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Nur die Gaststätten bitten zum Tanz

Die Große Kreisstadt Radebeul konnte einmal die üppige Landschaft von fünf unterschiedlichen Kulturhäusern aufweisen. Obendrein gab es mit dem „Frasquita“ sogar noch eine Nachtbar. Heute gibt es dagegen in der Lößnitzstadt kaum noch entsprechende Angebote.

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Von Wolfgang Zimmermann

Die Große Kreisstadt Radebeul konnte einmal die üppige Landschaft von fünf unterschiedlichen Kulturhäusern aufweisen. Obendrein gab es mit dem „Frasquita“ sogar noch eine Nachtbar.

Heute gibt es dagegen in der Lößnitzstadt kaum noch entsprechende Angebote. Obwohl es theoretisch eine Reihe von Möglichkeiten gäbe: So verfügt zum Beispiel der Gasthof Serkowitz über einen attraktiven Tanzsaal. Und das Dilemma der zwar imposant über der Stadt thronenden, aber seit Jahren geschlossenen Friedensburg bringt die Radebeuler noch immer in Rage, kommt die Sprache darauf. So bleiben Tanzveranstaltungen ausschließlich den Gaststätten der Gartenstadt vorbehalten. Doch auch da üben sich viele in Zurückhaltung. Dabei gibt es einige ganz lauschige Kneipen.

In unregelmäßigen Abständen lädt beispielsweise der „Goldene Anker“ in Altkötzschenbroda zum öffentlichen Tanz ein. Lokalmatador ist die „Klubdisko“ mit dem Radebeuler DJ Uwe Stübner.

Auch die Seniorenbetreuung durch das Familienzentrum wartet mit einigen übers Jahr verteilten Tanzveranstaltungen für die älteren Radebeuler auf.

zur welle

Regelmäßig Familientanz bietet als fast einzige Radebeuler Gaststätte seit einigen Jahren die Gaststätte „Zur Welle“ im Lößnitzgrund. Sie liegt am Meiereiweg in Nachbarschaft mit dem Wellenbad. Zum Gastraum gehört ein recht großer, ebenfalls bewirtschafteter Wintergarten.

Stefan Schmidt ist Restaurantleiter und Geschäftsführer und er hat bisher gute Erfahrungen mit seinen Familientanzveranstaltungen gemacht, die er ein- bis zweimal im Monat, immer an Sonnabenden, anbietet. Für Musik sorgt die FamsusDiskothek. Stefan Schmidt kann bis zu 100 Plätze anbieten, die Veranstaltungen sind zwar unterschiedlich gut besucht, waren jedoch nie ein finanzieller Verlust. Das Publikum besteht zum großen Teil aus Stammgästen, die in erster Linie Radebeuler sind.

In der Großen Kreisstadt Coswig sieht es in punkto Tanzveranstaltungen schon ein wenig besser aus. Mit ziemlicher Regelmäßigkeit kann die „reifere Jugend“ hier tanzen gehen; so im „Talkenberger Hof“, in der „Spitzgrundmühle“, im „Forsthaus“, in der „Deutschen Eiche“ und auch noch anderswo.

Deutsche Eiche

Das Lokal „Deutsche Eiche“ befindet sich an der Dresdner Straße, gleich gegenüber einer Tankstelle. Im Tagesgeschäft lebt Inhaber Thomas Schefler wesentlich von den Gästen, die im Vorbeifahren sein Lokal entdecken. Abends kommen die Stammgäste aus Coswig. Die gehören meist auch zu den Besuchern seines monatlichen Tanzabends. Der findet meist am dritten Sonnabend statt. Thomas Schefler arbeitet ausschließlich mit wechselnden Diskotheken. Es gibt keinen separaten Saal, zum Tanzabend wird die Gaststätte für den normalen Betrieb geschlossen. Etwa siebzig Gäste bringt er in dem mit hellen Holzmöbeln ausgestatteten Raum unter. Das Interieur ist gediegen, könnte aber einen Schuss mehr Individualität vertragen. Ein besonderes gastronomisches Angebot zu den Tanzabenden gibt es nicht, Thomas Schefler reduziert die Karte dann eher noch, weil er den Aufwand sonst personell nicht bewältigen würde. „So ab 35 aufwärts!“, schätzt Thomas Schefler den Altersdurchschnitt seiner Tanzabend-Gäste. „Und ausschließlich Pärchen.“

Nächster Termin ist der 20. September 2003. Zum Tanz spielt dann die Diskothek von Friedmar Scheibner.

Talkenberger Hof

In einer ruhigen Lage im Oberland von Coswig liegt die Traditionsgaststätte „Talkenberger Hof“ in der nach ihr benannten Straße. Geführt wird sie von Winfried Jopp und seiner Frau Gisela. Das Gasthaus bietet relativ viel Platz und ist urig gemütlich eingerichtet. Die Wirtsleute bieten Familientanz einmal monatlich in den Frühjahrs- und Herbstmonaten an, ohne den Veranstaltungen einen besonderen Namen zu geben. Den Sommer über läuft lediglich der normale Gaststättenbetrieb. Nächster Tanztermin ist der 27. September. Die darauf folgenden Tanzveranstaltungen finden am 25. Oktober und am 15. November statt. Es ist generell Pärchenbetrieb, die Besucher sind zum Großteil Stammgäste und kommen meist aus Coswig und Radebeul. Die 110 Plätze sind fast immer ausgebucht, die Life-Musik kommt immer vom Coswiger Duo „Volker + Rolf“. Winfried Jopp verlangt drei Euro Eintritt, damit sind die Unkosten der Kapelle für ihn gedeckt.

