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Nur mit viel Mühe gibt’s eine Betreuung nach Feierabend

Obwohl es längere Betreuungszeiten gibt, ist eine Mutti unzufrieden. Sie kann ihr Kind nicht zeitiggenug abholen.

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Von Reinhard Kästner

Wie es im nächsten Jahr mit der Betreuung ihrer einjährigen Tochter Jette weitergeht, bereitet Kati Jahn Sorgen. „Meine Tochter besucht die Kindereinrichtung ‚Zwergenland‘ an der Böhrigen Straße. Dort gibt es nur eine Kernöffnungszeit bis 16.30 Uhr. Da ich auswärts in Gleitzeit arbeite, kann ich es mir bis auf einen Tag einrichten, die Kleine rechtzeitig vor der Schließung abzuholen“, erzählt die Mutti.

Doch dieser eine Tag bereitet ihr Probleme. Da sie in einer Behörde arbeitet, muss sie dienstags den Sprechtag bis 18 Uhr mit absichern. Deshalb kann sie dann die Kleine erst gegen 18.30 Uhr in Roßwein abholen. Eine andere Möglichkeit hat sie nicht.

Keine Kinderfreundlichkeit

„Die Stadt spricht immer von Kinderfreundlichkeit. In meinen konkreten Fall merke ich nichts davon“, sagt Kati Jahn. Sie versteht es nicht, dass nicht wenigstens an einem Tag eine längere Betreuung möglich ist. „Schließlich ist das doch eine Dienstleistungsfunktion und die Erzieherinnen könnten sich bei der Betreuung abwechseln. Wenn diese erst einmal angeboten wird, melden sich bestimmt auch noch mehr Mütter“, meint Kati Jahn.

Die Stadt hat für die Kita „Bussi Bär“ an der Gersdorfer Straße eine Betreuungszeit von 6 bis 20 Uhr beschlossen. „Diese Einrichtung hat jedoch nur eine Betriebserlaubnis für die Betreuung von Kindern ab einem Alter von zwei Jahren an“, betont Hauptamtsleiterin Michaela Neubert. Selbst für die älteren Kinder sei bisher kein großer Bedarf angemeldet worden. „Wir bieten diese Öffnungszeit trotzdem an, weil es eine Zeit braucht, bis sich die Eltern an diese Möglichkeit gewöhnt haben“, sagt Neubert.

Doch das hilft Kati Jahn nicht. Sie kann sich vorstellen, das es aus versicherungsrechtlichen Fragen nicht möglich ist, das Kind am Abend von der Böhrigener Straße in die Gersdorfer Straße zu bringen.

Nun überlegt sie, ob sie nicht generell eine Tagesmutti zur Betreuung ihrer Tochter nimmt. „Ein solches Angebot soll es ab dem nächsten Jahr auch in Roßwein geben. Dann ist bestimmt auch eine individuelle Betreuung möglich. Was passiert aber, wenn die Tagesmutti mal krank wird?“, fragt sich Kati Jahn.

Im Hauptamt sind diese Fragen bekannt. „Es handelt sich um einen einzigen Fall. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, bedarfsgerecht zu versorgen“, sagt die Hauptamtsleiterin. Und das könne man nicht an einem Einzelfall festmachen. Die Umfrage unter den Eltern habe zwar einen Bedarf nach längeren Öffnungszeiten ergeben, bei der tatsächlichen Nutzung während der Probephase sei jedoch nicht einmal die Öffnungszeit bis 17 Uhr angenommen worden. „Zudem hat uns das Jugendamt darauf aufmerksam gemacht, das Kleinkinder einen festen Schlafrhythmus benötigen. Deshalb genehmigt man für die bis Zweijährigen die Betreuungszeit bis 20 Uhr nicht“, sagt Michaela Neubert. Die Frage der Vertretung der Tagesmutter im Krankheitsfall sei bisher noch nicht geklärt. „Es gibt aber eine Möglichkeit, die genau auf die Bedürfnisse von Kati Jahn zugeschnitten ist: die ergänzende Tagespflege. Dabei wird das Kind nach der Öffnungszeit der öffentlichen Kita von einer Betreuungsperson solange in ihre Obhut übernommen, bis es abgeholt werden kann. Das ist auch in Roßwein möglich. Wir haben dies gestern Kati Jahn vorgeschlagen“, sagt Michaela Neubert.