merken
PLUS

Dresden

Not auf der Intensivstation

Die städtischen Kliniken haben Geldprobleme. Dresdens Sozialbürgermeisterin sagt, woran das liegt und was sich ändern muss.

Auf der Intensivstation des Neustädter Krankenhauses konnten dieses Jahr nicht so viele Patienten behandelt werden, wie erhofft.
Auf der Intensivstation des Neustädter Krankenhauses konnten dieses Jahr nicht so viele Patienten behandelt werden, wie erhofft. © Sven Ellger

Die Nachricht kam überraschend: Das Städtische Klinikum wird dieses Jahr einen unerwartet hohen Verlust machen. Ein Grund: In Neustadt gab es nicht genügend Pflegekräfte auf der Intensivstation. Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) erklärt, was jetzt passieren soll.

Frau Kaufmann, wie geht es dem Städtischen Klinikum?

Zuverlässigkeit und Erfahrung

Kettensäge kaputt oder Profi-Gerät für´s Wochenende gesucht? Bei HOLDER kein Problem: Onlineshop, Werkstatt und Leihservice sorgen für funktionierendes und passendes Gerät.

Aus medizinischer Sicht geht es dem Klinikum spitze. Finanziell haben wir einige Baustellen.

Wie sieht es bei den Pflegekräften aus. Gibt es inzwischen ausreichend viele?

Wir haben dieses Jahr über 100 neue Pflege-Kollegen gewinnen können. Das lief unproblematischer ab als gedacht. Wir haben das schneller geschafft als in der Vergangenheit, was das Bewerbungsverfahren betrifft. Das bedeutet aber nicht, dass wir auch viele Fachkräfte für die Intensivpflege, für die es einer Sonderausbildung bedarf, gewinnen konnten.

Das führte dieses Jahr zu Problemen auf den Intensivstationen?

Auf der Intensivstation in Neustadt gab es vorübergehend eine Mangelsituation. Wenn man Patienten aufnehmen möchte, die einen intensiven Pflegebedarf haben, muss man einen Mindestpersonalschlüssel mit der entsprechenden fachlichen Qualifikation nachweisen. Sonst wird der Patient vom Rettungsdienst zu einem anderen Krankenhaus gebracht.

Wie viele Patienten konnten deshalb nicht aufgenommen werden?

Das waren etwa 100 Patienten. Das machte etwa ein Viertel der Leistungen aus, die wir geplant, somit aber nicht erbracht haben. Hier gilt es perspektivisch, die Weiterbildung für Intensivpflege und Anästhesie innerhalb des Klinikums zu stärken.

Geplant war 2019 ein Verlust von 4,9 Millionen Euro. Tatsächlich werden es fast neun Millionen Euro sein. Warum ist das so?

Die Einnahmen liegen unter den Erwartungen des Wirtschaftsplans, hauptsächlich weil wir nicht so viele Patienten behandelt haben, wie es geplant war. Zum einen sind Stationen am Weißen Hirsch geschlossen und Aufgaben nach Neustadt und Friedrichstadt verlegt worden. Nicht alle Patienten haben den Standortwechsel mitgemacht. Außerdem wurde nicht mit Vakanzen gerechnet, zum Beispiel in der Thoraxchirurgie (Operationen im Brustkorb, Anm. d. Red.). Bestimmte Bereiche brauchen einen Experten, der bestimmte Operationen durchführen kann. Wenn dieser nicht da ist, kann der Patient nicht behandelt werden. Das betrifft auch die Pulmologie (Lungenheilkunde). Der Bedarf an Ärzten in diesem Bereich wird immer größer. Indes ist der Markt wie leer gefegt, sodass es bundesweit schwierig ist, offene Stellen nachzubesetzen.

Ist die Stelle in der Thoraxchirurgie inzwischen besetzt?

Nein. Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Monat den geeigneten Kandidaten gewinnen werden. Die Chancen stehen gut.

