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Nossen auf der Couch

Der MDR ließ Wähler in Nossen kurz vor der Landtagswahl ihre Meinung sagen. Das trauten sich vor allem die Frauen.

Die junge Mutter Stefanie Striegler (rechts) ließ sich am Dienstagvormittag mit als erste überzeugen, vor der MDR-Kamera auf dem Nossener Markt ihre Meinung zu sagen. Die Fragen stellte die MDR-Journalistin Patricia Klieme.
Die junge Mutter Stefanie Striegler (rechts) ließ sich am Dienstagvormittag mit als erste überzeugen, vor der MDR-Kamera auf dem Nossener Markt ihre Meinung zu sagen. Die Fragen stellte die MDR-Journalistin Patricia Klieme. ©  Claudia Hübschmann

Nossen. Drei Fragen, drei Antworten. So kurz und einfach ist das Konzept, mit dem der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) derzeit in Sachsen unterwegs ist, um vor der Landtagswahl am 1. September mit Wählern ins Gespräch zu kommen. Vor der Kamera und ins Mikro sollen sie sagen dürfen, was das größte Problem in ihrer Region ist, was Politiker tun sollten, um es anzupacken, und was sie selbst dagegen tun wollen oder schon getan haben. Und das direkt bei ihnen vor Ort. Nur: Das muss sich erst einmal einer trauen.

Der meistgehörte Satz am Dienstagvormittag auf dem Nossener Markt war nämlich: „Nee, danke.“ Dort hatte MDR Aktuell direkt neben einem Stand mit Handtaschen und einem Verkaufsauto mit Fleisch- und Wurstwaren eine Art Ministudio aufgebaut: Unter einem blauen Faltpavillon stand ein weißes Sofa mit Lehne in Form eines riesigen MDR-Mikrofons. Dort befragte die Journalistin Patricia Klieme Passanten, die zuvor von ihr und ihrem Team auf dem Markt angesprochen wurden. Keine leichte Aufgabe, denn viele schauten zwar neugierig zu, selbst Platz nehmen wollten aber die wenigsten.

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Stefanie Striegler war eine von den Ersten, die sich schließlich überzeugen ließen. Die zweifache Mutter aus Ketzerbachtal berichtete von den Schwierigkeiten des Schülerverkehrs. In ihrer Nähe gebe es keine Bushaltestelle und sie wolle ihre Kinder ungern auf einen ungesicherten Schulweg schicken, sagte sie.

An einem kleinen Stehtisch erhielten die befragten Bürgerinnen und Bürger als Dank für ihre Teilnahme kleine Geschenke wie diese Postkarten mit Meinungen. Das Statement stammt von Chris Woolgrove, einem Englischtrainer aus Sangerhausen.
An einem kleinen Stehtisch erhielten die befragten Bürgerinnen und Bürger als Dank für ihre Teilnahme kleine Geschenke wie diese Postkarten mit Meinungen. Das Statement stammt von Chris Woolgrove, einem Englischtrainer aus Sangerhausen. ©  Claudia Hübschmann

Nur wenige Minuten dauerten die einzelnen Gespräche jeweils, die mit drei Smartphones auf Stativen aus verschiedenen Perspektiven aufgezeichnet wurden. Trotz dieser eher niedrigschwelligen Technik war die nächste Frau, die sich auf das Sofa traute, nervös. „Ich muss erst mal überlegen, was ich sage“, gestand sie ihrer Interviewerin. Die versicherte: „Sie dürfen alles sagen, wirklich.“

Nossen war die dritte Station für die Gesprächs-Tour von MDR Aktuell, zuvor machte das Team bereits in Torgau (23. Juli) und Zittau (31. Juli) Station. Wer die Fernseh-Beiträge dazu verpasst hat, kann sich die einzelnen Videos auch online ansehen. In Zittau sagte die ehemalige Horterzieherin Ingrid Podliply beispielsweise: „Die jungen Leute fehlen uns.“ Sie seien, wie ihre eigenen Kinder, der Arbeit nachgezogen. Die Politiker sollten das Lohngefälle zwischen West und Ost angleichen, schlug die Seniorin vor. Denn: „Wenn Sie abends hier über den Platz gehen – keine Leute.“

Tommy Krinke dagegen störte, dass viele Radfahrer auf den Gehwegen fahren, wo er mit dem Kinderwagen unterwegs sei. „Der Ausbau an den Radwegen muss vorangehen, vor allem auf den Hauptstraßen in Zittau.“ Er würde sogar mit anpacken, wenn Arbeitskräfte gebraucht würden.

In Nossen machte sich das MDR-Team nach mehreren Frauen, die schon zu Wort gekommen waren, gezielt auf die Suche nach Männern. Die lehnten jedoch dankend ab oder hatten es plötzlich eilig. So kamen doch wieder vor allem Wählerinnen zu Wort. Diese schilderten unter anderem ihre Probleme, zum Facharzt zu kommen und klagten über die ärztliche Versorgung auf dem Land allgemein.

Die sei „ganz schlecht“, sagte eine 68-Jährige auf Nachfrage. Während sie interviewt wurde, kam ihre Freundin neben dem Stand mit dem Kameramann ins Gespräch und erzählte, wie wenige Angebote für die Jugend es in Nossen gebe. „Nichts außer dem Fitnessstudio.“ Das sagte sie nun noch einmal vor der Kamera, denn auch sie willigte ein, auf dem Sofa Platz zu nehmen.

Bis kurz vor elf Uhr haben – bis auf einen Busfahrer – nur Frauen die Fragen des Drehteams beantwortet. Sie konnten sich später am Abend, ab 21.45 Uhr, selbst im MDR-Fernsehen sehen. „Was die Bürgerinnen und Bürger in den jeweiligen Städten besonders bewegt, dem werden Reporterinnen und Reporter im Anschluss auf den Grund gehen“, verspricht der Sender. Die Probleme würden hinterfragt und Verantwortliche daraufhin angesprochen.

Die nächsten Sofa-Gespräche von MDR Aktuell finden am 13. August in Annaberg-Buchholz (genauer Ort noch offen), am 21. August in Plauen und am 29. August in Kamenz jeweils auf dem Wochenmarkt und immer in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags statt.

Die einzelnen Interviews und Ergebnisse der Recherchen finden Sie auf mdr.de/mittendrin

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