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Nordböhmischer Pate muss hinter Gitter

Den früheren Senator Alexandr Novak holte eine Bestechungsaffäre ein.

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Von Steffen Neumann

Usti n.L. Polizei und Staatsanwaltschaft in Tschechien konnten in den letzten Monaten einige Erfolge bei der Korruptionsbekämpfung verbuchen. Doch die Zahl rechtskräftiger Urteile ist immer noch gering. Eines betrifft den früheren Bürgermeister von Chomutov (Komotau) Alexandr Novak. Im Juli wurde er zu vier Jahren Haft wegen Annahme von Bestechungsgeldern verurteilt. Nachdem das Bezirksgericht nun die schriftliche Begründung geschickt hat, ist das Urteil rechtskräftig und Novak muss innerhalb von drei Wochen seine Strafe antreten. Novaks Fall reicht in das Jahr 1999 zurück, als er als Bürgermeister beim Verkauf zweier Energieunternehmen in Chomutov an die Verbundnetz Gas satte 42 Millionen Kronen Bestechungsgeld dafür kassierte, dass gerade das Leipziger Unternehmen zum Zuge kam. Das entsprach nach damaligem Kurs 1,14 Millionen Euro.

Zum Verhängnis wurde dem 56-jährigen nun, dass er gegen ein erstes Urteil in Berufung ging. Damals hatte ihn das Gericht in Chomutov nur zu zwei Jahren auf Bewährung und Zahlung von 5 Millionen Kronen verurteilt. Offenbar verließ sich Novak auf seinen Einfluss, das Urteil noch zu seinen Gunsten revidieren zu können. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Novak ist in der Politik eine schillernde Figur, bis 2006 saß er auch als Senator für die ODS im Prager Parlament. Seitdem hält er sich im Hintergrund, sein Einfluss ist aber seitdem eher noch gestiegen. Angeblich fällt in Nordböhmen keine Entscheidung ohne ihn. Graue Eminenz oder Pate sind nur zwei der vielen Namen, die er in den Medien bekommen hat. Mit Novak verbinden sich zahllose weitere Fälle. Die Polizei ermittelte gegen ihn wegen Steuerhinterziehung, jedoch erfolglos.

Novak wird auch immer wieder mit Windrädern und Solaranlagen im Erzgebirge in Verbindung gebracht, deren Bau bis heute in Tschechien großzügig gefördert wird. So gehört ihm die Firma Talwin, die ohne rechtmäßige Baugenehmigung in Moldava (Moldau) an der Grenze zu Sachsen ein riesiges Solarkraftwerk errichtet hat.