Wie sieht es mit den Krankenkassen aus? Zahlen diese pünktlich?

Ein Fünftel, 20 Prozent unserer Krankenhausleistungen, erklären die Krankenkassen für strittig. Das heißt, dass die OP und die Therapie, die wir einem Patienten zuteil haben werden lassen, nicht akzeptiert und nicht bezahlt werden. Das ist wie ein Bäcker, der seine Brötchen nicht losbekommt, obwohl er sie gebacken hat. Damit verlieren wir täglich etwa eine Million Euro. Das betrifft alle Krankenhäuser und ist ein Problem. Deshalb interveniert auch der Bundesgesundheitsminister und führt ein neues System ein.

Hoffen Sie nur auf mehr Patienten und mehr Operationen, oder gibt es auch einen Sparplan fürs Klinikum?

Wir haben drei Standorte: Bühlau, Neustadt und Friedrichstadt. Wir haben insgesamt sechs Innere Kliniken. Hier gilt es, den Personaleinsatz an den unterschiedlichen Standorten noch besser zu organisieren. Stellenabbau ist für mich kein Thema. Entscheidend ist, dass das Personal an der richtigen Stelle eingesetzt ist. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat dem Klinikum geraten, eine Strategie zu erarbeiten, was wir auch tun werden.

Wozu haben Ihnen die Unternehmensberater noch geraten?

Ernst & Young hat gemeinsam mit der Betriebsleitung ein Paket von 13 Maßnahmen geschnürt. Das betrifft unter anderem das OP-Management. Das heißt: Wenn die Operation um acht geplant ist, ist der OP um acht auch vorbereitet, und die Anästhesieschwester, der Anästhesiearzt und der Facharzt sind am Start. Somit werden die OPs und das Personal bestmöglich genutzt, und der Patient kann ohne Wartezeiten operiert werden.

Kristin Kaufmann, 43, ist seit Oktober 2015 Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen in Dresden. 
Kristin Kaufmann, 43, ist seit Oktober 2015 Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen in Dresden.  © Rene Meinig (Archiv)

Was beinhaltet das Paket noch?

Es geht auch um die Verweildauer von Patienten bei uns, sodass schon bei der Einweisung klar ist, wann der Patient entlassen wird und was danach mit ihm passiert. Wir versuchen, mit dem Sozialdienst gegebenenfalls ambulante Pflegedienste zu aktivieren oder Kurzzeitpflegeplätze kurzfristig zu organisieren. Bisher bleiben Patienten, deren klinische Behandlung abgeschlossen ist und die Pflege benötigen, aber nicht sofort im Anschluss bekommen, im Klinikum. Diese Leistungen können wir gegenüber den Kassen nicht abrechnen. Das wird ein zunehmendes Problem, weil die nachsorgenden Kapazitäten einfach nicht da sind. Langfristig gilt es auch, an der Medizinstrategie zu arbeiten und eine Vision zu entwickeln, um die Zukunftsfähigkeit des Klinikums zu gewährleisten. Da geht es um die Themen Alterung, Digitalisierung und ambulante Behandlungen.

Wird geraten, Stationen zu schließen?

Nein.

Was sagen Sie den Mitarbeitern des Klinikums, die sich um ihren Job sorgen?

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Millionenloch: Müssen Klinik-Chefs gehen?

Das Dresdner Klinikum fährt seit Jahren Verluste ein. Jetzt wurde Oberbürgermeister Hilbert beauftragt, die gesamte Leitungsebene zu überprüfen.

Die Arbeitsplätze sind sicher. Die Stadt steht zu ihrem Klinikum. Unsere Kollegen im Eigenbetrieb leisten eine hervorragende medizinische und pflegerische Arbeit. Darauf bin ich stolz. An der wirtschaftlichen Performance muss und wird weiter gearbeitet werden.

Die Fragen stellte Sandro Rahrisch.