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Notbetrieb am Busbahnhof

Auch nach der Zwangssperrung läuft der Verkehr. Die Polizei aber sieht es kritisch.

Von Franz Herz

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Wenn die Ferne ruft

Nur zwei Stunden von Dresden entfernt befindet sich der größte internationale Flughafen der Tschechischen Republik, mit jeder Menge aufregender Ziele.  

Die Polizei macht sich Sorgen wegen des Notbetriebs am Busbahnhof in Dippoldiswalde. Deswegen ist Peer Barthel, der Leiter der Verkehrspolizei in der Polizeidirektion Dresden, gestern selbst mit zu einer Kontrolle nach Dippoldiswalde gekommen, um sich ein Bild zu machen. „Wir hatten hier vor einigen Tagen eine Verkehrskontrolle. Von rund 400 Fahrzeugen waren 37 zu schnell. 70 sind auf der Busspur gefahren“, berichtet Barthel.

Eigentlich sagt dieses Schild klar: Die rechte Spur ist nur für Busse frei. Autos müssen links fahren. Aber viele Fahrer auf der Alten Altenberger Straße in Dipps sind verunsichert und fahren dennoch rechts.

Gefährlich ist das für die Fußgänger. In den Stoßzeiten warten Hunderte Kinder und andere Buspassagiere, steigen ein und aus. Die haben auf den Gehwegen an den Haltestellen gar nicht genug Platz. „Das ist insgesamt eine sehr kritische Situation“, sagt der Chef der Verkehrspolizei. „Es ist ein Notbehelf. Der ist aber auf Dauer nicht zu verantworten.“ Seit am 16. Dezember die Stadt den Busbahnhof aus Sicherheitsgründen gesperrt hat, läuft das so.

Ein schwarzer Kombi mit Meißener Kennzeichen fährt vorbei – auf der rechten Spur, die den Bussen vorbehalten ist. Grob geschätzt hat rund die Hälfte der Kraftfahrer gestern zwischen 7 und 8 Uhr diese Regel missachtet. Darunter sind die Mehrheit Einheimische. Selbst Dippser kommen mit der Regelung nicht klar. Da hilft es auch nicht, wenn die Polizisten in ihren Warnwesten unübersehbar danebenstehen. „Ich halte den Fahrern zugute, dass sie das Schild mit der Busspur nicht kennen. So etwas haben wir in Dippoldiswalde sonst nirgends“, sagt Barthel. Daher halten die Beamten deswegen niemand an. Sein Kollege Henry Arnold sagt: „Wenn hier noch ein gelber Mittelstreifen wäre und zwei-, dreimal die Aufschrift „Bus“ auf der Straße, würde das mehr Klarheit schaffen.“

Rein rechtlich ist die Lage klar. Die Alte Altenberger Straße ist derzeit als Einbahnstraße ausgeschildert. Unten beginnt am Schulgässchen die Busspur. Dort dürfen nur Busse stehen und fahren. Autos haben die linke Spur zu nutzen bis zum Obertorplatz, wo sie ein weißer Pfeil auf blauem Grund wieder auf die rechte Spur schickt. Aber spätestens bei der Ausfahrt von der Raiffeisenbank werden viele unsicher, auf welcher Spur sie fahren sollen. Manche fahren sogar dann rechts auf der Busspur, wenn dort Busse stehen.

Über eine bessere Ausschilderung hat sich die Polizei schon mit der Stadtverwaltung verständigt. Hauptamtsleiterin Irena Hoffmann kennt das Problem. Sie sagt: „Wir haben das Auftragen einer gelben Mittellinie geplant. Die Anordnung ist an den Verkehrssicherungsbetrieb raus.“ Es kann noch ein paar Tage dauern, weil die Fahrbahn für diese Arbeit trocken sein muss. Eine Aufschrift „Bus“ auf der Fahrbahn hatte die Stadt bisher nicht vorgesehen. Hoffmann sagt: „Diese Anregung nehmen wir gerne auch auf.“

Da die Polizisten an anderen Tagen schon viele Temposünder herausgezogen hatten, haben sie gestern auch eine Messanlage aufgebaut, um zu blitzen. Fünf Sensoren überwachen die Straße. Drei messen die Geschwindigkeit, zwei die Entfernung. Damit lässt sich eindeutig feststellen, auf welcher Spur jemand gefahren ist. Doch gestern früh hat das Winterwetter die Autofahrer ausgebremst. So sind sie alle im Limit geblieben. Nur einer hat eine mündliche Verwarnung bekommen, ausgerechnet ein Busfahrer. Er hat auf der linken Spur angehalten und Kinder aussteigen lassen. Das ist noch schlimmer, als mit dem Auto auf der Busspur zu fahren.

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