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Notlandung am Konkursgericht

Der Fluggesellschaft United Airlines ist die Puste ausgegangen – das könnte auch dem Partner Lufthansa zu schaffen machen. Chicago/Frankfurt am Main. Die zweitgrößte Fluggesellschaft der USA, United Airlines (UAL), ist pleite.

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Der Fluggesellschaft United Airlines ist die Puste ausgegangen – das könnte auch dem Partner Lufthansa zu schaffen machen.

Chicago/Frankfurt am Main. Die zweitgrößte Fluggesellschaft der USA, United Airlines (UAL), ist pleite. Der wichtigste internationale Lufthansa-Partner stellte gestern in Chicago einen Insolvenzantrag. Beide Fluggesellschaften versicherten, alle Flüge gingen vorerst weiter. UAL bietet täglich 1 700 Verbindungen, ein Fünftel aller amerikanischen Flüge. Die Gesellschaft sah sich nicht in der Lage, Schulden von umgerechnet rund einer Milliarde Euro zu begleichen.

Nun will das Unternehmen mit einem Insolvenzantrag unter Kapitel elf des US-Konkursrechts versuchen, sich vor Klagen seiner Gläubiger zu schützen und gleichzeitig seine Finanzen in Ordnung zu bringen. Diese Art von Konkurs ist allerdings keine Garantie für das Überleben: Fluggesellschaften wie Continental und America West haben es überstanden, Pan-Am und Midway nicht. Ein UAL-Sprecher sagte, die in den USA eingeleiteten „Restrukturierungen“ beeinträchtigen „den Flugbetrieb von und nach Deutschland in keiner Weise“. Der Flugplan gelte weiter. Die Tickets würden akzeptiert. Weder die Mitgliedschaft im Verbund der „Star Alliance“ (siehe Kasten) noch die Flüge mit anderen Fluggesellschaften seien gefährdet. United werde auch die Gehälter und Gratifikationen an die Mitarbeiter weiterzahlen. Bei der Lufthansa hieß es: „Selbstverständlich behalten alle ausgestellten Tickets ihre Gültigkeit.“ Da United ihren Flugbetrieb uneingeschränkt fortsetze, stehe Lufthansa-Kunden das gemeinsame Flugplanangebot mit täglich etwa 330 Flügen zur Verfügung. Lufthansa-Chef Jürgen Weber erklärte, er sei sich sicher, dass UAL die Restrukturierung im Insolvenzverfahren gelingen werde. „Daher prüfen wir zur Zeit, ob wir United Airlines zusätzlich zu den bereits eingeleiteten kommerziellen Maßnahmen auch ohne Risiko für Lufthansa finanziell unterstützen können.“

United war gleich von zwei Seiten in die Zange genommen worden. Schwerwiegende hausgemachte Probleme wurden durch die schwache US-Konjunktur und einen drastischen Rückgang des lukrativen Geschäftsreiseverkehrs dramatisch verschärft. Vergeblich hatte das Management im Mai 2000 versucht, die angeschlagene Gesellschaft US Airways zu übernehmen. United litt außerdem im Sommer 2000 unter einem Bummelstreik ihrer Piloten. Nach zahllose Flugverspätungen wanderten die Kunden frustriert ab. Die Terrorattacken vom September 2001 führten zu einem dramatischen Rückgang des US-Flugreiseverkehrs. United reagierte mit dem Rauswurf von mehr als 20 000 Mitarbeitern und kürzte die Kapazitäten um ein Fünftel. Die Flugpreise blieben jedoch unter Druck – durch Billigfluglinien. Das Resultat: UAL machte seit Anfang 2001 rund 3,8 Milliarden Euro Verluste – schlimm für die Mitarbeiter, denen die Gesellschaft zu 55 Prozent gehört. Ihre Aktien sind inzwischen praktisch wertlos: 1998 stand das Papier noch bei rund 100 Dollar, stürzte bis Ende November auf vier Dollar ab und notierte gestern in den ersten Handelsminuten bei 73 Cent. Zudem lehnte die US-Regierung in der vorigen Woche eine staatliche Kreditgarantie von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro ab.

So blieb angesichts des schlechten Geschäftsverlaufs, der astronomischen Kosten, hoher Schulden und fehlender Hilfe Washingtons nur der Gang zum Konkursrichter in Chicago. (AP/dpa)