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„Nur mit Investoren wird der See ein Touristenziel“

Der Görlitzer IHK-Chef Christian Puppe drängt auf mehr Tempo am Berzdorfer See – auch, um alte Fehler auszumerzen.

Von Sebastian Beutler

Herr Puppe, Sie haben im August 2012 den Kontakt zwischen Johann-Friedrich Engel und dem Görlitzer Oberbürgermeister hergestellt. Sind Sie zufrieden, was sich seitdem getan hat?

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Zunächst einmal ist es gut, dass der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege den See als Wirtschaftsfaktor sieht und eine touristische Leitidee von Johann-Friedrich Engel erarbeiten ließ und damit Bewegung in den Görlitzer Teil der Flächen am See gebracht hat. Nun werden wir viel Kraft, Beharrlichkeit und Kreativität brauchen, um die darin formulierten Lösungsansätze auch in die Praxis umzusetzen.

Es gibt aber kritische Stimmen, die daran zweifeln, dass mit touristischen Projekten am See bis zu 3 500 Betten entstehen und wirklich bis zu 2 500 Jobs geschaffen werden können.

Natürlich wird das nicht von heute auf morgen gehen, und Kritiker und Zweifler gibt es immer, in Görlitz sowieso. Wichtig aber ist, dass umgehend damit begonnen wird, Stück für Stück auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Wenn die Akteure am See die in der Leitidee definierten Grundsätze nicht von Beginn an beachten, werden wir dieses Ziel nicht erreichen. Der Vorteil von Engels Studie ist, dass seine Vorschläge auf einer umfassenden Analyse der touristischen Potenziale der gesamten Region beruhen und im Zusammenhang mit der Entwicklung der Tourismuswirtschaft von Sachsen, Deutschland und den Nachbarländern betrachtet wurden. So was hatten wir bislang nicht, und sie belegt
eindeutig, dass wir es schaffen können.

Der Görlitzer Stadtrat hat Oberbürgermeister Siegfried Deinege beauftragt, bis September aus der Studie ein machbares Konzept zu entwickeln. Ist Ihnen das Tempo hoch genug?

Aus meiner Sicht muss umgehend gehandelt werden. Hier kann man sich nicht bis September Zeit lassen. Die Stadt hat in den letzten zehn Jahren bereits sehr viel Zeit verloren, die schwerlich wieder aufzuholen ist. Daraus resultieren die am See auftretenden Probleme durch die dort fehlende Infrastruktur. Die jahrelange Untätigkeit provoziert, dass bereits jetzt die sich entwickelnde Tier- und Pflanzenwelt wirtschaftliche Nutzungen einschränkt oder ganz unmöglich macht. Viele Akteure und auch Investoren drängen darauf, endlich loslegen zu können. Was wir jetzt benötigen, sind zwei Punkte: Zuerst müssen sich alle Anrainergemeinden hinter die touristische Leitidee stellen und sie zur Grundlage ihres Handelns machen. Des Weiteren ist eine, von den beteiligten Kommunen akzeptierte und getragene, Organisationsstruktur mit einem Verantwortlichen zu schaffen, der für dieses Projekt brennt und vorangeht. Dabei ist es egal, ob es ein Zweckverband ist oder eine Arbeitsgemeinschaft.

Bürgermeister Hänel aus Schönau-Berzdorf hat letztens mit Verweis auf die

Finanzlage seiner Gemeinde einen Zweckverband abgelehnt. Bleibt der bestehende Planungsverband für diese Rolle?

Nein. Der Planungsverband kann es sicher nicht, das beweisen die in fast 20-jähriger Tätigkeit erreichten Ergebnisse. Jetzt müssen neue Akteure ran, die sich ausschließlich um den See kümmern. Der Planungsverband hat keine fest angestellten Mitarbeiter. Nebenbei geht eben nicht.

Warum hängt so vieles von dieser neuen Organisation ab?

Dieses Team muss schnellstens einen Maßnahmekatalog erarbeiten, um die Ziele der Leitidee in überschaubaren Zeitabschnitten zu erreichen. Zugleich muss aber auch die aktuelle Entwicklung im Blick bleiben – die Situation an den Stränden, das Parken, das Baurecht und vieles mehr, besonders aber die bereits agierenden Investoren. Sie brauchen jetzt Unterstützung und Koordinierung. Beide Stoßrichtungen dürfen sich nicht widersprechen. Wenn das Projekt gelingen soll, ist ein viel höheres „Schrittmaß“ notwendig.

