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Freital

„Nur noch 30 auf der Dresdner Straße“

Ines Kummer, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, über das Programm und das Image Freitals.

Ines Kummer, Jahrgang 1962, ist seit 2003 Büroleiterin für Bundes- und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis und sitzt seit 2014 im Freitaler Stadtrat.
Ines Kummer, Jahrgang 1962, ist seit 2003 Büroleiterin für Bundes- und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis und sitzt seit 2014 im Freitaler Stadtrat. © Karl-Ludwig Oberthür

Frau Kummer, die Grünen sind seit 1994 im Freitaler Stadtrat und haben ihr Wahlergebnis seitdem nicht steigern können.

 2014 waren es wie zwanzig Jahre zuvor 4,3 Prozent. Ihre Partei stellt nur eine Stadträtin, nämlich Sie. Ist denn diesmal, angesichts des bundesweiten Aufwärtstrends für die Grünen, in Freital mehr möglich?

Schritt für Schritt

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Dazu möchte ich keine Prognose abgeben, das werden die Wählerinnen und Wähler entscheiden. Mitgliedermäßig aber hat sich in Freital tatsächlich etwas Positives getan, wir sind jetzt zwölf. Das mag zwar wenig klingen, für uns aber ist das ein Zuwachs um vierzig Prozent. Nun haben wir als Stadtverband wieder eine Stärke, um uns kommunalpolitisch einzumischen.

Sind denn die grünen Themen, auch dank Ihres Engagements, in der vergangenen Wahlperiode mehr als bisher in Freital angekommen?

Ja, unbedingt, denken wir nur an die Weiterentwicklung des Radverkehrs, da gibt es aus unserer Sicht ein Umdenken in der Stadt. Der Schutzstreifen, der jetzt kommen soll, ist zwar noch nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin ein Anfang.

Welches Ziel haben die Grünen beim Thema Radfahren in Freital?

Die Radwegekonzeption muss fortgeschrieben werden, mit der Maßgabe, dass entlang der Dresdner Straße durchgängig Radverkehr möglich ist und die Ortsteile radtechnisch angebunden werden. Generell brauchen wir eine Infrastruktur für den Radverkehr, damit es eben auf Parkplätzen und an allen Bahnhöfen auch Radabstellanlagen gibt. Diese fehlen in der Stadt, auch dort, wo schon neu gebaut wurde wie auf dem Neumarkt. Wenn Wochenmarkt ist, kommen viele Menschen mit den Rädern, was ja gut ist, aber wohin damit? Die Fahrräder lehnen dann an den Laternenmasten. Wir machen uns auch für Fahrradausleihstationen stark, um zum Beispiel die Tarifzonengrenze des Öffentlichen Personennahverkehrs zwischen Freital und Dresden zu überbrücken, was andernorts schon längst funktioniert.

In Ihrem Wahlprogramm steht, dass die Geschwindigkeit für Fahrzeuge auf der Dresdner Straße auf 30 km/h begrenzt werden soll. Ist das denn realistisch?

Wir gehen schon davon aus, dass das realistisch ist. Aus gesetzlicher Sicht wäre das auch durchaus machbar, eine Mehrheit im Stadtrat vorausgesetzt. Nur so schaffen wir es, die Dresdner Straße zu entlasten und wieder attraktiver für Fußgänger und Anwohner zu machen. Wir brauchen ein Umdenken in der Verkehrspolitik, auch im ökologischen Sinne. Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist da nur ein Anfang. Sie würde den Verkehr von der Dresdner auf die Umgehungsstraße lenken und könnte manchen Autofahrer zum Umsteigen auf Bus und Bahn oder Fahrrad bewegen.

Sie fordern für Großveranstaltungen künftig ein Umweltmanagement, unter anderem wollen Sie, dass die Gastronomen auf Einweggeschirr verzichten. Wie soll das gehen, etwa beim Windbergfest, wenn insgesamt 15 000 Leute kommen?

