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Notfällung in Goldbach

Eine uralte Weide nahe der Grundschule ist zur Gefahr geworden. Weil Unbekannte am Stamm gesägt hatten.

© Regina Berger

Von Ingolf Reinsch und Gabriele Nass

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Ein Arbeitstag, den sechs Mitarbeiter des Bischofswerdaer Bauhofes am Dienstag auch hätten anders nutzen können. Doch sie wurden in Goldbach gebraucht, um am Teich neben der Schule eine schätzungsweise 15 Meter hohe Weide zu fällen. Der stattliche Baum mit einem Stammdurchmesser von über einem Meter hätte wohl noch viele Jahre am Ufer stehen können. Wenn nicht irgendeiner im vergangenen Jahr am Stamm ganz unten die Säge angesetzt und den Baum dadurch schwer beschädigt hätte. Der Stadt blieb nichts anderes übrig, als den Baum notzufällen. Denn es war Gefahr im Verzug.

Unbekannte hatten im vergangenen Jahr den Stamm der Weide angesägt. © Regina Berger

Einfacher geschrieben, als getan. Denn die Krone der Weide ragte mehrere Meter über den Teich. Auf der Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Bischofswerda trugen zwei Bauhofmitarbeiter den Baum von oben ab, Stück für Stück. An Stamm- und Astteilen über dem Wasser wurden zuvor starke Seile befestigt. Dieses Holz fiel nach dem Sägen in den Teich. An den Seilen zog ein Radlader das Holz aus dem Wasser an Land. Die großen Holzstücke wurden anschließend nach Bischofswerda zum Bauhof gefahren, kleinere Äste und Zweige vor Ort gehäckselt. Das Stammholz bleibt erst mal im Bauhof liegen, sagte dessen Leiter Sven Ganze am Dienstag der SZ. Wenn sich dafür ein Käufer finden sollte, würde es die Stadt verkaufen. Doch das Interesse dürfte sich in Grenzen halten, erwartet der Bauhofleiter. Denn Weidenholz hat nur einen geringen Brennwert.

Aufwendige Vorbereitungen

Die Fällaktion vom Dienstag musste langfristig vorbereitet werden. Denn es ging nicht nur darum, Technik und Mitarbeiter bereitzustellen. Eine Zufahrt am Teich zu einem Baubetrieb musste für die Zeit der Fällarbeiten gesperrt werden. Dabei hätte der Schnee am Morgen die Aktion fast infrage gestellt. Denn ehe die Bauhofmitarbeiter zum Goldbacher Teich fuhren, waren sie im Stadtgebiet im Winterdienst im Einsatz. Aufgrund der aufwendigen Vorbereitungen entschied der Bauhofchef, Dienstag wie geplant die Weide zu fällen.

Der illegale Baumschnitt war im vergangenen Herbst bei einer turnusmäßigen Kontrolle von Bäumen aufgefallen. Mitarbeiter des Bauhofes führen regelmäßig solche Kontrollen durch, damit durch Bäume, für die die Stadt Bischofswerda zuständig ist, keiner zu Schaden kommt. Gesägt wurde schon wesentlich eher, wahrscheinlich im Frühjahr vergangenen Jahres. Bislang habe die Stadt bei der Polizei keine Anzeige erstattet, sagte Isabel Seiler am Dienstag auf Anfrage. Möglich, dass sie es noch tun wird, sobald die Kosten für den geschädigten Baum, die Fällung und die Ersatzpflanzung ermittelt sind. „Wir haben keinen Zeitdruck, weil die Tat schon länger zurücklag, als der Schaden im Herbst festgestellt wurde“, sagt Isabel Seiler. Spuren des oder der Täter hätte man weder im Herbst noch jetzt feststellen können.

Neupflanzung geplant

Die Motive, warum sich jemand von einer jahrzehntealten Weide an einem Dorfteich gestört sieht, liegen im Dunkeln. Bei Weitem nicht der einzige Fall von Baumfrevel in Bischofswerda. Im Herbst vergangenen Jahres wurden an der unter Denkmalschutz stehenden historischen Lindenallee am Klengelweg zwei junge Bäume von Unbekannten gekappt. Sie waren Teil einer großangelegten Nachpflanzung in der Allee auf dem Weg zum Butterberg durch die Stadt Bischofswerda, die für den Erhalt unter strengen landesweit geltenden Auflagen verantwortlich ist. Die jungen Bäume sind Ersatz für alte kranke Bäume, die in jüngster Zeit aus der Allee entnommen werden mussten und für Bäume, die dort schon länger fehlen.

Gekappt und liegengelassen

Warum jemand gegen zwei der jungen Linden vorging, ist ebenfalls unklar. Zum eigenen Gebrauch können die Bäume nicht bestimmt gewesen sein. Sie wurden nicht mit der Wurzel ausgegraben und mitgenommen, sondern oberhalb gekappt und liegengelassen. Ein Bürger hatte den Schaden bemerkt und die Polizei und die Stadtverwaltung informiert. Ob in dieser Sache noch ermittelt wird oder das Verfahren eingestellt wurde, konnte die Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz am Dienstag nicht sagen.

„Baumvandalismus“, wie es Isabel Seiler nennt, ist kein Kavaliersdelikt. Wird man beim Sägen erwischt, drohen Strafen von mehreren Tausend Euro. Die Stadt Bischofswerda hatte die Lücken am Klengelweg im vergangenen Jahr sofort schließen und neue junge Linden pflanzen lassen. 600 Euro kosteten die Nachpflanzungen damals die Stadt. Auch für die am Dienstag in Goldbach gefällte Weide wird es Ersatz geben. In diesem Jahr wird der Bauhof am Teich einen neuen Baum pflanzen. Eine Trauerweide.

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