Zeigt nicht aber das Beispiel des Streits um das Nordufer, wie schwierig die Situation ist? Dort gibt es Flächenverhandlungen mit einem Investor, der zwar willens ist, den Forderungen der Anrainergemeinden zu folgen, aber wo es offensichtlich schwer ist, das in einen Vertrag zu gießen.

Die Stadt hat bereits vor über 15 Jahren entscheidende Fehler bei der Grundstückssicherung am See gemacht. Obwohl sie das Vorkaufsrecht für die Grundstücke hatte, nahm sie dieses unverständlicherweise nicht wahr, sodass jetzt 20 oder 25 Eigentümer am See aktiv sind. Im Nachhinein dort touristische Infrastruktur zu entwickeln, ist natürlich schwieriger, weil mit jedem dieser Eigentümer Einvernehmen hergestellt werden muss. Was aber auch möglich ist. Viel leichter ist es natürlich, wenn die Stadt den Weiterverkauf der von ihr zuvor erworbenen Grundstücke an einen potenziellen Investor an Bedingungen knüpfen kann. Das ist bei vielen Flächen, wie zum Beispiel dem Areal um den Hafen und die Halbinsel auch immer noch möglich. Die Umsetzung der Leitidee ist letztlich nur durch private Investoren möglich, denen der unkomplizierte Erwerb der erforderlichen Grundstücke im Sinne der touristischen Entwicklung ermöglicht werden muss.

Was schlagen Sie vor, was jetzt zu tun wäre?

Neben der Klärung der Eigentumsverhältnisse am See muss umgehend die Visualisierung der Studie von Johann-Friedrich Engel in Form eines Masterplanes veranlasst werden, damit die Menschen eine Vorstellung davon bekommen, wie es einmal am See aussehen soll. Dabei sind die bereits geplanten Vorhaben und Akteure mit einzubeziehen. Der Masterplan muss sowohl die planerischen und wirtschaftlichen als auch Landschafts- und Naturschutzaspekte berücksichtigen. Zeitnah sind jetzt auch die Gespräche mit den zu beteiligenden Behörden zur Leitidee aufzunehmen, und es ist ein Argumentationspaket für die Ansprache von Investoren zusammenzustellen. Auch hierzu ist die Leitidee eine hervorragende Grundlage. Deshalb brauchen wir jetzt ein schlagkräftiges Team. Hier muss die Stadt Görlitz, als größter Anrainer des Berzdorfer Sees, vorangehen.

Es gibt Kritiker, die Sorge um den Berzdorfer See als Naherholungsgebiet haben, wenn er in der vorgeschlagenen Art touristisch genutzt wird. Ganz unberechtigt scheint das ja nicht der Fall zu sein?

Ich sehe keinen Grund für diese Sorgen. Der See bietet mit seinen 18 Kilometer Uferlänge Platz für alle. Wichtig ist, dass durch abgestimmtes Handeln ausgeschlossen wird, dass sich verschiedene Nutzungsarten gegenseitig stören oder gar ausschließen. Darüber hinaus geht es ja im Wesentlichen um Flächen, die auch zurzeit zur Naherholung gar nicht genutzt werden. Engel und seine Studie gehen gerade davon aus, dass alle Beteiligten am See einzubeziehen sind. Und zwar von Anfang an. Deswegen brauchen wir ja jetzt das Team, um Bedenken zu diskutieren und Kritiker zu überzeugen, nicht um gegeneinander zu arbeiten. Um den See als Wirtschaftsfaktor zu nutzen, braucht es aber auch Kompromissbereitschaft auf allen Seiten. Wir haben die Chance, künftigen Generationen mit dem See ein tolles Naherholungsgebiet und einen Ort zu schaffen, wo sie sich ihr Einkommen, ihre Lebensgrundlage erarbeiten können. Wer das nicht will, der hat kein Recht, über niedergehende Wirtschaft und fehlende Arbeitsplätze in Görlitz zu klagen. Dass wir aber mit dem See wirtschaftliches Wachstum erreichen können und er Motor für den Tourismus der gesamten südlichen Oberlausitz sein kann, das steht in der Studie von Johann-Friedrich Engel. Ich bin fest davon überzeugt, dass sowohl für Naherholung als auch für touristische Projekte Platz an unserem Berzdorfer See ist.