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Nur 195 Euro als Aktienkapital

Heute haben sie acht selbstgebackene Pizzen verkauft, dazu drei Müsli-Riegel mehr als gestern. Gut für die Aktie „Time-Out“. Ihr Kurs steigt. Das Ganze geschieht so in etwa jeden Schultag an der Mittelschule in Drebach.

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Von Lars Kühl

Heute haben sie acht selbstgebackene Pizzen verkauft, dazu drei Müsli-Riegel mehr als gestern. Gut für die Aktie „Time-Out“. Ihr Kurs steigt. Das Ganze geschieht so in etwa jeden Schultag an der Mittelschule in Drebach.

Vier Jahre existiert dort die Schüleraktiengesellschaft „Time-Out“. Die zwei Cola-Automaten reichten den Gründern nicht mehr. Gesunde Pausenversorgung für Schüler und Lehrer ist jetzt das Ziel der Cafeteria. Geschäftsführer in dritter Generation ist Philipp Winkler aus der neunten Klasse. Wirtschaften er und seine Mitarbeiter gut, werden Gewinne auf der jährlichen Aktionärsversammlung ausgeschüttet.

20 bis 30 Euro setzt „Time-Out“ täglich um. Ein Café als Treff im Schulgelände betreibt die Schüler-AG genauso wie sie Veranstaltungen organisiert. Dabei wird vermitteltes Schulwissen angewendet. Buchführung, Bilanzierung, Bestellsystem, Preiskalkulation, Controlling und Verhandlungsführung spielen genau so eine Rolle wie Marktmechanismen.

Ehemaliger Klassenraum als Verkaufsstätte

Ein ehemaliger Klassenraum dient als Verkaufsstätte. „Am Anfang sponserten Firmen die Einrichtung und das erste Essen“, sagt Philipp. Mittlerweile kann „Time-Out“ die gesunde Kost billig für Mitschüler anbieten. Durch Mengenabnahmen haben sie Rabatte ausgehandelt. „Und wir verfügen über ein Aktienkapital von 195 Euro“, ergänzt er.

Seine Erfahrungen gab der 14-Jährige am Mittwoch auf der zweiten Messe „Schüler gestalten Zukunft“ weiter. Die Agenda 21, ein Aktionsbündnis für Umwelt- und Entwicklungsfragen, hatte Schülerfirmen in den Sächsischen Landtag eingeladen. Fünf Unternehmen nutzten die Gelegenheit, um sich vorzustellen und auszutauschen: zwei Reisebüros für Klassenfahrten oder Tagesausflüge aus Meißen und Rodewisch, die Schüler-GmbH „bb-Web“ des Dresdner Berthold-Brecht-Gymnasiums, die eine Solar-Anlage betreibt und deren Strom jährlich 300 Euro in die Firmenkassen bringt, sowie die beiden Cafeterias „Pausenbrot“ aus Dresden und „Time-Out“.

Klaus Gaber von der Dresdner Agenda 21 moderierte und die Schüler berichteten von ihrem „Berufsleben“. Das Reisebüro „Pestaro-Tours“ aus Rodewisch hat sich gerade gegründet. Anne-Marie Jentsch löchert begierig Meißner Kollegen von „Kalkberg on Tour“. „Wichtig ist die Zusammenarbeit der Schülerfirmen untereinander“, sagt Projektbetreuerin und Lehrerin Birgit Scholz. Alle berichten von unterschiedlichen Firmenstarts. „bb-Web“ bekam seine Solaranlage von einem privatem Sponsor geschenkt, dagegen beklagen sich die Meißner über fehlende Sponsorenhilfe.

Anschubfinanzierung

für Firmengründung

Cornelia Schuricht von der Sächsischen Arbeitsstelle für Schule und Jugendhilfe verspricht jeder Schülerfirma eine Anschubfinanzierung. 1995 habe sich die erste gegründet. Zur Zeit gebe es etwa 80 solcher Unternehmen mit Rechtsform. „Sachsen war das erste Bundesland mit ständigen Schülerfirmen.“