SZ + Bautzen
Merken

Nur 30 Flüchtlinge pro Monat

Im Kreis Bautzen kommen immer weniger Asylbewerber an. Werden jetzt weitere Unterkünfte geschlossen?

Von Marleen Hollenbach
 4 Min.
Teilen
Folgen
Im Sommer 2017 mussten die Flüchtlinge das Bautzener Spreehotel verlassen. Das Landratamt hatte den Vertrag mit dem Eigentümer nicht verlängert.  (Archivbild)
Im Sommer 2017 mussten die Flüchtlinge das Bautzener Spreehotel verlassen. Das Landratamt hatte den Vertrag mit dem Eigentümer nicht verlängert. (Archivbild) © Steffen Unger

Bautzen. Noch vor drei Jahren war die Unterbringung von Flüchtlingen eine riesige Aufgabe. Jede Woche kamen mehr Asylbewerber im Landkreis Bautzen an. Quasi im Eilverfahren wurden Heime aus dem Boden gestampft, Notunterkünfte hektisch eingerichtet. Inzwischen ist es ruhiger geworden. So ruhig, dass der Landkreis Unterkünfte schließt, statt neue zu schaffen. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen zur Unterbringung der Asylbewerber.

Wie viele Flüchtlinge leben aktuell im Landkreis Bautzen?

Aktuell leben im Landkreis Bautzen noch etwa 1.350 Asylsuchende. Seit Jahren sinkt diese Zahl kontinuierlich. Ende 2018 waren noch 1.560 Flüchtlinge in den Unterkünften des Landkreises untergebracht. Noch deutlicher wird das Gefälle, schaut man ein wenig weiter zurück. Ende 2016 betrug die Zahl der Asylbewerber im Landkreis 2.100, Ende 2015 sogar 2.993. Nicht nur in der Region, sondern in ganz Sachsen sinkt die Zahl der Flüchtlinge leicht. Zum Stichtag am 30. November waren etwa 22.350 Asylbewerber im Freistaat gemeldet. Ende 2018 lebten in Kommunen und Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes noch etwa 23.300 Männer, Frauen und Kinder, die Asyl in Deutschland suchten.

Nimmt der Landkreis noch neue Asylbewerber auf?

Ja, aber bei weitem nicht mehr so viele wie noch vor ein paar Jahren. Wie das Landratsamt mitteilt, kommen durchschnittlich noch etwa 30 Flüchtlinge pro Monat in der Region an. Im Jahr 2015 sah das ganz anders aus. Damals verzeichnete der Landkreis einen besonders raschen Anstieg. Pro Monat wurden dem Kreis Bautzen bis zu 600 Flüchtlinge zugewiesen. Die Asylbewerber, die heute einen Platz in einer der Unterkünfte der Region beziehen, stammen vor allem aus den Ländern Venezuela, Libyen und Iran. Viele kommen auch aus dem Irak oder aus der Türkei. Hohe Chancen, in Deutschland bleiben zu dürfen, haben von diesen Asylbewerbern vor allem die Menschen aus Venezuela. Ihre Schutzquote liegt bei rund 44 Prozent. Eine etwas niedrigere Schutzquote von etwa 31 Prozent gilt aktuell für türkische Asylbewerber. Die Zahlen zu den Schutzquoten hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Ende 2019 herausgegeben.

Welche Unterkünfte im Kreis Bautzen gibt es überhaupt noch?

Viele sind es nicht mehr. Mit der sinkenden Asylbewerberzahl begann der Landkreis Bautzen auch damit, Unterkünfte zu schließen. So wurden zum Beispiel 2017 das Bautzener Spreehotel geschlossen. Noch im selben Jahr wurden die Unterkunft in Bischofswerda und das Heim im Radeberger Ortsteil Rossendorf dichtgemacht. 2018 lief auch der Vertrag für das Heim in Neukirch aus. Zuletzt mussten die Flüchtlinge im Bautzener Greenpark ihre Sachen packen. Von den 17 Flüchtlingsheimen sind noch vier Unterkünfte übrig. In Hoyerswerda stehen zwei davon. An der Liselotte-Herrmann-Straße sind etwa 140 Flüchtlinge untergebracht, an der Thomas-Müntzer-Straße etwa 340. Im Asylheim in Wehrsdorf wohnen etwa 100 Flüchtlinge und an der Macherstraße in Kamenz rund 230. Diese vier Gebäude reichen auch aus, sollten wieder mehr Flüchtlinge in den Kreis kommen. „Die vorhandenen Gemeinschaftsunterkünfte haben noch etwa 150 Plätze als Restkapazität zur Verfügung“, erklärt Sarah Günther, Sprecherin des Landratsamtes. Zudem stünden dem Landkreis im Falle eines Anstieges der Flüchtlingszahlen weitere eigene Objekte zur Verfügung.

Wie viele Flüchtlinge sind dezentral in Wohnungen untergebracht?

Noch immer leben die meisten Flüchtlinge im Landkreis Bautzen in den großen Gemeinschaftsunterkünften. 73 Prozent von ihnen sind zentral untergebracht. Im Umkehrschluss heißt das: 27 Prozent der Asylbewerber durften eine Wohnung beziehen. Dieses Verhältnis hat sich in den vergangenen Jahren nur leicht verändert. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 lebten etwa 22 Prozent aller Asylbewerber in Wohnungen. 

Will der Landkreis noch weitere Unterkünfte schließen?

Eine eindeutige Aussage gibt es dazu nicht. Vom Landratsamt heißt es nur, man prüfe ständig, wie viele Plätze für die Unterbringung noch benötigt werden. Offen bleibt, welche Unterkunft als Nächstes auf der Streichliste stehen könnte. Allerdings hatte die Behörde in der Vergangenheit schon mehrfach betont, man wolle sich bei der Unterbringung auf eigene Immobilien konzentrieren. Beide Flüchtlingsheime in Hoyerswerda und die Unterkunft in Kamenz gehören dem Landratsamt. Das Objekt in Wehrsdorf ist angemietet.

Asylunterkünfte im Landkreis Bautzen
Asylunterkünfte im Landkreis Bautzen © SZ/Grafik Romy Thiel

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.