Forsthaus

Die außen mit Holz verkleidete gemütliche Gaststätte liegt am Ausgang von Coswig nach Weinböhla an der Weinböhlaer Straße. Auch im Inneren dominiert das Holz die solide Einrichtung. Inhaber Olaf Püschmann bietet ganz unterschiedliche Tanzveranstaltungen an, möchte das Vergnügen aber immer gern gekoppelt mit einem anderen Highlight sehen; es gibt den Frühjahrs- und den Herbsttanz, es gibt den Tanz zum Federweißer- Fest oder auch Weinverkostungen mit Tanz. Außerdem mag er die Live-Musik und setzt die Diskothek nur zu den normalen Tanzveranstaltungen ein, die an den Wochenenden zwischen den Höhepunkten stattfinden. Alleinunterhalter wie Chris Wolf oder das Roger-Whittaker-Double waren schon im Forsthaus, für den Herbsttanz im Oktober ist die Sängerin Nicole Freitag engagiert. In der Regel ist im Eintrittspreis ein Zwei-Gänge-Menü enthalten, es herrscht Pärchenbetrieb. Die Gäste kommen zum großen Teil aus Coswig und Radebeul, aber verstärkt auch aus Dresden, denn man braucht nicht mal ein Auto, weil die Straßenbahn direkt vor dem „Forsthaus“ eine Haltestelle hat.

Meißen kann zwar mit vielen, auf das Jahr verteilten Volksfesten glänzen, die Bilanz an Tanzmöglichkeiten für das reifere Semester in der Porzellanstadt fällt dagegen eher bescheiden aus. Wirklich regelmäßig Tanz gibt es noch im einstigen „Aktivist“ – heute „Parkrestaurant“ – und im „Burgkeller“. Während das „Parkrestaurant“ gar dreimal die Woche zum Tanz einlädt, sind die Tanzabende im „Burgkeller“ zumeist an bestimmte Ereignisse im Kalenderjahr gekoppelt.

Parkrestaurant

Attraktiv direkt an der Elbe gelegen, war das Lokal ein Opfer der Sommerflut von 2002. Die Hochwassermarke ist noch gut sichtbar angebracht, ansonsten aber sieht das Lokal sprichwörtlich wie „aus dem Ei gepellt“ aus. Eine recht bequeme und ziemlich edle Bestuhlung erwartet den Gast, auch das restliche Interieur kann sich sehen lassen. Das Parkrestaurant wird von Dirk und Jeanette Keller geführt.

Es gibt eine Hausdiskothek. Wöchentlich ist mindestens drei Mal Tanz. Am Freitagabend „Wechselball“, bei dem die Männer von den Frauen zur Tanzfläche geholt werden, am Sonnabendabend den „Tanz ins Wochenende“ und am Sonntagnachmittag den „Tanztee“, auf dem sich die ältere Generation freitanzt. Der Saal mit rund 100 Plätzen ist nicht mit dem Restaurant gekoppelt, hat aber eine direkte Verbindung zur Bar, die zu den Veranstaltungen immer besetzt ist und die Kapazität um weitere 20 Plätze ergänzt. Es gibt einen festen DJ, der ganzjährig unter Vertrag ist. Die Veranstaltungen sind gut bis sehr gut besucht, die tanzwilligen Gäste kommen aus Meißen und der näheren Umgebung. Darunter viele Stammgäste. Es gibt an den Tanzabenden kein besonderes gastronomisches Angebot, doch die Abendkarte ist sehr reichlich bestückt und wird allen Ansprüchen gerecht.

Burgkeller

Der Burgkeller besitzt eine sehr attraktive Lage in Nachbarschaft zum Dom und der Albrechtsburg. Die Gaststätte bietet einen grandiosen Fensterblick über die Meißner Altstadt. Die Einrichtung ist den bedeutenden Kunstepochen historisch nachempfunden. Eine Tanzveranstaltung pro Monat findet statt, jede Veranstaltung trägt einen anderen Charakter, wie Marketingmitarbeiterin Jana Spranger berichtet. So gibt es einen Sommernachtsball, einen Frühjahrsmodeball, einen Herbstmodeball, es gibt die Oldienächte und nicht zuletzt den „Valentinstanz“. Zu letzterem beispielsweise bietet die Karte „Menüs und Speisen für Verliebte“ an.

Das Musikangebot wechselt, mal ist es die Hausdiskothek mit dem Namen „Music Fun“, mal sind es Bands wie zum Beispiel „Jaqueline & Co.“, „Temp“, und auch mal die Weinböhlaer Swing- und Dixieband „Swing Along“.

Es herrscht Pärchenbetrieb, die Gäste sind im Schnitt zwischen 30 und 60 Jahre alt und kommen aus Meißen und der näheren Umgebung, aber auch aus Dresden. Unter ihnen einige Tanzklubs, die sich den Burgkeller zu einer Art „öffentlichem Trainingsort“ ausgewählt haben. Es werden fünf Euro Eintritt genommen. Das Angebot auf der Speisekarte ist nicht üppig, eher klein, geboten werden dafür jedoch die Renner der Saison.

140 bis 150 Gäste nimmt der Burgkeller auf, auch das angrenzende „Wiener Café“ kann bei Bedarf integriert werden. Geschäftsführer des sehr geschmackvoll eingerichteten „Burgkeller“ ist Torsten Köhler.

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