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Nonna Rosa kocht wieder

Das italienische Restaurant im Oberen Gasthof Weinböhla setzt darauf, dass sich die Gäste Zeit zum Genießen nehmen.

Gianni Di Matteo, der Serviceleiter der "Nonna Rosa", wie der einstige Obere Gasthof in Weinböhla jetzt heißt, setzt auf gediegene Speisen und gediegene Ruhe.
Gianni Di Matteo, der Serviceleiter der "Nonna Rosa", wie der einstige Obere Gasthof in Weinböhla jetzt heißt, setzt auf gediegene Speisen und gediegene Ruhe. © Arvid Müller

Weinböhla. Gianni Di Matteo kommt mit einer kleinen schwarzen Tafel an den Tisch. Darauf stehen mit Kreide geschrieben vier Gerichte. "Das ist das Erste, was ich mache, ich begrüße die Gäste und erkläre ihnen, was hier steht." So komme er mit ihnen ins Gespräch.

 In Dresden, wo sein Cousin Alessio Mallo zwei Restaurants betreibt, sei am Ende dafür keine Zeit mehr gewesen. Das sei einer der Gründe, warum er die Großstadt verlassen habe und aufs Land gegangen sei. "In Dresden herrscht Hektik, da wollen die Leute in fünf Minuten eine gute Pizza. Hier habe ich endlich wieder Zeit, Fisch am Tisch zu filettieren  und Fleisch zu tranchieren - das habe ich in Dresden fast verlernt." 

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Doch Qualität hat ihre Zeit, nicht nur beim Kochen, sondern schon in der Vorbereitung. So ruht der Teig für die Pizzas, die in der "Nonna Rosa", wie der einstige Obere Gasthof an der Ecke Nizzastraße/Barthshügel-Straße jetzt heißt, immerhin 72 Stunden, bevor er belegt wird und in den Ofen kommt. Und außerdem: "Ananas und Thunfisch aus der Büchse kommt bei uns nicht auf den Teig."   

Um den Geschmack der Heimat - die Mitglieder im Familienunternehmen kommen aus Ragusa, einer Stadt im Südwesten von Sizilien - auch in Weinböhla auf den Tisch zu bringen, sind nicht nur der Wein, sondern auch das Mehl und andere Zutaten aus dem Süden importiert worden.

 Doch wegen Corona ist damit erst einmal Schluss. Die Belieferung klappt derzeit noch nicht wieder und "alles, was wir aus Sizilien hergeholt hatten, ist alle, es gibt keine Reserven mehr". Deshalb wird vorerst für die Küche bei italienischen Händlern in der Region eingekauft.

Die Terrasse des Restaurants ist mit Wein bepflanzt worden. Einige der Stöcke sind gespendet worden und die Nonno Rosa nun Teil der Weinlehrschau Weinböhla.
Die Terrasse des Restaurants ist mit Wein bepflanzt worden. Einige der Stöcke sind gespendet worden und die Nonno Rosa nun Teil der Weinlehrschau Weinböhla. © Udo Lemke

Doch damit nicht genug, weil die "Nonna Rosa" wie alle anderen Gaststätten wegen der Virus-Epidemie schließen musste, mussten auch der Chefkoch, der zweite Pizzabäcker und ein Kellner zurück in die Heimat gehen. Ob sie wiederkommen, weiß Gianni Di Matteo noch nicht. Einstweilen helfen Mitarbeiter, die aus der Region kommen.

Nach der Eröffnung nach Weihnachten, dem folgenden Nichtkneipenmonat Januar kam dann schon in der zweiten Märzwoche die Corona-Schließung. Das war anders geplant.

 Die  Finanzierung, die einen Zeitraum von fünf Jahren vorsah, wird um zwei bis drei Jahre gestreckt werden müssen, so Gianni Di Matteo. "Zumal wir kurz vor Corona noch eine neue Bieranlage für 20.000 Euro gekauft hatten."

Neben der nach wie vor verbreiteten Corona-Scheu erleichtern auch die auferlegten Hygiene-Vorschriften das Geschäft nicht. So kann Gianni Di Matteo statt der 80 Plätze im Gastraum nur 35, maximal 38 besetzen. 

Auf der Terrasse sind es bis zu 30 der 50 vorhandenen Plätze. "Aber wir halten durch, wir sind eine Familie. Außerdem habe ich großes Vertrauen in die Leute. Viele kennen den Gasthof noch von früher und sind dankbar, dass es weitergeht, dass er erhalten bleibt." 

Nicht nur zwei Mitarbeiter kommen aus der Region, sondern auch die Gäste des Restaurants, dessen Einrichtung eine Mischung aus sächsischem und italienischem Landgasthof ist. 

Natürlich steht an erster Stelle Weinböhla, aber auch aus Coswig und Radebeul kommen sie, aus Niederau und Moritzburg. Ihnen verspricht Gianni Di Matteo Gerichte aus Omas Zeiten, die heute nicht einmal mehr die Italiener kennen. Darauf spielt auch der Name des Restaurants an. Die Nonna Rosa ist nach der Großmutter des Firmeninhabers Alessio Mallo benannt. 

Nicht nur Zeit zum Genießen sollen sich die Gäste nehmen, so Gianni Di Matteo. Für ihn ist noch etwas anderes wichtig. „Hier haben wir die Möglichkeit, an jedem Tisch mit den Gästen zu reden, Spaß mit ihnen zu haben. Für mich gehört das einfach zur Gastronomie dazu.“

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