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Nochtener Kinder sammeln Müll

Auch in anderen Ortsteilen der Gemeinde Boxberg waren Grundschüler in den Ferien fleißig. Dafür gibt es sogar Preise.

Ein bisschen Überwindung kostet es Nadine, Moritz und Monty (v.li.) schon, den Müll aufzusammeln.
Ein bisschen Überwindung kostet es Nadine, Moritz und Monty (v.li.) schon, den Müll aufzusammeln. © Foto: Constanze Knappe

Nochten. Ein bisschen eklig sei es schon, sagt Moritz. Der Zehnjährige sammelt mit seinen Geschwistern am Spreeradweg von Boxberg in Richtung Nochten Müll. Die Kinder haben vorsichtshalber Handschuhe an. Lange müssen sie nicht suchen. Auf dem Grünstreifen zwischen dem Radweg und der Fahrbahn, die von der B 156 zum Tagebau Nochten sowie in den Ort Nochten und zum Findlingspark führt, liegen jede Menge leere Kaffeebecher, Zigarettenschachteln, leere Getränkepacks, Tüten, Schachteln und Papier. Hinterlassenschaften, die Erwachsene einfach aus ihren Autofenstern geworfen haben. Einige Meter weiter liegt im Wald sogar ein halb voller gelber Sack mit benutzten Windeln. „Eklig“, findet nun auch Monty. Dennoch packen die Kinder beherzt zu. „Wenn man weiß, dass man der Natur etwas Gutes tut, ist es bloß noch halb so schlimm“, sagt Moritz. Und sein 8-jähriger Bruder fügt hinzu, dass man hinterher ja stolz auf sich seine könne, wenn es wieder ordentlich aussieht. Die Jungs haben noch ihre kleine Schwester Malea (4) und Nachbarstochter Nadine (10) im Schlepptau.

Nicht, dass sie in den Sommerferien Langeweile gehabt hätten. Moritz erzählt vom Urlaub an der Ostsee, vom Ausflug in einen Kletterpark. Dass die Kinder einen ihrer letzten Ferientage für eine Müllaktion nutzen, hat einen besonderen Grund: Seit zwei Jahren wird in der Grundschule Boxberg ein durchaus ausgefallener Preis verliehen. Die Klasse, die in ihrem Zimmer am besten Ordnung hält, bekommt den „Goldenen Mülleimer“ (Tageblatt berichtete). Die Idee dazu hatte Schulsozialarbeiterin Ricarda Valentin. Weil die Kinder richtig gut mitziehen, lag es nahe, daraus eine dorfübergreifende Aktion zu machen und dabei alle 18 Ortsteile der Gemeinde Boxberg einzubeziehen. Vor den großen Ferien wurde ein Wettbewerb gestartet. Die Grundschüler wurden aufgefordert, zusammen mit Nachbarskindern in den Dörfern für Sauberkeit zu sorgen. Der Bauhof der Gemeinde alleine könne das gar nicht überall bewältigen. „Die Idee dahinter ist, dass Schüler aufmerksamer ihrer Umwelt gegenüber werden und auch etwas aufheben oder aufräumen, was nicht unbedingt von ihnen verursacht wurde – des Allgemeinwohls wegen“, sagt Ricarda Valentin.

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Dabei würden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. An den Ferientagen, an denen die Kinder nichts Besonderes vorhätten, würden sie sich so statt vor Fernseher oder Computer draußen aufhalten und gemeinsam mit Anderen etwas unternehmen, wovon viele einen Nutzen haben. Dazu sollten sie sich eine Stelle in der jeweiligen Ortschaft suchen, die ihrer Meinung nach eine Reinigungsaktion benötigt wie beispielsweise durch das Sammeln von Müll oder das Entfernen von Schmierereien. „Die Kinder entdecken manchmal mehr, als uns Erwachsenen auffällt“, so die Schulsozialarbeiterin. Sie sieht noch einen weiteren Aspekt: die Identifikation der Kinder mit der eigenen Heimat.

Der Einsatz der Mädels und Jungs wird belohnt. Er soll für den Wettbewerb in Vorher-Nachher-Bildern festgehalten werden. Die größten Veränderungen werden prämiert. „Die Schüler aus dem jeweiligen Gewinnerort erhalten jeweils einen gesponserten Baum für unseren Schulhof und einen weiteren Baum für ihr Dorf. Mitmachen lohnt sich also. Am Ende gibt es Gewinner auf allen Seiten“, erklärt Ricarda Valentin. So könne die Motivation der Kinder zusätzlich gefördert werden.

Den Müll anderer Menschen wegzuräumen, ist keine Selbstverständlichkeit. Während Moritz, Monty und Nadine von der Aktion erzählen, spürt man, dass sie trotz allem mit Eifer dabei sind. Gar zu gerne würden sie einen Baum für ihr Dorf gewinnen. Sie können sich schon vorstellen, wie es wäre, wenn auf einem kleinen Schildchen daran ihr Name stünde. In Nochten ist alles sauber. Das haben die Kinder bei ihrer Vorab-Erkundung festgestellt. Weder im Findlingspark noch im Dorf liegt Müll herum, auch die Bushaltestelle ist sauber. Aber, so erklärt ihre Mutti, Michaela Gärtner, die Kinder fahren mit dem Rad in Schule und Kindergarten, und dabei hätten sie gesehen, wie viel Müll entlang des Radwegs immer wieder aufs Neue weggeworfen wird.

Monty findet die Aktion „cool“. Es würde nicht nur schlimm aussehen, wenn alles zugemüllt ist, sagt er. „Man kann wegen dem Müll mit dem Fahrrad oder Inlinern hinfallen und sich verletzen. Tiere können krank werden und sterben, wenn sie von dem Müll fressen. Und durch eine weggeworfene Zigarette kann ein Brand entstehen.“ Der Grundschüler zählt gleich mehrere Gründe auf, warum er die Aktion wichtig findet. Dann fügt er noch hinzu: „Die Leute sollen sehen, dass es auch anders geht.“ Ob sich die gerade zu der Zeit vorbeifahrenden Erwachsenen solche Gedanken über den Einsatz machen, bleibt offen. Michaela Gärtner indes hat den Tatendrang ihrer Kinder unterstützt. „Ich finde gut, dass sie auf diese Weise sensibilisiert werden, dass sie merken, wie viel Arbeit das ist und damit sie später nicht selbst den Müll aus dem Autofenster werfen.“

Es dauert gar nicht lange und der erste Müllsack ist gut gefüllt. Am Ende sind es ein großer und zwei kleine Müllsäcke. Die Gemeinde Boxberg sorgt dafür, dass die Säcke aus den Ortsteilen freitags von den Bushaltestellen abgeholt werden. „Es hat Spaß gemacht“, sagt Moritz hinterher.

Jetzt freuen sich die Kinder auf den Schulanfang am heutigen  Montag. Moritz, weil er in der 4. Klasse der Grundschule Boxberg endlich alle seine Freunde wiedersieht, und Nadine, weil sie als Fünftklässlerin dann in der Freien Oberschule Boxberg lernt.

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