorherigen Erkundungen die Substanz schonen.“ Und so wird das ganze Ausmaß des Hausschwammes erst deutlich, wenn der historische Putz runter ist.

Wie aufwendig die Sanierungsarbeiten nun werden, könne allerdings noch nicht gesagt werden. „Die Planungen, die vor einem halben Jahr gemacht wurden, sind inzwischen auf jeden Fall Makulatur“, sagte Bürgermeister Steffen Blech. Auch über Dauer und Kosten der Arbeiten könnten daher im Moment keine seriösen Aussagen gemacht werden. Manche Planänderungen hätten jedoch auch ihre Vorteile. „Durch die Stahlbetondecken sind die Auflagen beim Brandschutz nicht mehr so streng“, sagte Christian Voigt. „Trotzdem wird das kein Nullsummenspiel.“ Sprich: Es kommen wohl zusätzliche Kosten auf die Stadt als Eigentümerin des Napoleonhauses zu.

Prinzipiell sei es schwierig, die Sicherungsarbeiten am kompletten Gebäude durchzuplanen. „Die Arbeiten am Haus gehen etappenweise voran. In jedem Abschnitt muss zunächst die Statik untersucht und gesichert werden. Erst danach kann der nächste Bereich in Angriff genommen werden“, erklärte Sachbearbeiter Christian Voigt. „Auch wenn es von außen vielleicht so aussieht, als ob die Arbeiten nur schleppend voran gehen, so tut sich innen schrittweise doch so Einiges.“ Vorab könne allerdings nicht gesagt werden, wann an welchem Abschnitt gearbeitet wird. „Das ist nicht so einfach planbar, wie sich das manch einer vielleicht vorstellt“, sagte Bürgermeister Blech.

Trotz aller Schwierigkeit ist vorgesehen, das Napoleonhaus über den Winter frostfrei zu halten. Wenn alles gut läuft, könnten in den kommenden Monaten die neuen Stahlbetondecken eingezogen werden. Im Frühjahr wäre dann das Dach dran. Doch auf einen Zeitplan möchte man sich im Rathaus nach den Erfahrungen der letzten Monate eigentlich nicht mehr festlegen. Dass die Arbeiten im kommenden Jahr wie ursprünglich vorgesehen abgeschlossen werden können, gilt inzwischen als unwahrscheinlich. „Und wir reden hier nur von den statischen Sicherungsarbeiten“, sagte Voigt. „Danach muss später noch der Innenausbau folgen.“

Für die Arbeiten am Napoleonhaus sind bisher 1,2 Millionen Euro vorgesehen, die zu 85 Prozent von der Sächsischen Aufbaubank gefördert werden. Im Sommer hatte sich der Stadtrat zudem gegen einen mehrstöckigen Anbau ausgesprochen. Stattdessen wurden eine einfache Sanierung sowie der Bau eines kleinen Funktionsanbaus für Treppenhaus und Technik beschlossen.