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Nur einer überlebte

Vor 20 Jahren stießen über Görlitz zwei Flugzeuge zusammen und stürzten ab. Fünf Menschen starben.

Von Ralph Schermann

Der 21. Mai vor 20 Jahren war heiß. Viel Sonne durchflutete den Sonnabend des Pfingstwochenendes. Auf dem Görlitzer Flugplatz waren Tausende Menschen auf den Beinen, um bei der „Dreiländerschau“ dabei zu sein. Sie standen auch Schlange, um Görlitz von oben zu sehen. Man musste 40 Mark hinlegen, und schon ging es für eine Viertelstunde mit erfahrenen Motor- oder Segelflugpiloten in die Luft. Für fünf von ihnen endete der Tag mit dem Tod.

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Das Drama ereignete sich gegen 17 Uhr. Manche hörten ein tiefes Brummen, andere deuteten ein Drehen des Motorfliegers wie ein versuchtes Looping. Bald war die Rede von einem Absturz. Dass es sich sogar um einen Zusammenstoß in der Luft handelte, wurde wenig später klar. Schon klingelten die Notrufe bei Polizei und Feuerwehr pausenlos, sagte die Flugleitung sofort alle weiteren Starts und bald darauf auch das gesamte Fest auf dem Platz ab.

Während auf dem Flugplatz noch immer kein Besucher Bescheid wusste – es gab damals weder Handys noch Twitter – rückte die Feuerwehr aus. Wegen des abgebrochenen Funkkontaktes wurde ein Suchflugzeug eingesetzt, und bald wurde es traurige Gewissheit: Zwei Flugzeuge sind abgestürzt. Im Waggonbau-Werk lagen großflächig verteilt die Überreste eines Motorfliegers vom Typ Piper. Deren Insassen war nicht mehr zu helfen. Nicht weit davon ragte die Tragfläche eines Boccian-Segelfliegers aus einem Haus, dessen Dach komplett zerstört wurde. In den Trümmern lag ein Mann, tot.

Nur einer überlebte das Unglück: Der Pilot des Seglers hatte bis zuletzt seinen Fluggast versucht, zum Absprung zu bringen. Dieser 64-Jährige aber lehnte das ab, obwohl er früher selbst einmal Flieger gewesen war und mit dem gebuchten Start Jugenderinnerungen wachrufen wollte. Der Pilot rettete sich dann in allerletzter Sekunde selbst. Sein Fallschirm öffnete sich erst kurz vor dem Boden, sodass der Mann mit schweren Verletzungen in die Klinik kam. Immerhin konnte dank dieses Überlebenden der Ablauf des schlimmen Unfalls ein wenig rekonstruiert werden.

Zum Ablauf stellten die Ermittler fest: Das viersitzige Motorflugzeug war von der Landeskrone aus Richtung Weinhübel unterwegs. Der zweisitzige Segler kreiste über der Stadt. Beide befanden sich zwischen 500 und 600 Meter Höhe, als sie über dem Waggonbau zusammenprallten. Die Piper stürzte sofort ab, der Segler hielt sich noch ein paar Sekunden. Im Motorflieger starben der Pilot, ein Görlitzer Ehepaar und ein Tourist aus Klingenthal, im Segler der Fluggast. Die Bergung und Identifizierung der Leichen dauerte bis zum nächsten Tag. Bis zum Sonntag dauerte es auch, ehe der Notrufsender des Motorflugzeugs gefunden und abgeschaltet wurde. Er hatte sich nach dem Absturz aktiviert und sendete ununterbrochen Notrufe, die von vielen Linienmaschinen empfangen wurden. Warum das Motorflugzeug plötzlich auf den Segler zukam, bleibt unklar. Nach der damaligen Flugordnung hätte es jedenfalls nicht im Absturzgebiet sein dürfen. Bei einem Erkennen unklarer Situationen schrieb die Regel vor, dass Segler gegenüber Motorflugzeugen immer „Vorfahrt“ haben.. Wie Medien berichteten, wurde der Segelflugpilot von jeder Schuld entlastet, auch ergab die Untersuchung, dass sein Flieger und alle erforderlichen Systeme in Ordnung waren. Das Luftfahrt-Bundesamt schloss die Untersuchungen ohne rechtliche Schritte ab. Damit bleibt es bei einem tragischen Unfall.

Der erfahrene Pilot des Seglers flog nach seiner Genesung wieder. So steuerte er den Bonbonflieger, der bei Kottmarsdorfer Windmühlenfesten sehr beliebt war.