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Notstand bei Heidelbeerpflückern

Obstbauer Alexander Brassat benötigt noch Erntehelfer. Der Einsatz ist aber für Saisonkräfte nicht lukrativ genug.

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Von Dieter Hanke

Ob es für den Scharfenberger Obstbauer Alexander Brassat in diesem Jahr eine gute Heidelbeer-Saison wird, ist sehr ungewiss. Denn an den 100 Sträuchern auf seiner Plantage in Reichenbach sind diesmal nicht so viele Beeren gewachsen wie im Vorjahr. „Die kalte Witterung im Frühjahr hat das verursacht“, sagt der 43-Jährige. Bienen und weitere Insekten seien zur Befruchtung nicht so geflogen wie erhofft. „Ich bin froh, wenn es in dieser Saison ein bis zwei Kilogramm pro Strauch wird“, bemerkt der Scharfenberger. Im Vorjahr waren es noch zwei bis vier Kilogramm von einem Strauch. Brassat rechnet mit einem Erntestart so um den 15. bis 20. Juli. In anderen Jahren waren da die Pflücker der kultivierten Heidelbeeren schon zwei bis drei Wochen eher auf der Plantage.

Noch eine weitere Sache bedrückt ihn. Der Scharfenberger bezahlt den ständigen Erntehelfern leistungsabhängigen Lohn. Bei Saisonkräften im Obstbau oder in der Landwirtschaft ist für den Unternehmer nicht der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde gültig. Brassat hat in dieser Saison einen Euro auf den Pflücklohn draufgelegt. „Ich hoffe, dass ich da die Ernte mit ständigen Helfern bewältigen kann“, sagt er. Einige Bürger hätten ihm schon zugesagt. Aber ob diese Leute bei der Stange bleiben, sei ungewiss.

Denn es ist nicht jedermanns Sache, bei Hitze Beeren von den bis zu 1,80 Metern hohen Sträucher zu pflücken. Auch der Standort der Plantage, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen ist, lässt Leute dem Scharfenberger einen Korb geben. Mit der Arbeitsagentur hätte Brassat im Vorjahr keine guten Erfahrungen gemacht. Mehrere Arbeitslose hätten sich bei ihm für einen Einsatz gemeldet. Gekommen sei dann aber nur einer und dieser sei auch noch ein Reinfall gewesen.

Als Alternative für die Ernte käme dann für Brassat die Selbstpflücke der Beeren durch Bürger in Betracht. „Gern würde ich das aber nicht machen. Denn vor Jahren habe ich das schon einmal probiert. Das bewährte sich nicht“, sagt er. So wurden Sträucher beschädigt, auch ungleichmäßig abgeerntet. Aber eine andere Wahl habe er nicht – außer, dass wie schon im Vorjahr ein Teil der Kulturheidelbeeren am Strauch hängenblieb und vergammelte.

Das Kilogramm der Früchte, die etwas kleiner sind als Kirschen und in ihrem Geschmack den Waldheidelbeeren nahe kommen, kostet bei Brassat in diesem Jahr einen Euro mehr, und zwar neun Euro. Bei der Abnahme größerer Mengen würde es einen kleinen Rabatt geben. Nach Erntestart Mitte Juli ist dann jeden Freitag und Sonnabend von 7 bis 14 Uhr die Plantage in Reichenbach geöffnet, wo der Verkauf fertig gepflückter Früchte erfolgt (nur bei schönem Wetter). Sonst erfolgt der Verkauf an anderen Tagen, wenn eine signalrote Kuh aus Glasfasern mit abgebildeten Heidelbeeren an der Staatsstraße 177 Meißen-Wilsdruff am Abzweig Reichenbach steht.

Obstbauer Alexander Brassat sucht noch weitere ständige Helfer für die Ernte. Kontakt unter 0172 3413992.