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Null Bock auf Job?

Manchmal erfüllen sich die Erwartungen der Azubis nicht. Für einen Abbruch der Lehre gibt es aber viele Gründe.

Wenn der gewählte Ausbildungsberuf doch nicht der richtige ist, heißt es für den Lehrling, entweder durchhalten oder abbrechen und sich für eine neue Ausbildung entscheiden. Leicht ist dieser Weg nicht. Hilfe können die jungen Leute aber in beiden Fällen
Wenn der gewählte Ausbildungsberuf doch nicht der richtige ist, heißt es für den Lehrling, entweder durchhalten oder abbrechen und sich für eine neue Ausbildung entscheiden. Leicht ist dieser Weg nicht. Hilfe können die jungen Leute aber in beiden Fällen © dpa

Döbeln. Etwa 13 Prozent der Auszubildenden in Mittelsachsen haben im vergangenen Jahr ihren Lehrvertrag vorzeitig gekündigt und somit ihre Ausbildung abgebrochen. Laut erfassten Zahlen der Handwerkskammer Chemnitz waren das im Landkreis 152 Vertragslösungen bei insgesamt 1 151 eingetragenen Berufsausbildungsverträgen im Jahr 2018. Im Vogtland war diese Quote im Vergleich mit rund 15 Prozent am höchsten und im Erzgebirge mit knapp elf Prozent am niedrigsten. Rückblickend auf die vergangenen drei Jahre ist der Anteil der Ausbildungsabbrecher im gesamten Kammerbezirk Chemnitz auf dem Niveau von etwa 13 Prozent etwa gleich geblieben.

Diese Zahlen sind für Ausbildungsbetriebe in allen Branchen alarmierend. Denn bei der händeringenden Suche nach Nachwuchs- und Arbeitskräften müssen die Unternehmen um jeden einzelnen Lehrling und künftigen Mitarbeiter ohnehin kämpfen. Die Gründe dafür, warum junge Leute ihre Ausbildung nicht abschließen, sind allerdings vielfältig und oft individuell. Sie reichen von mangelnder Berufsorientierung und ungeeigneter Berufswahl, über unzureichende Ausbildungsbereitschaft bis hin zu gesundheitlichen Problemen, einem Wohnortwechsel oder der Änderung der Familiensituation. „Doch auch die aktuell gute Lage auf dem Lehrstellenmarkt in Verbindung mit einer dann steigenden Wechselbereitschaft, spielen eine Rolle“, schätzt Robert Schimke, Abteilungsleiter Medien und Marketing in der Handwerkskammer Chemnitz, ein.

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Echte Abbrüche stellen laut Zentralverband des Deutschen Handwerks aber nur einen Teil der Vertragslösungen dar. „Die Mehrheit der Auszubildenden, die ihren Vertrag lösen, findet einen Ausbildungsplatz in einem anderen Unternehmen beziehungsweise in einem anderen Beruf“, erläutert Robert Schimke weiter.

Auch die vorzeitige Beendigung der Ausbildung von Seiten des Betriebes trägt zur Statistik bei. „Trotz guter beruflicher Orientierung können Erwartungen manchmal nicht erfüllt werden und führen dann letztlich zum Abbruch der Ausbildung“, erläutert Antje Schubert, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Freiberg. Oft stellen die Ausbilder fest, dass die Anforderungen der berufstheoretischen Inhalte an die Azubis zu hoch sind. Kündigungen in der Probezeit durch den Ausbildungsbetrieb aufgrund mangelnder Leistungen seien dann die Folge. Ausbildungsabbrüche durch Insolvenzen von Ausbildungsbetrieben seien zwar selten, kämen aber ebenfalls vor, so Schubert.

Ist die Entscheidung zum Abbruch einmal gefallen, werden junge Leute dennoch nicht allein gelassen. „Wenn sich Abbrecher in der Berufsberatung melden wird versucht, je nach Fortschritt des aktuellen Lehrjahres einen neuen Ausbildungsbetrieb zu finden. Das kann unter Einbeziehung des gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Mittelsachsen erfolgen“, erläutert Antje Schubert. Auch gibt es für die Betroffenen eine Fördermöglichkeit der „Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen“ bis zum Wechsel in einen neuen Ausbildungsbetrieb.

„Wichtig ist, darauf hinzuweisen, frühzeitig vor dem Abbruch den Weg zur Berufsberatung der Agentur für Arbeit zu suchen und das Beratungsangebot zu nutzen“, ergänzt Antje Schubert. Zudem gebe es das Angebot der „Ausbildungsbegleitenden Hilfen“ für Auszubildende, die mit dem Lernstoff Probleme haben. Gegebenenfalls könne den Betroffenen auch sozialpädagogische Unterstützung gewährt werden. Hilfe und Beratungsmöglichkeiten bieten zudem auch die Handwerks- und Industriekammern.

Insgesamt 15 Nachwuchskräfte werden in der Unternehmensgruppe Partzsch in drei Ausbildungsberufen und einem dualen Studiengang ausgebildet. Ein Ausbildungsabbruch sei zwar eher die Ausnahme, einen Fall habe es im vergangenen Jahr jedoch gegeben, berichtet Personalreferentin Gabriele Eulitz. „Natürlich bemühen wir uns zuvor, weitere Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten. Wir suchen das Gespräch und möchten gemeinsam mit dem Auszubildenden die Ursache dafür finden“, erläutert Gabriele Eulitz.

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Doch damit es gar nicht erst soweit kommt, empfiehlt die Personalreferentin, dass sich die Jugendlichen schon vor Ausbildungsbeginn ein möglichst konkretes Bild vom Betrieb, der Ausbildung und der späteren Tätigkeit machen sollten. „Deshalb bieten auch wir alle Möglichkeiten dazu. Wir nehmen an der Woche der offenen Unternehmen teil, besuchen Ausbildungsmessen und bieten Ferienarbeit und Schnupperpraktika an“, zählt sie auf.