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Normalität 48 Stunden nach dem Unglück

Bei Wasserski, Wakeboarden und im Aquapark am Halbendorfer See haben Besucher Spaß. Die Ursache für den tragischen Unfall am Mittwoch ist unklar.

Ein Wasserskifahrer startet an der Wakeboardanlage.
Ein Wasserskifahrer startet an der Wakeboardanlage. © Rolf Ullmann

Betroffen machte eine Polizeimeldung am Donnerstag: „Tödlicher Sportunfall am Halbendorfer See“ – Demnach hat ein 48-jähriger Mann eine Wassersportanlage genutzt, ist dabei offenbar zu Fall gekommen und verlor das Bewusstsein. An Land seien Reanimationsversuche zunächst durch Passanten und anschließend durch den Rettungsdienst erfolgt. Diese blieben jedoch erfolglos. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf.

Was ist jetzt, zwei Tage nach dem tragischen Geschehen, los am Halbendorfer See? Gesperrte Anlagen? Geschockte, vielleicht sogar abreisende Urlauber? TAGEBLATT war vor Ort – und erlebte eine ganz andere Stimmung:

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Es sind Sommerferien und die Sonne brennt vom Lausitzer Himmel herab. Ideales Wetter für Spiel, Spaß und Sport am Halbendorfer See. Hier, im Freizeitparadies mit einer Zwei-Mast-Wasserski-Seilliftanlage für Anfänger sowie einer Fünf-Mast-Anlage für Fortgeschrittene und Profis, herrscht Hochbetrieb. Während die einen im Schnupperkurs unter professioneller Anleitung die Grundtechniken des Wasserskifahrens oder Wakeboardens erlernen, drehen die Erfahrenen ihre Runden über die Strecke mit vielen Hindernissen; sie springen und tricksen. Der Zeltplatz ist belegt. Im Restaurant und in der Strandbar hat das Personal ebenso viel zu tun wie in der Verleihstation und dem Shop. Mittendrin überall spielende, kletternde und tobende Kinder, die den Ausflugstag oder Urlaub sichtlich genießen.

Keine Auskunft vom Betreiber

Seit Corona entdecken die Deutschen wieder ihr eigenes Land, machen Urlaub vor der Haustür. Und so ist auch das Wake and Beach voll belegt, das wegen des Virus’ in diesem Jahr mit Voranmeldungen und anderen Gesundheitsauflagen arbeiten muss. Dass es im Freizeitparadies am Halbendorfer See vor 48 Stunden zu einem tödlichen Unfall, gekommen ist, merkt man nirgends. Die großen und kleinen Gäste sind entspannt. Hier und da unterhalten sich Gäste an den Tischen über den Unfall und spekulieren, woran der 48-jährige Mann wohl gestorben ist. „Aber wenn es an der Anlage liegen würde, wäre sie doch zu“, sagt eine junge Frau mit Leipziger Dialekt zu ihrem Mann, während die Tochter, die gerade noch im Aqua-Park tobte, ihre Schwimmweste auszieht, sich abtrocknet und die Weste zurück zur Ausleihe bringt.

Alles ist wie immer, läuft im Normalbetrieb. Keine Schließung der Anlage, keine Absperrungen. Nur Inhaber André Böhme, der 2014 die Anlage eröffnete und seither stetig in Erweiterungen, Anschaffungen und Übernachtungsmöglichkeiten investierte, reagiert auf Nachfragen zum tödlichen Unfall gereizt. „Ich gebe keine Auskünfte“, sagt der sonst ruhige und besonnene Familienvater zu TAGEBLATT und schiebt beim Gehen hinterher: „An der Anlage lag’s nicht.“ Noch laufen die Untersuchungen zum Unfallhergang, steht nicht fest, woran der Mann gestorben ist.

Gab es einen anderen Unfallhergang?

Am Strand macht indes die Mutmaßung die Runde, der Verstorbene sei schwimmen gewesen, habe sich unterhalten, bevor das Unfassbare passierte und selbst Reanimationsversuche von Badegästen und den sofort alarmierten und schnell eingetroffenen Rettungskräften vergeblich blieben.

Dass ein technischer Defekt der Anlage möglicherweise die Ursache für den Unfall war, scheint eher unwahrscheinlich. Auch weil die Halbendorfer Anlage, wie alle 90 Wasserski-Seilbahnanlagen in Deutschland, zertifiziert sein und regelmäßig vom TÜV überprüft werden muss. Die Sicherheitsstandards und Auflagen für den Betrieb solcher Anlagen sind deutschlandweit sehr hoch. Neben ihrem technisch einwandfreien Zustand werden die Einhaltung der Betriebsauflagen und bestehende Sicherheitseinrichtungen umfassend vom TÜV untersucht.

Mögliche festgestellte Mängel müssen behoben werden, bevor eine Freigabe für den Betrieb erfolgt. Um einen störungsfreien Betrieb zu garantieren, werden die Anlagen zudem regelmäßig von qualifizierten und erfahrenen Technikern gewartet – für einen störungsfreien Betrieb und ein unbeschwertes Fahrvergnügen.

Mitfahren auf eigene Gefahr

Und: In Halbendorf als auch anderswo gilt, dass die Benutzung von Wasserski-Seilbahnen auf eigene Gefahr und eigenes Risiko erfolgt. Darüber informieren nicht nur große und überall gut sichtbar aufgestellte Hinweis- und Warnschilder im Halbendorfer Freizeitparadies, sondern auch Aushänge mit Sicherheitshinweisen und -regeln sowie Auszüge aus den Nutzungsbedingungen, die auch im Internet veröffentlicht sind. Hinzu kommt, dass den Anweisungen des Anlagenpersonals absolut Folge zu leisten ist, prinzipiell Einweisungen bei Anfängern erfolgen und das Leihmaterial regelmäßig überprüft wird. Auch deshalb werben Deutschlands Anlagenbetreiber damit, dass Wasserski und Wakeboarden zu den Sportarten mit einem sehr geringen Verletzungs- und Unfallrisiko gehören, weil gerade bei Sportarten und Freizeitaktivitäten auf und im Wasser die Sicherheit eine überaus große Rolle spiele. 

All dies macht es nachvollziehbar, dass in Halbendorf weder Panik noch Angst herrschen und die Saison bei Wake and Beach normal weiter läuft.

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