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NPD bietet Meißner Ex-CDU-Stadtrat das Parteibuch an

Thomas Tallacker solle aus der CDU austreten. Der will sich nicht in eine rechtsextreme Ecke drängen lassen.

Jürgen Müller

Wenn der inzwischen wegen rassistischer und ausländerfeindlicher Hetze zurückgetretene Meißner CDU-Stadtrat Thomas Tallacker das Ausmaß seiner Äußerungen bisher nicht erkannt haben sollte, so dürfte er es spätestens am Wochenende erfahren haben. Da nämlich bot ihm die rechtsextreme NPD das Parteibuch an. Der Riesaer NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel habe Herrn Tallacker am Sonnabend über Facebook angeschrieben und das „ehrliche Angebot des Parteiwechsels unterbreitet“, heißt es in einer Pressemitteilung. Man warte nun auf eine „hoffentlich positive Rückmeldung dieses deutschen Patrioten“, heißt es weiter. Der NPD-Kreisverband Meißen ruft Thomas Tallacker nun dazu auf, konsequenterweise auch sein Parteibuch niederzulegen und sich den Nationaldemokraten im Landkreis Meißen anzuschließen. „Dort kann er ohne Selbstverleugnung offen gegen den deutschenfeindlichen Multikulturalismus Position beziehen und mit Gleichgesinnten gegen die Missstände im Land arbeiten.“

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Die Piratenpartei hingegen begrüßt Tallackes Rücktritt, der wohl nicht ganz freiwillig zustande kam, kritisiert aber, dass sich die CDU-Fraktion im Stadtrat nicht deutlicher von seinem nunmehrigen Ex-Mitglied distanziert. „Diese Äußerungen zeigen einmal mehr, wie tief Fremdenhass und Alltagsrassismus vor allem in der sogenannten „Mitte“ der Gesellschaft immer noch verankert sind und auch vor angeblich etablierten Parteien keinen Halt machen“, sagt Sören Skalicks, Vorsitzender der Piraten Meißen.

Beängstigend sei allerdings, dass diese Äußerungen innerhalb der CDU Meißen heruntergespielt würden. „Fraktionschef Orgus verharmlost diese Aussagen, da sie seiner sehr naiven Meinung nach nicht mit der Meißner Politik in Verbindung stehen. Dies ist sehr bedenklich. Dass Herr Orgus hier keinen Zusammenhang mit der Meißner Politik sehen will, ist mehr als erschreckend“, so Skalicks.

Dieses Jahr werde die Stadt Meißen auch Asylbewerber aufnehmen. „Die Äußerungen von Stadtrat Tallacker, welche Herr Orgus derzeit verharmlost, kommen dann wie ein Bumerang auf ihn, seine Fraktion und damit letztlich auch auf den Stadtrat zurück. Im Sinne der Stadt kann man daher nur hoffen, dass Herr Tallacker der einzige CDU-Stadtrat ist, der solche braunen Ansichten vertritt“, sagt der Meißner Piratenchef. Die Mitglieder der Piraten Meißen sprächen sich in aller Deutlichkeit gegen jegliches fremdenfeindliches Gedankengut aus. Menschen, die vor Krieg, Vergewaltigung und Folter fliehen, müsse eine sichere Bleibe geboten werden.

Die Piratenpartei stehe für die Vielfalt der Gesellschaft. Gewalt und Einschüchterung aufgrund der Herkunft, Religion oder Kultur seien in jedem Fall inakzeptabel.

Ähnlich äußert sich auch die Meißner Linksjugend. „Einen derartigen niveaulosen Duktus kennen wir sonst nur von einer rechten Splitterpartei, die in Riesa ansässig ist. Von einem Mandatsträger einer christlichen Partei, die sich doch angeblich Nächstenliebe und Humanismus verpflichtet fühlt, hätten wir solche Äußerungen als Letztes erwartet“, sagt Tom Rumberger von der Linksjugend Meißen.

Die Äußerungen zeigten aber auch, wie weit Rassismus und Xenophobie selbst in der sogenannten bürgerlichen Mitte verbreitet seien. Gleichsam werde auch deutlich, wie groß das Unwissen über die Situation von Asylsuchenden sei, dass diese nicht arbeiten dürften und auch keine Leistungen nach Hartz IV bezögen. „Dass Menschen ihr Zuhause nicht freiwillig verlassen, sondern dass es die Umstände in Form von Diskriminierung, Gewalt oder Hunger erfordern, scheint Herrn Tallacker auch vollkommen fremd. Eine Entschuldigung für die verbalen Entgleisungen wäre wohl das Mindeste, und ansonsten gilt wohl der allseits bekannte Leitsatz, wenn man keine Ahnung hat, sollte man einfach mal lieber schweigen“, so Rumberger.

Entschuldigt hat sich Tallacker inzwischen in einem Brief an Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos). In dem Schreiben gibt er sich geläutert: „Ich habe sprachlich Grenzen überschritten, was mich in den Augen neutraler Nutzer zu einem Verbreiter von rassistischen Ansichten macht. Dies war nicht meine Absicht. Ich bedaure meine Handlungsweise, distanziere mich nunmehr von den Kommentaren. Klarstellen möchte ich an dieser Stelle, dass ich weder rassistischem Gedankengut anhänge noch hetzerische Kampagnen gegen ausländische Mitbürger unterstütze“, schreibt er an den Oberbürgermeister. CDU-Fraktionschef Falk Werner Orgus hofft darauf, dass man Tallacker künftig die Chance zur Rehabilitierung gebe.