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Nossens neuer Müllberg

Eine Müllhalde nahe der Stadt wird saniert, weil sie sich an der Freiberger Mulde an einem sensiblen Standort befindet.

Von Uta Büttner
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Mülldeponie in Nossen, unweit der Mulde, ist zugewuchert und soll jetzt rekultiviert werden.
Mülldeponie in Nossen, unweit der Mulde, ist zugewuchert und soll jetzt rekultiviert werden. © Claudia Hübschmann

Nossen. Die alte Deponie im Auenbereich der Freiberger Mulde an der Eichholzgasse in Nossen, nahe des Stadtzentrums, wird rekultiviert. Vorwiegend Hausmüll, Bauschutt, Bodenaushub, Grünschnitt und Fäkalschlamm wurden dort von 1963 bis 1992 abgeladen. 

Seit 2005 ist der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) Inhaber der Altdeponie. 2017 wurden nun von der Landesdirektion Sachsen Fördermittel in Höhe von rund 425.000 Euro für die Sicherung und Rekultivierung bewilligt. Das sind 90 Prozent der Gesamtkosten.

Die hohe Fördersumme, üblich seien laut ZAOE-Mitarbeiter Holger Augustin 75 Prozent, ist auf die besondere Lage der Altdeponie zurückzuführen. Wer die Altdeponie nicht kennt, ahnt von dem Abfall auf einer Fläche von reichlich 23.000 Quadratmetern in der Nähe des Parkplatzes Bergwanderweg – unweit vom Sportplatz – nichts. 

Große Müllberge sucht man vergebens. Es handelt sich um eine etwa drei Fußballfelder große ebene Fläche. Lediglich ein paar Berge aus Schutt, offenbar einem Gemisch aus Steinen und Erde, wurden an dieser Stelle abgekippt. Woher diese stammen, weiß Augustin nicht. Denn eigentlich befindet sich der gesamte Deponiemüll unter der Erde. ...(Eine Anfrage der SZ bei der Stadt wurde bisher noch nicht beantwortet.)

Geringe Gefahren

Der insgesamt etwa 50.000 Kubikmeter umfassende Unrat wurde in Mulden gekippt, mit Erde überdeckt und planiert. Die Natur hat sich inzwischen die Fläche längst zurückerobert. Wildwuchs und auch Bäume verraten nichts von Plastik, Glas, Dosen und anderem Abfall. Was sich im Einzelnen bis in etwa zwei Meter Tiefe befindet, weiß keiner ganz genau. 

Untersuchungen haben aber ergeben, dass sich keine gefährlichen, gesundheitsschädigenden Stoffe unter der Erde befinden. So erfolgte bereits 2003 eine sogenannte Gefährdungsabsicherung. Die Altdeponie Eichholzgasse hat demnach laut Holger Augustin das Gefahrenpotenzial KI, was „gering“ bedeutet. Weitere Gefahrenpotenziale sind „mittel“ und „hoch“. Derartige Deponien wurden eher saniert.

Trotzdem muss die Altdeponie in Nossen rekultiviert werden, weil „sie sich an der Freiberger Mulde befindet und es sich wegen der Hochwassergefahr um einen sensiblen Standort handelt“, erklärt Augustin die Maßnahme.

©  SZ-Grafik: Romy Thiel

Immer wieder wurde die Deponiefläche teilweise überspült, wodurch Schadstoffe ausgespült werden könnten. Deshalb soll nun der Müll in der Nähe des Flusses ausgebaggert und umgelagert werden, sodass ein zehn Meter breiter Schutzstreifen entsteht.

Dabei wird ein vier bis fünf Meter hoher Hügel mit einen umliegenden Schotterkeil auf einer Fläche von etwa 16.000 Quadratmetern – weit genug vom Überschwemmungsgebiet – aufgeschüttet. „Auf diesen kleinen Müllberg wird eine etwa ein Meter dicke Erdschicht aufgebracht, um anschließend den Hügel zu begrünen. Der Parkplatz Bergwanderweg bleibt erhalten“, sagt Augustin, „das war auch eine Auflage.“

Noch in diesem Jahr werden die Arbeiten beginnen. Der bisherige Pflanzenwuchs muss zunächst entfernt werden. „Auch Bäume müssen gefällt werden“, sagt Augustin. Das soll bis Ende Februar passieren.

Von Mai bis Oktober nächsten Jahres werden dann die Müllschichten umgelagert, zu einem Hügel. Anschließend werden wieder neue Bäume in Straßennähe gepflanzt. der Pflanzplan sieht auch Hecken und Landschaftsrasen vor, die gleichzeitig dafür sorgen, dass bei Regen Teile des Hügels nicht weggeschwemmt werden können.

Wasser wird geprüft

Der kleine grüne Hügel, muss dann mindestens 30 Jahre lang vom ZAOE gepflegt werden. Etwa einmal im Jahr werde Gras gemäht und Sträucher und Bäume verschnitten. Zudem „wird regelmäßig die Qualität des Grundwassers geprüft“, sagt Augustin. Erst danach fällt die Inhaberschaft wieder dem Grundstückseigentümer – in diesem Fall der Stadt Nossen – zu.