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Nüchtern der liebste Mensch der Welt

Unter Alkohol soll ein 30-Jähriger immer wieder geschlagen haben – auch seine Partnerin. Das habe er nicht so gemeint, sagt sie.

Auch mehrere Türen soll der Angeklagte im Suff demoliert haben.
Auch mehrere Türen soll der Angeklagte im Suff demoliert haben. © dpa

Die Justiz hat eine ganze Weile gesammelt, ehe Eric H. zu seinem Prozess geladen wurde. Offenbar war der 30-jährige Dresdner länger untergetaucht. Seit September jedenfalls sitzt er in Untersuchungshaft und muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Dresden verantworten. Staatsanwalt Steffen Buck hat sieben Anklageschriften verlesen mit 19 Vorwürfen aus den Jahren 2016 bis 2018. Meist geht es um Sachbeschädigungen und Körperverletzungen, angeblich stets unter Alkohol. In einem Fall jedoch soll H. einen Mann in seiner Wohnung überfallen und verletzt haben, von dem er sich 5.000 Euro erhofft habe. Wegen dieser schweren räuberischen Erpressung landete der Fall vor dem Landgericht.

Laut Anklage hat H. im Mai 2018 mittags Am Jägerpark an der Wohnungstür eines Mannes geklingelt. Der 30-Jährige forderte die 5.000 Euro. Als der Mieter ihm entgegnete, er habe lediglich 5 Euro, soll H. ein Messer vom Tisch genommen und dem Geschädigten eine zehn Zentimeter lange und zum Glück nur einen Millimeter tiefe Schnittwunde am Kopf zugefügt haben. Erst dann habe der Verletzte dem Täter die 5 Euro übergeben, mit denen der Angeklagte dann verschwunden sei.

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Bei den anderen Vorwürfen spielt Jana P. (31), mit der H. zwei Kinder hat, eine größere Rolle. Er soll die Frau mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, sie beleidigt und an den Haaren gezogen haben. Ähnliches erlebten auch andere Frauen und Männer. Im Juni 2018 gab es ein Gerangel mit dem Verkäufer in einem Spätshop, der den Angeklagten nachts aus dem Laden komplimentierte. Dabei ging eine Tür zu Bruch. Apropos Tür. Eric H. scheint an keiner vorbeigehen zu können, ohne sie einzutreten. Bei vier weiteren der 19 Anklagevorwürfe habe der Deutsche Türen in Mehrfamilienhäusern demoliert.

Verlobt im Knast

H. leide Zeit seines Lebens unter einer erheblichen Lese-Rechtschreibschwäche, sagte seine Verteidigerin Margit Billerbeck. Die Vorsitzende Richterin Beate Ibler-Streetz hat dem Angeklagten daher jeden einzelnen Anklagevorwurf in ihrer Befragung nochmals vorgelesen. Mit einem Geständnis, sagte sie, könne der Angeklagte viel erreichen. Doch H. hat zu seinem Lebenslauf und den Vorwürfen recht beschönigend eingelassen. Dass er etwa die Mutter seiner beiden Töchter mehrfach mit der Faust geschlagen haben soll, konnte er nicht zugeben. Nun wird das Gericht gezwungen sein, tatsächlich alle Zeugen zu vernehmen – 48 sollen es sein.

Erste Zeugin war Lebensgefährtin Jana P., die sich erst an Weihnachten zum zweiten Mal mit H. verlobt hatte – im Dresdner Gefängnis. Laut Verteidigerin Billerbeck steckt keine Prozess-Taktik hinter dem Eheversprechen: „Der Angeklagte ist dort erreichbar, nüchtern und kann nicht weglaufen.“ Tatsächlich machte Jana P. von dem ihr als Verlobte zustehenden Aussageverweigerungsrecht keinen Gebrauch. Doch auch sie fand sehr hübsche Worte für die Übergriffe wie: „Das hat er doch nicht so gemeint“, oder „Hinterher hat es ihm leidgetan“ oder „Ohne Alkohol ist er der liebste Mensch auf Erden“. Der Prozess wird fortgesetzt.