Warum soll das beim Windbergfest nicht funktionieren? Da ist das Stadtmarketing gefragt, das mit den Händlern verhandeln muss. Uns geht es vor allem um Einweggeschirr und Becher aus Kunststoff, weniger um kompostierbare oder essbare Alternativen, die es längst gibt. Die EU hat ja eine Richtlinie dazu beschlossen, es wird Zeit, dass wir an der Umsetzung arbeiten.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen ist seit 1994 ohne Unterbrechung im Freitaler Stadtrat vertreten, bislang stets nur mit einer Person. Bei der Stadtratswahl 2014 konnten die Grünen mit 4,3 Prozent der Stimmen erneut einen Sitz im Stadtrat holen.

Ines Kummer, die Stadträtin der Grünen, bildet mit der SPD zusammen eine Fraktion im Stadtrat, deren stellvertretende Vorsitzende sie ist.

Die Grünen treten mit zehn Kandidatinnen und Kandidaten zur Stadtratswahl am 26. Mai an. Darunter ist mit Spitzenkandidatin Ines Kummer die aktuelle Stadträtin.

Die Liste der Grünen ist überwiegend weiblich. Kandidatinnen sind neben Ines Kummer die Studentin Lydia Engelmann, die Rechtsanwältin Anja Timmann, die Rentnerin Anneliese Gunkel, die Auszubildende Anne-Kathrin Kummer und die Projektsachbearbeiterin Grit Zeibig; die vier Kandidaten sind der Gartenbauingenieur Holger Weiner, der Medienunternehmer Stefan Trutschler, der Vertriebsmitarbeiter Robert Hecker und der Softwareentwickler Erik Schanze. (SZ/th)

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Mit verschiedenen neuen Gremien wollen Sie der Basisdemokratie in Freital auf die Sprünge helfen und die Bürgerinnen und Bürger stärker an Entscheidungen der Stadt beteiligen. Unter anderem schlagen die Grünen ein Kinder- und Jugendparlament vor. Was muss man sich darunter vorstellen?

Unter einem Kinder- und Jugendparlament verstehe ich, dass dort Bedürfnisse und Ideen der Kinder und Jugendlichen für die Stadt besprochen und gebündelt werden, dass aus der Perspektive der jungen Leute Kommunalpolitik gemacht wird. Das Parlament soll ähnlich demokratisch arbeiten wie der Stadtrat, mit dem Recht, im Stadtrat vor bestimmten Entscheidungen angehört zu werden. Wie genau das gehen kann, hat die Stadt Zwickau gezeigt. Vereine, Jugendklubs oder Schulen schlagen aus ihrer Mitte Vertreter für das Parlament vor, die dann vom Stadtrat berufen werden.

Freitals Image hatte durch die Ausschreitungen und Terrorakte im Zusammenhang mit der Aufnahme von Asylbewerbern in der Stadt massiven Schaden genommen. Was wollen Sie und Ihre Partei tun, um Freital in der öffentlichen Wahrnehmung wieder in ein besseres Licht zu rücken?

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Wofür die Parteien und Wählervereinigungen stehen und was sie geleistet haben. Und wie schlagkräftig sind die Kandidatenteams eigentlich.

Die Lage in Freital empfinde ich gerade als sehr entspannt. Es leben derzeit nur etwas mehr als 100 Geflüchtete in Freital, und die sind alle dezentral untergebracht, was ja die beste Form der Integration ist. Was wir fordern, ist, dass die Ereignisse um die Terrorgruppe Freital noch mal politisch aufgearbeitet werden. Andererseits ist in Freital in den vergangenen Jahren sehr viel geworden, und das wollen wir nicht kleinreden, im Gegenteil, das verdient Anerkennung. Und das müssen wir nach außen tragen, wir müssen mehr über das Positive reden, über die tolle Kunstsammlung auf Schloss Burgk zum Beispiel, um die uns sogar die Dresdner beneiden, die müssten wir weltweit vermarkten.

Die Fragen stellte Thomas Morgenroth.