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Nur ein Racheakt?

Eine 34-jährige Frau aus Polkenberg ist wegen Unterschlagung angeklagt. Aber hat sie wirklich gestohlen?

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Von Helene Krause

Die kräftige 34-Jährige ist mit ihrer Verteidigerin im Gerichtssaal des Amtsgerichts Döbeln erschienen. Vorgeworfen wird ihr mehrfache Unterschlagung. Im November oder Dezember 2014 soll sie aus einer Kommode in der gemeinsamen Wohnung in Leisnig Unterlagen ihres damaligen Lebensgefährten genommen und ihm außerdem noch eine Uhr und eine Goldkette im Gesamtwert von 1000 Euro weggenommen haben.

Zur Tatzeit war der Geschädigte aus dem Haus ausgezogen. Die Beschuldigte hatte sich im Oktober 2014 von ihm getrennt. Vor dem Familiengericht gab es ein Gewaltschutzverfahren, weil das Opfer die Angeklagte und deren Tochter schlecht behandelt hatte. „Er hatte mir gegen das Knie getreten“, erklärt die Beschuldigte. Die Tat leugnet sie. „Von mir sind auch Dinge weggekommen“, sagt sie. „Die Kommode war leer, als ich wieder in das Haus kam. Er hatte seine Sachen rausgeräumt.“ Die Kette will sie, gemeinsam mit ihrer Mutter, dem Geschädigten 2008 zu Weihnachen geschenkt haben. Die Quittung in Höhe von 350 Euro besitzt sie angeblich noch. Wo die Uhr geblieben ist, weiß sie nicht. „Sie war mehrfach kaputt“, erklärt sie. „Ich hab sie reparieren lassen.“ Auch wegen des Sorgerechts für den gemeinsamen Sohn streiten beide sich weiter vor Gericht.

Der Geschädigte sagt in der Zeugenvernehmung, dass sie die ihm fehlenden Dokumente mit auf ihre Arbeitsstelle genommen habe. Die Kette will er vor Jahren im Paunsdorfcenter gekauft haben. „Sie kam 750 Euro.“ Auch sonst beschuldigt er die Angeklagte schwer und zeigt einen regen Belastungseifer. „Ihre Sachen lagen überall im Haus herum“, erklärt er. „Als ich sie auf die Unterlagen ansprach, reagierte sie nicht. Sie ging weg.“

Wegen des Gewaltschutzverfahrens musste er aus dem gemeinsamen Haus ausziehen. Nach dem Verfahren durfte er es wieder betreten. Als er ins Haus kam, habe der die Gegenstände vermisst und Anzeige erstattet.

Ob die Anzeige ein Racheakt wegen der Trennung und des eingeleiteten Gewaltschutzverfahrens ist, kann in der Verhandlung nicht geklärt werden. Weil Aussage gegen Aussage steht, spricht das Gericht die Angeklagte frei. „Warum hat er die Unterlagen nicht gleich mitgenommen?“, fragt Richter Janko Ehrlich. Und die Angeklagte ermahnt er: „Wenn Sie die Sachen noch haben, schicken Sie sie zurück.“