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Radebeul

Nochmal schnell in den Baumarkt

In Radebeul und Meißen bildeten sich im Laufe des Samstags lange Schlangen. Was die Leute bei ihrem letzten Einkauf noch besorgten und was sie zu beachten hatten.

Schlangen bis zu 150 Metern bildeten sich im Laufe des Samstags vor den Eingängen der Baumärkte - hier vor dem Obi in Radebeul.
Schlangen bis zu 150 Metern bildeten sich im Laufe des Samstags vor den Eingängen der Baumärkte - hier vor dem Obi in Radebeul. © Norbert Millauer

Es ist so etwas wie die letzte Erlebnisoase – der Baumarkt. Ab Montag ist er geschlossen. Und viele Sachsen werden in den nächsten Tagen auch zu Hause arbeiten. Gartenarbeit, um mal nicht an Corona denken zu müssen. In Meißen und Radebeul gab es gehörigen Andrang.

Eine Strichliste am Eingang

Es ist kurz vor 9 Uhr am Radebeuler Obi-Markt. Der Parkplatz ist voll. Pkw und Kleintransporter kreiseln, um eine Lücke zu finden. Vor der automatisch öffnenden Tür hat sich eine Schlange gebildet, die teils bis zu 150 Meter lang wird. Die Menschen halten die zwei Meter Abstand ein. Hinter der Markttür führt ein Obi-Mitarbeiter eine Strichliste. "Etwa 100 Leute lassen wird rein, damit es vor allem an den Kassen nicht zu dicht wird", sagt er.

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Er setzt Striche auch für alle Kunden, die den Markt verlassen. Die Menschen sind geduldig – auch wenn Familien getrennt werden, weil jeweils nur einzeln eingelassen wird. Und es ist irgendwie gespenstig still, viele Blicke sind nach unten gerichtet. Ganz anders als sonst an einem Baumarkt-Samstag, der oft als Treff für die Radebeuler und Coswiger zum kleinen Schwatz dient. Erst recht jetzt im Frühjahr.

Aufgabe in der Kurzarbeitszeit

"Ich bin wahrscheinlich ab nächsten Donnerstag in Kurzarbeit", sagt ein Endvierziger in Handwerkerhosen. Mit seinem Neffen hat er Zaunsfelder auf den Einkaufswagen geladen. "Dann können wir was im Garten tun, dem Tag Sinn geben", sagt er und hievt die hölzernen Teile aufs Autodach.

Ältere Damen spazieren um die Blumentöpfe in der Pflanzenabteilung. 50 Prozent gibt es auf jedes Töpfchen. Es soll so viel wie möglich an diesem Samstag verkauft werden. Salbei, Petersilien und Thymian lädt eine Frau in den Wagen – "Kräuter, die ich beim Zuhausekochen in den nächsten Wochen gebrauchen kann", sagt sie.

Drinnen im Markt machen alle einen Bogen umeinander. Niemand benimmt sich daneben. Es ist großzügig Platz. Die Verkäufer an den Kassen haben schon seit Mitte der Woche rasch in Holzklötze eingespannte Plexiglasscheiben gebaut bekommen, als Schutz vor Tröpfcheninfektionen. Radebeul hat bisher vier gemeldete Infektionen. Es werden nicht die letzten sein. Wie es mit den Mitarbeitern bei Obi nächste Woche weitergeht, wissen sie auch noch nicht. Die Kunden begegnen sich nicht am Ein- und Ausgang – beide sind durch Bauzaungitter voneinander getrennt.

Es wird nicht gehamstert

Ähnlicher Andrang in Meißen. Der Parkplatz ist zum Mittag voll belegt. Trotzdem fährt ein Auto schon mit quietschenden Reifen aus der Ausfahrt. Zum vorerst letzten Öffnungstag der Toom-Filiale schlagen die Meißner noch mal zu. Auf ihrer Liste stehen vor allem Blumen für den Garten. Oder viele befüllen noch kurzerhand ihren Vorrat an Kohlen und Brennholz. Was auffällt – niemand kauft mehr als sonst.

Trotzdem überwältigt die schiere Masse an Menschen. Die sich vor allem in einer meterlangen Schlange an den Kassen zeigt. An diesem Tag haben nur zwei geöffnet. Eine Vorsichtsmaßnahme des Baumarkts, damit sich die Kunden nicht zu nah kommen. An den Kassen stehen Schilder „Bitte Abstand halten“. Doch die Menschen halten sich kaum daran. Die Gänge sind dicht gefüllt, man kommt nur schwer an der Schlange vorbei. Zwei Meter Abstand zu halten, das ist an diesem Tag im Toom-Markt nicht möglich.

Die Menschen im Baumarkt steuern durch die Regale. Jeder hat einen genauen Plan davon, was er alles braucht. Deshalb lassen sie sich beim Einkaufen nicht stören. Hektisch ziehen sie sich die Blumenerde-Beutel vom vollen Stapel auf den Wagen, überlegen, welche Wandfarben in ihrem Wohnzimmer noch passen würde, oder kaufen sich einfach zwei Packungen Glühbirnen. Denn in den nächsten Wochen gibt es die vielleicht nicht mehr. Eine ältere Dame holt sich noch schnell eine letzte Dose Lackfarbe. Für ihren Gartenzaun, wie sie meint. Glücklich, der während den Ausgangsbeschränkungen im Garten sein kann.

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Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.