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Nur Geldstrafe für Kieferbrüche

Nach einer Faschingssause in Seifhennersdorf kam es zur Schlägerei. Der Fall kam nun in Zittau vor Gericht.

Symbolbild
Symbolbild © dpa

"Die Narren sind los": Auch in der Oberlausitz geht es in der Faschingszeit mitunter recht hoch her, auch mit bösen Folgen. Wegen eines solchen Zwischenfalls aus dem vergangenen Jahr hatte sich nun ein 31-jähriger Seifhennersdorfer vor dem Amtsgericht Zittau zu verantworten. Gefährliche Körperverletzung legte ihm der Staatsanwalt zur Last. Dazu hieß es sinngemäß in der Anklageschrift:

In den frühen Morgenstunden des 18. November, vermutlich gegen 2 Uhr, sei es nach dem Besuch einer Faschingsveranstaltung im "Pünktchen", ehemals Kinderkrippe und nun schon langjähriges Domizil des SFV, zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen drei jungen Männern gekommen. Diese eskalierte, und plötzlich schlug einer der drei zu. Die Folgen konnte er dabei wohl selbst nicht absehen. Dieser eine Schlag mit der Faust ins Gesicht war so gewaltig, dass er dem zweiten Beteiligten zweimal den Unterkiefer brach. Außerdem splitterte ein Backenzahn. Noch in der selben Nacht suchte der Geschädigte mit seinen Eltern die Notaufnahme des Klinikums auf. Dort entschied man auf die sofortige Überführung in die Uniklinik Dresden. Bei der umgehend eingeleiteten Operation wurden dem Mann zwei Titanplatten eingesetzt. Er konnte zwei Wochen nicht reden und war nur auf flüssige Nahrung oder Brei angewiesen. Erst viel später erfolgte eine zweite Operation, bei der die Implantate wieder entfernt wurden.

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Er könne sich nur noch an das Wortgefecht infolge irgendwelcher Beleidigungen erinnern, erklärte der Angeklagte. Um was es dabei ging, wisse er längst nicht mehr. Auch an den weiteren Ablauf insgesamt könne er sich nicht erinnern. Dabei gab er damals bei der Polizei und auch jetzt an, nur "ein paar Bierchen" getrunken zu haben. Es müsse aber doch so gewesen sein, dass der Geschädigte ihn vorher provozierte. Das sah dieser anders, räumte aber auch ein, sich nicht mehr an Einzelheiten erinnern zu können. Ein Wort gab das andere, und dann ging alles ganz schnell. Der Angeklagte habe mit den Armen herumgefuchtelt, aber den Schlag selbst habe er nicht gesehen oder vorausahnen können, da es vor dem "Pünktchen" sehr dunkel war. Es habe ihn also völlig unvorbereitet getroffen, sodass er nicht ausweichen konnte. Eine Entschuldigung seitens des Täters gab es bisher nicht. Diese Aussagen bestätigte im Prinzip der Begleiter des Geschädigten. Er habe sich noch zwischen die Kampfhähne gestellt, sagte er aus. Damit hoffte er, einen körperlichen Angriff vermeiden zu können, was ihm aber leider nicht gelang.

Nachdem Richter Olaf Kenklies das Protokoll des Uniklinikums Carl Gustav Carus über die Behandlung des Geschädigten verlas, stellte er im Anschluss fest, dass der Angeklagte laut Auszug aus dem Bundeszentralregister ein bisher unbeschriebenes Blatt ist. Damit war die Beweisaufnahme geschlossen. Allerdings gab der Vorsitzende noch den rechtlichen Hinweis, man müsse wohl, entgegen der Anklageschrift, von einer „einfachen“ Körperverletzung ausgehen. Der Angeklagte habe in seinem betrunkenen Zustand wahrscheinlich die Folgen seines Schlages nicht absehen können. Auf jeden Fall könne er den Vorsatz einer schweren körperlichen Schädigung nicht erkennen.

Für den Staatsanwalt hatte sich der Sachverhalt ebenfalls "nur" als Körperverletzung bestätigt – wenn auch mit den genannten schlimmen Folgen. Auch für ihn war klar, dass der Angeklagte den Schlag mit möglicherweise lebensgefährlichen Auswirkungen nicht vorsätzlich geführt hatte. Außerdem spreche zu seinen Gunsten, dass er bisher nicht vorbestraft ist. So könne man es wohl bei einer Geldstrafe belassen. Unter Berücksichtigung der Einkünfte des arbeitslosen Täters beantragte er 100 Tagessätze zu je 25 Euro. Dem schloss sich Richter Kerklies an, und das Gericht fällte ein entsprechendes Urteil. Es ist noch nicht rechtskräftig.

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